PKA-Thema März/April 2010: Haare

Fortbildung: Haariges Wissen

Abbildung © EuToch / www.iStockphoto.com © EuToch / www.iStockphoto.com

Haarpflegeprodukte zeigen rückläufigen Umsatz in der Apotheke. Ein Trend, dem entgegengesteuert werden sollte. Eine fachlich spannende und wirtschaftlich interessante Aufgabe – auch für PKA!

Aktuelle Zahlen von IMS Health, einem führenden Anbieter von Pharmadienstleistungen, zeigen für Apotheken erschreckende Umsatzeinbrüche im Haarpflegesegment. Zwar existieren auch in anderen Vertriebskanälen Einbußen, doch die Apotheke verliert überproportional. Dabei hat der Apothekenmarkt noch gute Chancen, das Rad herumzudrehen. Lange galt die Kosmetiknische Haarpflege als typischer Wachstumsmarkt. Und auch gegenwärtig wird in zahlreichen Frauenzeitschriften dieses Thema in umfangreichen Artikeln aufgegriffen, Prospekte, Broschüren und Werbung animieren den Verbraucher, seine Haarpracht zu verschönern.

Haare bestimmen maßgeblich das äußere Erscheinungsbild und geben Hinweise auf Alter, Geschlecht, Individualität und soziale Gruppe. Gesundes, schönes Haar gilt als Zeichen von Selbstachtung und als „Spiegel der Seele“. Dabei ist die natürliche Funktion der Kopfhaare erst einmal der Schutz gegen UV-Strahlen, Hitze, Kälte und Verletzungen. Noch immer ist die Apotheke nach dem Friseur und der Ärzteschaft die dritthäufigste Anlaufstelle, wenn Haarprobleme auftauchen. Dabei ist die Apotheke prädestiniert, nicht nur auf Nachfrage Problemlösungen anzubieten, sondern aktiv im vielfältigen Angebot des Haarpflegemarktes mitzumischen. Als PKA, die diese Ware einkauft und in Frei- beziehungsweise Sichtwahlregale sortiert, haben Sie die Chance, hier einen guten Überblick zu gewinnen und sich zusätzlich mittels guter Beratung zu profilieren.

Haarige Fakten
Zunächst ein paar Grundlagen: Haare befinden sich auf dem ganzen Körper. Unterteilt werden sie in die dünnen, wenig pigmentierten Velus- oder Wollhaare, die fast auf dem ganzen Körper zu finden sind, und in die kräftigeren, pigmentierten Terminalhaare unter den Achseln, im Genital- sowie Kopfbereich. Im Wesentlichen bestehen Haare aus verhorntem Protein, dem Keratin, das auch in Fuß- und Fingernägeln zu finden ist. Das Haar ist in den über die Kopfhaut ragenden Haarschaft und die tief in der Haut verankerte Haarwurzel gegliedert. Die Haarwurzel ist an ihrem unteren Ende knopfförmig zur Haarzwiebel (Blubus) verdickt. Diese wiederum sitzt einem in sie hineinragenden, gefäßreichen Bindewebszapfen, der Haarpapille, auf. Letztere versorgt über ein weites Blutkapillarnetz die keratinbildenden Zellen mit essenziellen Nährstoffen.

Zyklisches Wachstum
Auf der gesunden Kopfhaut eines Erwachsenen wachsen je nach Haarfarbe 100 000 bis 150 000 Haare, die pro Tag etwa 0,2 bis 0,4 Millimeter, pro Monat also circa einen Zentimeter wachsen. Jeder Haarfollikel durchläuft dabei mehrfach verschiedene Phasen im Haarzyklus. Etwa 85 Prozent der Haare befinden sich beim Gesunden in der Anagen- oder Wachstumsphase, die zwei bis fünf Jahre dauert. Danach stellt der Haarfollikel in der etwa zweiwöchigen Katagen- oder Übergangsphase langsam sein Wachstum ein und geht in die drei bis fünf Monate dauernde Telogen- oder Übergangsphase über. Mit dem erneuten Einwachsen der Haarwurzel in die noch vorhandene schlauchartige Einstülpung der Oberhaut beginnt anschließend ein neuer Haarzyklus. Etwa ein Prozent aller Haare befinden sich in der Übergangsphase, vierzehn Prozent in der Ruhephase. Ein Ausfall von 50 bis 100 Haaren täglich wird als normal angesehen.

Haarstruktur Beim Haar-Querschnitt unterscheidet man das Mark, die Rinde und das Haarhäutchen, Cuticula genannt, welches das gesamte Haar überzieht. Die Rinde, häufig auch als Faserschicht bezeichnet, umschließt das Mark. Sie macht 80 Prozent des Haaranteils aus. Primär besteht sie aus Keratin, also Hornsubstanz, in das die Farbpigmente Melanine eingelagert sind, welche die Farbe des Haares bestimmen. Im Alter nimmt der Pigmentgehalt ab und durch Lufteintritt zwischen die Hornfasern erscheint das Haar weiß. Die Fasern sind durch eine kittartige Substanz mit - einander verbunden, was die Elastizität und Reißfestigkeit des Haares erklärt.

Der genaue Aufbau der Faserschicht entscheidet, ob die Haare glatt oder gewellt beziehungsweise gekräuselt sind. Alle chemisch relevanten Prozesse für die Frisur spielen sich in dieser Rindenschicht ab. Die Cuticula umgibt das ganze Haar und besteht aus mehreren Lagen, übereinandergreifender, abgestorbener, also schuppenförmig angeordneter Hornzellen. Diese Schuppenschicht zeigt den Gesundheitszustand des Haares an. Beim gesunden Haar ist die Cuticula geschlossen, es ergibt sich eine glatte Oberfläche, die das Licht optimal reflektiert und so den gesunden Glanz des Haares bedingt.

Gesundes Haar ist deshalb glänzend, elastisch, geschmeidig, das Haar lässt sich gut frisieren, es hat Sprungkraft und die Frisur hält gut an. Dazu trägt ein Protein-Lipid-Film bei, der aus den Drüsen des Haarbodens und den Verhornungs-Rückständen stammt, und die Cuticula beim gesunden Haar überzieht. Die meisten Haarpflegemaßnahmen zielen auch auf Ersatz oder Stärkung dieses die Cuticula überziehenden Protein-Lipidfilms ab. Zudem öffnet alkalisches Milieu die Schuppenschicht, während saure Umgebung sie verschließt. Der Durchmesser der Haare schwankt zwischen 0,04 (primär Velushaare) und 0,15 Millimetern (starke Terminalhaare). Wie die Haarfarbe ist auch die Haarstärke genetisch bedingt. Erfahrungen zeigen, dass blonde Haare meist fein, brünette mittelstark und rote Haare kräftig sind.

Typische Haarprobleme
Das Haar, das aus der Wurzel herauswächst, ist in der Regel gesund. Umwelteinflüsse, wie thermische, mechanische oder chemische Belastungen, etwa extreme Temperaturschwankungen, zu starkes Reiben der feuchten Haare beim Frottieren, zu kleine Lockenwickler, die das Haar zu stark abbiegen, schädigen jedoch insbesondere die Schuppenschicht. Die Haaroberfläche erscheint porös, das Haar wirkt matt und spröde. Auch eine zu trockene Kopfhaut, bei der die Talgdrüsen einfach nicht genügend Fettstoffe bilden, kann diesen rauen, spröden Effekt verursachen. Sind die Drüsen des Haarbodens in der Kopfhaut hingegen überaktiv, fetten die Haar schneller und wirken dadurch strähnig und ungepflegt.

Dauerwellen, Bleichen und Färben sowie Salz- und Chlorwasser stellen eine chemische Belastung für das Haar dar. Dass Haare nach Sonneneinstrahlung heller werden, geht auf den Bleicheffekt des unter UVB-Einwirkung entstehenden Wasserstoffperoxids zurück. Die Rindenschicht wird dabei mit angegriffen. Schuppen sind für Viele ein weiteres Problem, da schuppige Kopfhaut ebenfalls unästhetisch und ungepflegt wirkt. Schuppen entstehen durch eine massiv gesteigerte Bildung neuer Kopfhautzellen, verursacht durch übermäßige Reizung der Kopfhaut infolge äußerer Einflüsse, hormonelle Umstellungen, aber auch durch die Besiedelung von Pilzen. Dabei wird unterschieden zwischen kleinen trockenen, feinen lockeren Schuppen, die sich spontan ablösen („rieseln“) und von trockener Kopfhaut stammen oder größeren, fettigen, in Talg eingebetteten Zellverbände, die von fettiger Kopfhaut zeugen. Ein bei Männern wie Frauen weit verbreitetes Leiden ist auch übermässiger Haarausfall bis hin zum Haarverlust (Alopezie).

Pflegeprodukte
Das Angebot an Haarpflegeprodukten wie Shampoos, Haarwässern, Haarkuren, Haarsprays, Haarfestigern, Fönlotionen ist riesengroß. Auch für die Apotheke gibt es eine breite Auswahl, beispielsweise von typischen Kosmetikherstellern wie etwa Anatel® (La Roche Posay), Dercos ®/Dercarp® (Vichy) und Marken wie Ducray® (Pierre Fabre), Dr. Hauschka (Wala), Eubos®, Eucerin®, frei Öl®, Neutrogena ®, Physiogel®/Stieprox® (Stiefel) oder Priorin® (Bayer). Auch Produktserien wie Rausch, Plantur, Floracell, Phyto® (Ales Group) haben sich mit einem umgangreichen Sortiment speziell auf die Haarbehandlung spezialisiert.

Die richtige Pflege fängt mit der Reinigung an. Die Haare sollten regelmäßig von Schmutzpartikeln, Staub, abgestorbenen Hautschuppen und Resten von Haarspray und anderen Haarstyling-Produkten gereinigt werden. Grundlage der Shampoos sind waschaktive Tenside oder Syndets, denen verschiedene Stoffe zugesetzt sind. Deren Zusammensetzung richtet sich dem zu behandelnden Haarzustand: normales, trockenes oder fettiges Haar. Bei trockenen und zu Spliss neigenden Haaren werden häufig Öle wie Aprikosenöl, Jojobaöl, Kokosöl, aber auch Eigelb zugesetzt, die das Haar leicht rückfetten. Bei fettigen Haaren empfiehlt sich ein Shampoo mit entfettenden Heilpflanzenauszügen, die zusätzlich die Talgproduktion regulieren.

Bei der Haarwäsche sollte zu heißes Wasser, eine intensive Kopfmassage und heiße Fönluft vermieden werden, um die Talgdrüsen nicht noch mehr anzuregen. Weizenextrakte sollen dem Haar häufig zusätzlich seidigen Glanz verleihen, auch Polymer-Verbindungen, etwa mit Silikon, machen das Haar weicher und geschmeidiger. Bei strapaziertem Haar unterstützen Pflegemittel mit Zinnkraut, Aminosäuren, Mandel- oder Karitébutter die Regeneration, zur Kräftigung und Beruhigung der Haare sind häufig Kräuterextrakte aus Bockshornklee, Klettenwurzel, Schachtelhalm, Eichenrinde, Malve im Einsatz. Bei gereizter Kopfhaut empfiehlt sich ein mildes Pflegeshampoo, etwa mit entzündungshemmendem Kamillenextrakt.

Daneben existieren Trockenshampoos, also Puder, die überschüssiges Fett aufsaugen, und insbesondere für bettlägerige Patienten oder die schnelle Haarwäsche zwischendurch verwendet werden. Empfehlen Sie Ihren Kunden das richtige Shampoo, ist das schon ein großer Schritt zum Erfolg. Um die Pflege zu intensiveren, sollten dann Zusatzprodukte wie Spülungen, Haarwässer oder Kuren angeboten werden.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 03/10 ab Seite 50.

Dr. Eva-Maria Stoya

Stichworte: Fortbildung, Haare, Haarpflege, Online-Fortbildung, PKA-Fortbildung, Weiterbildung, Zertifikat, zertifizierte Fortbildung

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