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Das Kosmetiksortiment der Apotheken steht bei Frauen hoch im Kurs. Rückläufigen Umsätzen kann mit Know how und Marketingaktionen gegengesteuert werden. Eine gute Profilierungsmöglichkeit – auch für PKA.
Verkaufspsychologisches Können gefragt Wichtig ist eine positive Einstellung zur Kosmetik, um erlernte Produktkenntnisse nutzenorientiert für den Kunden kommunizieren zu können. Daneben spielt die Warenpräsentation eine entscheidende Rolle. Bei Promotionsaktionen erleichtern Hautanalysegeräte, die gekauft, aber auch von Kosmetikfirmen, dem Großhandel, Promotionsanbietern geliehen werden können, den Einstieg in die Beratung, individuell auf den Hauttyp und -zustand abgestimmt. Eine Qualifizierung zur Kosmetikfachberaterin, die einige Apothekerverbände anbieten, oder auch die Weiterbildung „Fachkraft für kosmetische Behandlungen (IHK)“ beziehungsweise eine zusätzliche Kosmetikerausbildung kann sich lohnen. Zum einen schärfen Sie damit Ihr Profil, zum anderen können Sie sich hierdurch wirtschaftlich sogar ein zweites Standbein aufbauen.
Mit Dermokosmetik punkten Fakt ist: Die Zahl der Personen mit Allergien oder einer übersensiblen Haut nimmt stark zu. Die nötige Beratung hierfür können Apotheken viel besser übernehmen als die Konkurrenz der SB-Warenhäuser und Drogerien. Für viele Apotheken ist es empfehlenswert, ihr Profil als Ort qualifizierter Fachberatung in allen Hautangelegenheiten zu schärfen. Nicht nur Kunden, die sich direkt für Apothekenkosmetik interessieren, immer breitere Bevölkerungsschichten greifen stärker zu antiallergischen Produkten ohne Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe.
In der Apotheke lassen sich überwiegend die Personen beraten, die bereits erkannt haben, dass sie Probleme mit ihrer Haut haben. Gut geschult können nicht nur pharmazeutisches Fachpersonal, sondern auch PKA zur Problemlösung beitragen und den Mehrwert vermitteln, dass optimale Pflege Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden bedeutet. Gerade für die Apotheke sind mittlerweile viele Dermokosmetika entwickelt worden. Dabei handelt es sich um kosmetische Mittel, die bei speziellen Hautzuständen sowie zur Unterstützung der Vorbeugung und Behandlung von Hauterkrankungen eingesetzt werden. Anders ausgedrückt: Produkte, die speziell unter dem Gesichtspunkt „Gesundheit für die Haut“ entwickelt wurden, dermatologische Ansprüche erfüllen, die Hautprobleme gezielt angehen und Lösungen anbieten.
Fragen stellen, Tipps geben Geht es darum, aus dem vorhandenen Sortiment für einen Kunden ein bestimmtes Produkt auszuwählen, sind folgende Überlegungen hilfreich:
Grundsätzlich ist es nützlich, die Hautverträglichkeit zu testen. Hierfür sind kleine Kosmetikproben hilfreich. Hat ein Kunde schon die Entscheidung für eine bestimmte Kosmetikmarke getroffen, sollten möglichst nur Produkte diese Firma angewandt werden und nicht die Tagescreme der Firma X, dazu die Nachtcreme der Firma Y. Mit Hinweisen zur hygienischen Entnahme („Nur mit sauberen Fingern, besser mit Hilfe eines Holz- oder Metallspatels“), zur Lagerung („verschlossen und kühl“), zur Anwendung („Gesichtscreme ganz sparsam auftragen und mit leichtem Druck der Finger sowie kreisenden Bewegungen einklopfen beziehungsweise einmassieren“) weisen Sie Beratungs-Mehrwert auf. Viele dieser verkaufsfördernden Zusatzhinweise können von den Kosmetikerinnen der Herstellerfirmen gelernt werden. Nutzen Sie regelmäßig deren Schulungen.
Entscheidend: der Hautzustand Die Produkte, die ausgewählt werden, gilt es in Zusammensetzung und Eigenschaften auf den aktuellen Hautzustand abzustimmen. Dieser kann sich im Laufe des Lebens mehrmals verändern, da er abhängig ist von Einflüssen wie Klima (Kälte, Wärme, trockene oder feuchte Luft), Umwelt (Sonnenexposition, UV-Strahlung, Stress, berufliche Hautbelastungen), Lebensgewohnheiten, Ernährung, hormonelle Situation (Pubertät, Pille, Schwangerschaft, Wechseljahre), Alter, Pflege (Reinigungsmittel, Pflegeprodukte), Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder der Einnahme bestimmter Medikamente.
All diese Faktoren reduzieren oder verstärken die Talg- und Schweißproduktion der Haut. Diese Emulsion aus Schweiß und Hautfett, die je nach Aktivität der Talgdrüsen (fettproduzierende Drüsen) oder der Schweißdrüsen (feuchtigkeitsproduzierende Drüsen) einmal als O/W (Öl in Wasser)- Emulsion und ein anderes mal als W/O (Wasser in Öl)-Emulsion vorliegen kann, nennt sich Hautoberflächen- oder Hydro-Lipid-Film.
Dieser Film schützt die Hautoberfläche vor Austrocknung, mikrobiellen Infektionen und wird wegen seines schwach sauren pH-Wertes vielfach auch Säureschutzmantel genannt. Zusätzlich enthält dieser Hautoberflächenfilm kleinste abgestorbene Hautschüppchen und vor allem Feuchthaltesubstanzen (Harnstoff, Milchsäure, Pyrrolidoncarbonsäure, Hyaluronsäure, Aminosäuren), die Wasser zu binden vermögen und häufig auch unter dem Begriff NMF (Natural Moisturizing Factors) geführt werden.
Die Anwesenheit von Wasser an der Hautoberfläche ist von großer Bedeutung für die Elastizität der Haut und ein angenehmes Hautgefühl. Die normale Haut ist nicht zu trocken und nicht zu fett, wirkt straff, feinporig mit nur leicht größeren Poren auf der Nase, rosig, also gut durchblutet ohne größere Auffälligkeiten oder Empfindlichkeiten. Die fett-feuchte Haut ist durch Überaktivität der Talgdrüsen charakterisiert, wodurch die Hautoberfläche sich großporig darstellt und durch einen fettig glänzenden W/OEmulsion Hydolipidfilm bedeckt ist. Die Haut ist kräftig und vergleichsweise unempfindlich. Insbesondere Jugendliche mit fett-feuchter Haut neigen zu Mitessern und Komedonen bis hin zur Akne.
Trockene Haut kann durch einen Mangel an Feuchtigkeit, aber auch an Fettstoffen charakterisiert sein. Ursache kann etwa ein Mangel an natürlichen Feuchthaltesubstanzen im gestörten Hydrolipidfilm sein, aber auch eine verminderte oder gestörte Talgbildung und -bindung. Die Barrierefunktion der Haut ist gestört. Die Haut erscheint feinporig, matt, ohne Glanz, schuppig, fühlt sich rau an und kann an manchen Stellen, beispielsweise an Haaransatz und Nasenwurzel sogar leicht gerötet, gereizt bis entzündet sein.
Erweiterte Äderchen schimmern wegen der extremen Dünne der obersten Hautschicht sichtbar durch. Auch Juckreiz und unangenehmes Spannungsgefühl kommen vor, die Elastizität lässt nach, was man an schlafferen Konturen oder auch daran erkennen kann, dass die Haut bei Verschieben unter leichtem Druck an den Wangen oder um die Augen vermehrt Runzeln zeigt beziehungsweise Falten wirft. Trockene Haut ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Fast alle Menschen über 60 Jahre zeigen Merkmale trockener, fettarmer Haut, auch viele Diabetiker und Allergiker neigen hierzu.
Von Mischhaut spricht man, wenn insbesondere im Gesicht die T-Zone, also Stirn, Nase, Kinn zu unreiner fetter Haut neigt, während die Wangen eher trockene oder annähernd normale Haut aufweisen. Viele 30- bis 45-jährige Frauen klagen über eine empfindliche Haut. Für diese existiert allerdings keine klare Definition. Verstanden wird darunter eine Haut, die eine verminderte Reizschwelle, also erhöhte Sensibilität für irritierende Stoffe in den Pflegeprodukten oder auf äußere Einflüsse wie Wärme besitzt. Betroffene klagen dann häufig über starkes Spannungsgefühl, Kribbeln, Brennen, Jucken oder Rötung der Haut.
Kosmetische Produkte haben Aufgaben Mit kosmetischen Pflegeprodukten soll die physiologische Hautfunktion unterstützt, der Hydrolipidfilm bewahrt, gestörte Hautfunktionen wieder hergestellt, der Feuchtigkeitsgehalt der Haut aufrechterhalten und zusätzlich die Haut vor schädlichen Einflüssen geschützt werden. Ist man sich über den Hautzustand des Kunden klar geworden, können die kosmetischen Mittel entsprechend ausgewählt werden. Dabei beruhen praktisch alle Kosmetikserien zur Anwendung im Gesichtsbereich auf dem Grundprinzip: Reinigen – Tonisieren – Pflegen.
Bei allen kosmetischen Mitteln ist laut Kosmetikverordnung (KMVO) auf der äußeren Verpackung eine Auflistung der im Produkt enthaltenen Bestandteile anzugeben – und zwar in absteigender Reihenfolge ihrer Konzentration. Nur bei Substanzen unter einem Prozent braucht diese Reihenfolge nicht mehr eingehalten zu werden. Für Duft- und Aromastoffe ist eine globale Angabe ohne nähere Spezifikation möglich. Diese Deklaration der Inhaltstoffe erleichtert es gerade bei Kunden mit erkennbaren Hautproblemen, sich im Dschungel der kosmetischen Produkte zurechtzufinden.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 09/10 ab Seite 82.
Dr. Eva-Maria Stoya, Apothekerin / Journalistin
Stichworte: Haut, Kosmetika, Online-Fortbildung, PKA-Fortbildung, natürliche Kosmetik