PKA-Fortbildungsthema Januar/Februar 2010

Zahnpflege

Abbildung © Carey Hope / www.iStockphoto.com © Carey Hope / www.iStockphoto.com

Drogerien, Discounter, selbst große Verbrauchermärkte und Kaufhäuser buhlen bei Zahnpflegeartikeln um die Gunst der Kunden. Doch was unterscheidet die Apotheke vom breiten Massenanbieter?

Mehr als 1,1 Milliarden Euro gaben die Bundesbürger 2008, so aktuelle Zahlen von IMS Health, für Mundpflege-Artikel aus. Leider kaufen die Meisten ihre Zahnpasta, ihre Hand-Zahnbürsten & Co. im Drogeriemarkt, gefolgt von den normalen Verbrauchermärkten und Discountern. In Apotheken sind die Abverkaufszahlen und damit der Umsatz rückläufig – einer Tendenz, der entgegen getreten werden sollte. Denn dieses Randsortiment ist für die Apotheke ein lohnendes Zusatzgeschäft.

Beratung findet der Kunde in Drogerie- und Supermarkt in der Regel nicht. Bei speziellen Wünschen oder ernsthaften Beschwerden im Mund-Zahnbereich sind Zahnarztpraxis und Apotheke erste Anlaufstelle. Mit Fachkompetenz und ergänzendem Aktions-Marketing lässt sich dieser Sektor weiter ausbauen.

Gesundheit beginnt im Mund Zähne sind ursprünglich Haut-Abkömmlinge, also Hautknochen, und sitzen in Vertiefungen des Kiefers. Von innen nach außen betrachtet setzt sich ein Zahn aus mehreren Schichten zusammen. Im Wesentlichen sind dies: Zahnwurzel, Zahnhals, Zahnkrone, Zahnmark mit blut- und nervenreichem Bindegewebe, Zahnbein (Dentin) als Hauptmasse des Zahnes und Zahnschmelz, die härteste Substanz des menschlichen Körpers.

Bei einem gesunden Zahn ist nur der Zahnschmelz zu sehen, der wie eine Glasur das darunter liegende Zahnbein bedeckt. Er besteht zu 95 Prozent aus Hydroxylapatit und ist nur sehr geringfügig durchlässig, etwa für Kalzium, Phosphat und Fluoride. Dies macht man sich auch zunutze: Mit Hilfe von Fluoriden, die in vielen Zahnpasten enthalten sind, wird das Hydroxylapatit des Zahnschmelzes in das noch härtere Fluorapatit umgewandelt, der Zahn wird dadurch noch widerstandsfähiger. Säuren hingegen schaden den Zähnen, da sie aus dem Schmelz Kalzium und Phosphat herauslösen und ihn damit aufweichen. Um die Abrasion und Schäden am Zahnschmelz zu vermeiden, die letztlich Karies Vorschub leisten, ergibt sich daraus die Empfehlung: Nach dem Essen von Obst oder Trinken von Säften sollte mindestens eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen gewartet werden.

Zahnfeind Nr. 1 Dieser ist noch vor Karies, also der Zahnfäule mit den bekannten Löchern in den Zähnen, die Parodontitis, die bakterielle Entzündung des gesamten Zahnhalteapparates. Auslöser für beide Erkrankungen ist nicht entfernter Zahnbelag (Plaque), also die Bakterien-, Kohlenhydrat- und Speichelreste-Ablagerung als zäher Biofilm auf den Zähnen und insbesondere in schwer zugänglichen Zahnzwischenräumen oder Zahnfleischtaschen. Durch die Entzündung des gesamten Zahnhalteapparates kann sich dieser zurückbilden, was schließlich zu Zahnausfall führt. Vorstufe der Parodontitis ist die Zahnfleischentzündung (Gingivitis), mit gerötetem, häufig geschwollenem Zahnfleisch, das bei Berührung leicht blutet.

Putzen ist Pflicht Mit einer Bürste lässt sich Zahnbelag von den Zähnen putzen: morgens und abends mindestens zwei bis drei Minuten gründlich, zudem einmal täglich Zahnseide verwenden. Diese Regel kennt fast jeder, beherzigt wird sie aber nicht immer. Deshalb empfiehlt es sich durchaus im Rahmen einer Apotheken-Aktion, das richtige Zahnputzverhalten an den Mann, die Frau beziehungsweise an das Kind zu bringen. Bei Erwachsenen hat sich die Vibrationsmethode (Bass-Technik) bewährt.

Hierzu wird die möglichst mittelharte Bürste im 45-Grad-Winkel am Zahnfleischrand angesetzt und rüttelnde, vibrierende Bewegungen im Zahnbereich lösen die Plaque. Diese wird anschließend mit einer wischenden Bewegung zur Zahnoberfläche entfernt. Dreikäsehochs erlernen das Zähneputzen besser mit einer altersgerechten Bürste mit kleinem Bürstenkopf und weicheren Borsten nach der KAI-Methode: Zuerst werden die Kauflächen, dann die Außenflächen und zuletzt die Innenflächen der Zähne geputzt.

Fällt der Umgang mit der Zahnbürste schwer, sollte lieber auf eine elektrische Zahnbürste, die durch oszillierende oder elektrische Schwingungen die Zahnreinigung erleichtert, zurückgegriffen werden. Zahnseide ist effizient, insbesondere bei der Entfernung winziger Speisereste zwischen den Zähnen. Leider wird sie von Vielen nicht angewendet, da das Einfädeln zwischen die Zähne schwer fällt. Gerade im oberen Kieferbereich stehen diese meist sehr eng zusammen. Hier kann ein elektrischer Flosser, eine Einfädelhilfe, helfen.

Beim Spülen Bakterien bekämpfen Auch eine Munddusche entfernt sehr effektiv gelockerten Zahnbelag sowie Speisereste und hinterlässt ein angenehmes frisches Mundgefühl. Mundspülungen, die bei geschlossenem Mund nach dem Zähneputzen durch die Zahnzwischenräume gepresst werden, können Mundgeruch verhindern, frischen Atem erzeugen und mit antibakteriellen Zusätzen sowohl Plaquebildung als auch Zahnfleischentzündungen hemmen.

Als Inhaltsstoffe kommen in der Langzeitanwendung meist Menthol, Thymol und Eukalyptol, eventuell auch entzündungshemmendes Methylsalicylat, Aloe vera oder Aminfluorid/ Zinnfluorid-basierende Wirkstoffkombinationen zum Tragen. Sehr wirksam sind zudem Mundwässer mit dem Wirkstoff Chlorhexidindigluconat. Allerdings scheinen beim regelmäßigen Gebrauch chlorhexidinhaltiger Spülungen über einen längeren Zeitraum Zahnverfärbungen, Geschmacksstörungen oder eine Zahnsteinneubildung möglich.

Weitere Hilfsmittel Um den Erfolg der Zahnpflege zu prüfen, sind Plaquefärbetabletten beziehungsweise -lösungen auf dem Markt. Sie werden als Ein- oder Zweiphasenpräparate angeboten. Während Einphasenpräparate nur die Plaquemikroorganismen anfärben, geben Zweiphasenpräparate zusätzlich Aufschluss über das Alter der Plaque. Drei bis fünf Tage alte Plaques färben sich beispielsweise rot, ältere blau.

Die Tabletten werden zerkaut, die Lösungsmittel mit einem Q-Tip oder Wattebausch aufgetragen und die Plaque angefärbt. Anschließend wird gründlich gespült. Zur gründlichen Kontrolle vor dem Spiegel empfiehlt sich zusätzlich ein kleiner Mundspiegel. Anfangs sollte der Erfolg der Zahnpflege einmal pro Woche überprüft werden, ist die Mundhygiene besser geworden, reicht eine gelegentliche Anwendung, etwa pro Monat oder Quartal. Für die Zahnpflege zwischendurch empfehlen sich Zahnpflegekaugummis. Der durch die Kaubewegung angeregte Speichelfluss bewirkt, dass die für die Zähne schädliche Säure neutralisiert wird und Mineralien des Speichels die Remineralisation des Zahnes sogar fördern. Meist sind diese mit dem Zuckeraustauschstoff Xylit gesüßt, weil dieser unter keinen Umständen Karies verursacht. Zungenreiniger, das sind verschieden konstruierte Bürsten und Schaber, beugen schlechtem Mundgeruch vor und entfernen Bakterienbelege auf der Zunge.

Weiss ist in Aus kosmetischen Gründen vermehrt nachgefragt werden Zahnweisser-Produkte. Diese wirken entweder durch eine hohe Abrasion, da sie einen höheren Anteil an Putzpartikeln enthalten, enzymatisch oder durch Bleichen mittels aktivem Sauerstoff respektive Wasserstoffperoxid (Bleaching). Personen, die unter Verfärbungen der Zähne zum Beispiel durch Kaffee-, Tee- oder Rotweingenuss leiden, profitieren besonders von solchen Zahnweissern, die häufig als Zahnschienen, Klebestreifen, Gel, Lack beziehungsweise Paste angeboten werden.

ERSCHRECKENDE ZAHLEN
In punkto Mundhygiene herrscht in Deutschland immer noch großes Verbesserungspotenzial. Fünf bis zehn Prozent aller Kleinkinder leiden schon unter Nuckelflaschenkaries, Sechsjährige haben im Durchschnitt 2,2 Zähne mit Karies, Zwölfjährige 1,2 Karies-Zähne, 35 bis 44-Jährige im Schnitt 16 Zähne, die kariös,
gefüllt oder extrahiert, also gezogen wurden beziehungsweise ausgefallen sind. 51 Prozent der über 50jährigen besitzen statistisch eine Voll- oder Teilprothese, 65 Prozent der über 65jährigen haben Probleme mit Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis, seltener Parodontose).

 Klasse bei Produktauswahl Neben dem selbstverständlich notwendigen Grundsortiment sollten in der Apotheke vor allem auch Spezialartikel vorrätig gehalten werden. Eine hochwertige Auswahl an Zahnbürsten, Interdentalsystemen, Spezial-Zahnpasten, Mundspülungen, sinnvolle Zahnpflegesets für unterwegs, Bleich- und Prothesenmittel, die der breite Markt nicht anbietet, Hilfsmittel für Spangenträger, also Mittel die speziell auf die Bedürfnisse einzelner Zielgruppen wie Kleinkinder, Kinder, Erwachsene, Senioren zugeschnitten sind, zeigen die Sortimentskompetenz Ihrer Apotheke.

Drei Beispiele: Kunden, die häufig Homöopathika nachfragen, sollten möglichst eine mentholfreie Zahnpasta verwenden und von der Apotheke aktiv angeboten bekommen. Bei empfindlichen Zahnhälsen eignen sich Zahncremes mit Heilpflanzenkonzentraten und dem Zusatz „sensitiv“ gut. Spangenträgern, die öfters unter kleinen Mundschleimhautverletzungen – verursacht durch die kieferorthopädische Apparatur – leiden, können Sie ein spezielles durchsichtiges Wachs anbieten, dass an der Apparatur haftet und weitere Reizungen verhindert. Wenn Sie sich neben einer sinnvollen Sortimentsauswahl noch das dazu nötige Fachwissen aneignen und nutzenorientiert beraten, können Sie als PKA nur gewinnen.

Dr. Eva-Maria Stoya

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