20 Minuten für ein Leben

Darmkrebs

Abbildung © Felix Burda Stiftung © Felix Burda Stiftung

Nur eine Koloskopie ermöglicht das frühe Entdecken und Entfernen von Krebs oder seiner Vorstufen. Die nahezu schmerzlose Untersuchung dauert nicht lange und schenkt doch wertvolle Lebenszeit.

Rund 37 000 Männer und 36 000 Frauen erhalten in Deutschland jährlich die Diagnose Darmkrebs. Dieser stellt damit die zweithäufigste Krebsneuerkrankung und auch Todesursache dar, etwa 27 000 Menschen sterben pro Jahr daran. Denn aus ehemals gesunden Zellen der Darmschleimhaut können gutartige Schleimhautwucherungen entstehen – Polypen. Diese ragen meist pilzförmig in den Darm hinein, erst kaum sichtbar, nur wenige Millimeter groß. Sie können weiter wachsen, irgendwann nach Jahren oder auch Jahrzehnten entarten manche von ihnen, werden bösartig, der Krebs ist da.

Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle: So erhöhen Übergewicht, Bewegungsmangel, ein hoher Fleisch- und niedriger Obst- und Gemüsekonsum sowie bestimmte entzündliche Darmerkrankungen das Risiko, Darmkrebs zu bekommen. Auch die eigene genetische Veranlagung ist beteiligt, besonders, wenn bereits Verwandte ersten Grades Darmkrebs oder Polypen haben. „Darmkrebs“ bezieht sich dabei vor allem auf Krebserkrankungen des Dickdarms; nur selten ist der Dünndarm oder der After betroffen.

Keine Angst vor der Untersuchung Gerade „Horrorgeschichten“ durch Familie und Bekannte sind laut Professor Henryk Dancygier, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Offenbacher Klinikum und Leiter des dortigen Darmzentrums, der häufigste Grund, warum viele nicht zur Darmspiegelung gehen. Fast alle Erkrankungs- und auch Sterbefälle durch Darmkrebs könnten aber vermieden werden, würden mehr Personen das Angebot der Gesetzlichen Krankenkassen annehmen, ab dem 55. Lebensjahr eine Vorsorgespiegelung durchführen zu lassen.

Mehr als vier Millionen Versicherte haben sich bundesweit seit der Einführung dieser Leistung im Jahr 2002 untersuchen lassen, etwa 500 000 jährlich sind es zuletzt gewesen. „Noch viel zu wenige, trotz der guten Werbeaktionen im Darmkrebsmonat März, die Untersuchung rettet schließlich das eigene Leben“, betont der Mediziner. „Bei einem erfahrenen Arzt kommt es zudem nur äußerst selten zu einer Verletzung des Darms. Es gibt also keinen Grund, Angst zu haben – schon gar nicht vor dem Spiegeln, da das oberste Ziel eine schmerzfreie Untersuchung ist. Beruhigungs- und Schmerzmittel werden immer individuell an den Patienten angepasst.“

Der Chefarzt und seine Kollegen führen an die 1800 bis 2000 Koloskopien, wie die Darmspiegelung im Fachjargon heißt, pro Jahr durch. Nicht nur Vorsorgespiegelungen, sondern auch Kontrollen, wenn zuvor Polypen entfernt wurden. Oder wenn Beschwerden bestehen, wie Blut im Stuhl, Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Müdigkeit – alles unspezifische Symptome, die auch Ursache anderer Krankheiten sein können, aber leider auch von Darmkrebs.

Um es erst gar nicht soweit kommen zu lassen, setzt sich Dancygier für die Vorsorgekoloskopie ein: „Das Wesen dieser Untersuchung liegt gerade darin, dass sie bei vollkommen beschwerdefreien Patienten durchgeführt wird.“ Hämoccult- oder Enzymtests sieht er kritisch, da sie die Spiegelung des Darms nicht ersetzen können.

Gewissheit per Labor Die Abtragung von Polypen erfolgt mit einer Schlinge, die durch das Koloskop eingeführt wird. Das schwarze, flexible und schlauchförmige Untersuchungsgerät ist circa 150 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von rund 12 Millimeter, es enthält einen Videochip, eine Lichtquelle, Gänge zum Spülen, Luft einblasen, Absaugen sowie zum Einführen von chirurgischen Instrumenten.

Vom Mastdarm aufwärts geht es dann über die verschiedenen Dickdarmabschnitte bis hin zur Ileozökalklappe, die den Dünndarm vom Dickdarm trennt. Der Untersucher sieht so bereits beim Hochspiegeln, ob Auffälligkeiten in der Darmschleimhaut bestehen – beim Zurückziehen des Gerätes wird aber nochmal ganz genau kontrolliert, erklärt Dancygier. Entdeckt er einen Polypen, führt er in das Koloskop eine Biopsiezange ein, mit der er diejenigen erfasst, die bis zu fünf Millimeter groß sind. Alles darüber benötigt meist eine Schlinge, die den Polypen an seiner Basis umfasst, hoch hebt, zusammenzieht und dann mittels Strom abtrennt.

Der abgetragene Polyp kommt in ein Netz und wird hinausbefördert. „Alle Polypen gehen sofort zur feingeweblichen Untersuchung in unser Kliniklabor“, erklärt der erfahrene Arzt. „Falls die Koloskopie einen Normalbefund ergibt, empfehle ich eine erneute Vorsorgespiegelung nach fünf bis sechs Jahren. Wenn jedoch Polypen gefunden wurden, sollte in der Regel bereits nach zwei Jahren kontrolliert werden – das hängt jedoch von der mikroskopischen Beschaffenheit des Polypen ab, denn nicht jeder wird bösartig.“

Bis zum Jahr 2015 will die Felix Burda-Stiftung die Zahl derer, die jährlich an Darmkrebs sterben, von 27 000 auf unter 15 000 senken – nach Meinung des Darmkrebsexperten Dancygier ein erreichbares Ziel, das aber noch großer Anstrengungen und Aufklärungskampagnen bedarf. Weitere Informationen rund um das Thema finden Sie auf www.darmkrebs.de.

© Klinikum Offenbach
VITA
Prof. Dr. med. H. Dancygier, geboren 1949, ist am Klinikum Offenbach seit 1989 Chefarzt der Medizinischen Klinik II. Zudem leitet er das dort 2009 gegründete Darmkrebszentrum, das Teil des Integrativen Tumorzentrums am Klinikum Offenbach ist. Um den Darmkrebspatienten eine optimale Versorgung zu gewährleisten, besteht eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten sowie internen und externen Partnern.


Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/10 auf Seite 40.

Dr. Petra Kreuter

Stichworte: Dancygier, Darmkrebs, Darmspiegelung, Felix Burda Stiftung, Koloskopie

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