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Jede zweite Frau über 30 Jahre hat Schätzungen zufolge hierzulande mit mehr oder minder vergrößerten Hämorrhoiden zu kämpfen. Bei anhaltenden Beschwerden sollte stets ein Proktologe aufgesucht werden.
Der weibliche Körper hat von Natur aus ein elastischeres Bindegewebe als der männliche, damit er sich der Schwangerschaft und der folgenden Geburt anpassen kann. Die Flexibilität bringt optisch und gesundheitlich aber leider auch einige Nachteile mit sich: Cellulite, Krampfadern und nicht zuletzt auch Hämorrhoiden (Plexus hämorrhoidalis). Der Name stammt vom griechischen haíma = Blut, rhéin = fließen. Probleme mit dem Allerwertesten sind auch in der jüngeren Bevölkerung kein Einzelfall. Neben Schwangeren sind vor allem Übergewichtige und Frauen, die schwere Lasten tragen müssen, für die Bildung von vergrößerten Hämorrhoiden anfällig – besonders dann, wenn sie viel sitzen und sich wenig bewegen. Letzteres geht oft auch noch mit einer verlangsamten Darmtätigkeit einher und kann so zusätzlich zu einer Verstopfung führen.
Immer noch ein Tabuthema Viele Betroffene greifen beim ersten Jucken am Po zu Salbe oder Zäpfchen. Diese enthalten beispielsweise Hamamelis, Lidocain oder bestimmten Mikroorganismen. Akute schmerzhafte Reizzustände lassen sich so dann auch rasch lindern, entzündliche Hautveränderungen am und im After beseitigen. Entzündungshemmende Wirkstoffe in den Mitteln sorgen dafür, dass das Gewebe abschwillt und das unangenehme Druckgefühl verschwindet. Doch bringen Proktologika keinen gewünschten Erfolg und dauern die Beschwerden wie leichte Blutungen, Brennen, Nässen und Juckreiz an, kann nur ein Besuch beim spezialisierten Facharzt (Proktologen) Sicherheit schaffen. Die einfache rektale Tastuntersuchung ist kaum unangenehm und nicht schmerzhaft. Je länger man allerdings wartet, desto größer ist die Gefahr von Entzündungen und anderen Spätfolgen.
Jeder hat sie! Genau genommen besitzt jeder von uns Hämorrhoiden. Es ist ein spezielles Gefäßsystem und wichtiges Bestandteil des Darmverschlusssystems im Enddarm. Die ringförmig angeordneten, krampfaderartigen Schwellkörper dichten den Enddarm zum Mastdarm hin ab. Sie verhindern unterstützend zum Schließmuskel, das unkontrollierte Austreten des Stuhls, von Flüssigkeit und Gas. Nur: Fließt dauerhaft zu viel Blut zur falschen Zeit in den Schwellkörper, können sie sich unverhältnismäßig stark vergrößern. Sie treten nach und nach aus dem After hervor. Erst wenn sie Beschwerden verursachen, haben sie einen Krankheitswert.
Je weiter Hämorrhoiden aus dem After gedrückt werden, desto häufiger kommt es auch zur Einschränkung ihrer Funktion als Feinverschluss des Afters. Darmschleim kann austreten, was als Schwitzen oder Nässen wahrgenommen wird. Um Hämorrhoidalleiden vorzubeugen, ist eine sorgfältige und sanfte Analhygiene sehr wichtig. Regelmäßig viel trinken, ballaststoffreiche Kost und Bewegung können ebenfalls schützen.
FÜR IHRE BERATUNG:
Empfehlen Sie Ihren Kundinnen, sich bei Hämorrhoidenproblemen an einen Facharzt zu wenden. Experten in Ihrer Nähe finden Sie in den Adressenlisten des Berufsverbandes der Coloproktologen
Deutschlands e.V. unter www.coloproktologen.de .
Auf dieser Seite werden neben den einzelnen Krankheitsbildern des Enddarms auch die Untersuchungsmethoden und Therapien erklärt.
Vorsicht bei Chili? Übrigens: Scharfes Essen steht in dem Ruf, genannte Probleme zu verschlechtern. Eine Gruppe italienischer Wissenschaftler wollte das genauer wissen: Sie gaben 50 Patienten mit einem Hämorrhoidalleiden 2. oder 3. Grades zweimal nach dem Mittagessen entweder eine Kapsel mit rotem Chilipulver oder ein Placebo. Die Hülsen mit Chili enthielten zehn Milligramm des scharfen Pulvers – so viel wie zwölf Profiköche, die die Forscher zu Rate gezogen hatten, im Schnitt für ein scharfes Essen verwenden. Die Menge entspricht etwa einer Messerspitze Chilipulver.
Das Ergebnis der Studie: Weder 6, 24 noch 48 Stunden später verschlimmerte das scharfe Essen die untersuchten Beschwerden (Blutung, Schwellung, Schmerzen, Juckreiz und Brennen) der vergrößerten Hämorrhoiden. Es gibt daher keinen Grund, Hämorrhoiden-Patienten von moderatem Gebrauch von Chili im Essen abzuraten. Ausnahme: Reagieren Ihre Patienten auf scharfe Gewürze generell mit Durchfall, kann dieser den empfindlichen Enddarmbereich reizen, sodass in dem Fall auf Chili & Co. verzichtet werden sollte.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 04/10 ab Seite 56.
Quelle: Deutsches Grünes Kreuz
Stichworte: Darmverschlusssystem, Enddarm, Frauen, Hämorrhoiden, Mastdarm, Proktologe, Proktologika