Pharmazeutische Betreuung

Mehr Luft zum Leben

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Asthmatiker profitieren besonders von Pharmazeutischer Betreuung. Der Behandlungserfolg schlägt sich direkt in mehr Atemluft und einer verbesserten Lebensqualität nieder.

Bei vielen Asthma-Patienten hapert es an der Therapietreue. Die Arzneimittel werden gar nicht oder nur unregelmäßig eingenommen. Aus Unkenntnis und Angst vor den Nebenwirkungen des Kortisons setzen die Betroffenen oft nur das bronchialerweiternde Medikament ein. Studien haben außerdem gezeigt, dass ein großer Teil der Asthmatiker die Inhalationssysteme nicht richtig anwendet und deshalb die Wirkung der Arzneimittel eher eingeschränkt ist.

Leider finden nur in Asthmazentren oder Rehabilitationseinrichtungen ausführliche Schulungen statt, die den Patienten fit machen für den Umgang mit Dosieraerosolen und Pulverinhalatoren. Zudem beherrschen nur wenige von ihnen die Grundlagen für ein erfolgreiches Selbstmanagement. Gerade schwer erkrankte Asthmatiker unterschätzen ihren Gesundheitszustand und bemerken einen gefährlichen Asthmaanfall zu spät.

Pharmazeutisch betreut Ziel dieser Betreuung ist es, mögliche Probleme des Asthmatikers zu erkennen, diese mit ihm zu besprechen, sie zu dokumentieren und Lösungen zu finden, die die Lebensqualität des Patienten verbessern. Akute Notfälle sollen so möglichst vermieden werden. In einem ersten Anamnesegespräch werden die Beschwerden, der Grad der Erkrankung und die bisherige ärztliche Therapie besprochen. Die wichtigsten Aspekte dazu halten Sie unter der Kundenkartei des Patienten im Computer fest. So kann auch jeder andere Mitarbeiter der Apotheke in die individuelle Beratung einsteigen.

Um den Asthmatiker zu einer erfolgreichen Mitarbeit zu motivieren, erklären Sie ihm zunächst die Vorteile und Ziele. Diese sollten möglichst individuell formuliert werden, zum Beispiel, dass sich nächtliche Asthmasymptome verbessern werden, dass die Leistungsfähigkeit im Alltag wieder zunimmt, dass gefährliche Asthmaanfälle vermieden werden können und dass der Patient ein positives Lebensgefühl erlangen wird. Wichtig ist, dass Asthmatiker und Apothekenmitarbeiter auf einer partnerschaftlichen Ebene vertrauensvoll zusammen arbeiten.

Information Das oberste Lernziel, das als erstes gemeinsam erreicht werden sollte, ist der richtige Umgang mit den Medikamenten. Dies umfasst eine intensive Schulung der Inhalationstechnik durch Vorführen und Üben mit dem Patienten. Dazu sollten Demonstrationssysteme in der Apotheke zur Verfügung stehen. Außerdem lernt der Betroffene die ordnungsgemäße Anwendung seiner Medikamente sowie Wissenswertes über ihre Wirkungen und Nebenwirkungen.

Besonders wichtig ist, dass Akut- und Basismedikation bekannt sind, sodass im akuten Asthmaanfall das richtige Medikament eingesetzt wird. Dem Patienten soll bewusst sein, dass das beste Medikament nur dann wirken kann, wenn es korrekt eingenommen wird. Die fortlaufende Arzneimittelverordnung des Asthmatikers wird im Medikationsprofil des Computers verfolgt. Treten Unstimmigkeiten auf, ist es Aufgabe des Apothekenmitarbeiters, den Patienten darauf anzusprechen.

ENTSPANNUNGSÜBUNGEN
Mit der so genannten „Lippenbremse“ wird beim Ausatmen der Luftstrom an den Lippen abgebremst und so verhindert, dass der Patient unregelmäßig atmet oder hyperventiliert. Eine weitere gute Entspannungsübung ist der „Kutschersitz“. Der Patient stützt seine Unterarme locker auf die Oberschenkel, Rücken und Kopf sind nach vorne geneigt und entspannt. Die Atmung wird so deutlich erleichtert. Wurden diese Übungen in der Apotheke bereits besprochen und trainiert, kann der Asthmatiker sich im Notfall daran erinnern.

Selbstkontrolle Zur Selbsteinschätzung des Patienten eignet sich die regelmäßige Atemwegskontrolle mit Hilfe eines Peak-Flow-Meters. Was für den Diabetiker sein Blutzuckermessgerät, ist für den Asthmatiker das Peak-Flow-Meter. Es ist ein einfach zu handhabendes Gerät, mit dem die Lungenfunktion schnell und objektiv gemessen werden kann. Die erhaltenden Werte ermöglichen dem Patienten im Rahmen des Selbstmanagements, Veränderungen seines Gesundheitszustands festzustellen. In einer Phase guten Befindens wird in Absprache mit dem Arzt ein „individueller Bestwert“ definiert.

Dem Asthmatiker wird dann geraten, regelmäßig zwei- bis dreimal am Tag den Peak-Flow zu messen und die Werte in ein Tagebuch einzutragen. Die Messwerte werden nach dem Ampelschema in den grünen (Beschwerden gut unter Kontrolle), gelben (Vorsicht! Rücksprache mit dem Arzt erforderlich) und roten Bereich (Notfall, sofort zum Arzt) eingeteilt. Beherrscht der Patient die Anwendung des Peak-Flow-Meters, kann er früh genug auf eine sich anbahnende Verschlechterung seines Zustands reagieren.

Verhalten im akuten Asthmaanfall Sollte es trotz der regelmäßigen Selbstkontrolle doch einmal zum akuten Asthmaanfall kommen, muss der Patient das richtige Verhalten im Notfall kennen. In der Apotheke kann diese Situation gemeinsam besprochen und geübt werden. Treten starke Atembeschwerden auf, sollte der Asthmatiker Ruhe bewahren und sofort sein kurzwirksames bronchialerweiterndes Medikament anwenden. Dieses wirkt nach wenigen Minuten. Eventuell wird das Notfallmedikament wiederholt inhaliert. Kommt es zu keiner Besserung, ist der Notarzt zu rufen. In der Situation des Asthmaanfalls können dem Patienten Entspannungsübungen helfen. Um Hilfe leisten zu können, sollten sowohl die Angehörigen als auch Kollegen am Arbeitsplatz über die Erkrankung und die Notfall medikamente informiert sein.

Dr. Katja Renner, k.k.renner@t-online.de

Stichworte: Asthma, Asthmaanfall, Atem, Bronchien, Peak-Flow-Meter, Pharmazeutische Beratung, Pharmazeutische Betreuung, atmen

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