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Brennen in der Speiseröhre

Abbildung © Getty Images © Getty Images

Säurebedingte Magenbeschwerden wie Sodbrennen und saures Aufstoßen sind weit verbreitet und für die Betroffenen sehr unangenehm. Was können Sie im Rahmen der Selbstmedikation empfehlen?

Etwa ein Drittel der Deutschen leidet gelegentlich oder regelmäßig unter Sodbrennen. Nur ungefähr die Hälfte nimmt ärztliche Hilfe in Anspruch. Alle anderen wenden sich mit ihrem Problem an ihre Apotheke. Bis vor kurzem standen für die Selbstmedikation vor allem Antazida zur Verfügung. Im August dieses Jahres wurde der Protonenpumpeninhibitor (PPI) Omeprazol in einer Dosierung von 20 Milligramm zur Behandlung von Sodbrennen und saurem Aufstoßen aus der Verschreibungspflicht entlassen. Welche Behandlung empfehlenswert ist, hängt vom Beschwerdebild ab.

Salzsäure für die Verdauung Bei Aufnahme von Nahrung reagieren die Botenstoffe Acetylcholin, Gastrin und Histamin mit spezifischen Rezeptoren in der Membran der Belegzellen des Magens und aktivieren die Sekretion der Salzsäure. Mit Hilfe des Enzyms H+/K+-ATPase (Protonenpumpe) werden H+-Ionen gegen K+-Ionen ausgetauscht und in das Magenlumen entlassen. Gleichzeitig werden über spezielle Kanäle Cl--Ionen in den Magen abgegeben, wo sie sich mit den H+-Ionen zu Salzsäure formieren.

Refluxkrankheit Mundhöhle und Magen werden durch die Speiseröhre (Oesophagus) miteinander verbunden. Am Übergang der Speiseröhre zum Magen öffnet sich ein Schließmuskel (Sphinkter) für ankommende Nahrung und entlässt diese in den Magen. Versagt der Verschlussmechanismus, kann saurer Speisebrei aus dem Magen wieder zurück in die Speiseröhre fließen. Im Gegensatz zum Magen ist die auskleidende Schleimhaut der Speiseröhre nicht vor dem Säureangriff geschützt. Sodbrennen oder saures Aufstoßen können entstehen.

Sodbrennen ist ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein, der von unten nach oben ausstrahlt. Gelangt der Magensaft sogar in den Mund, spricht man von saurem Aufstoßen. Da die Magensäure durch Nahrung gebunden wird, treten die Beschwerden meist erst etwa zwei Stunden nach dem Essen auf. Besonders häufig kommt der Schmerz nachts, wenn der Betroffene im Bett liegt. So kann saurer Magensaft leichter zurück in die Speiseröhre fließen. Treten die Beschwerden häufiger auf, handelt es sich um eine Refluxkrankheit (GERD, Gastro Esophageal Reflux Disease).

Auf Dauer kann die Magensäure die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre schädigen. Die Folge kann eine Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) sein. Langzeitstudien haben allerdings gezeigt, dass es nur sehr selten zu einem Fortschreiten des Krankheitsbildes kommt. Sofern keine Warnsymptome vorliegen, können die Beschwerden zunächst selbst behandelt werden.

Ursachen für den Reflux In vielen Fällen gibt es keine bekannte Ursache für die Neigung zur Refluxkrankheit. Allerdings können zum Beispiel Genussmittel wie Kaffee, Alkohol und Nikotin, üppige Mahlzeiten, fettes Essen, stark gewürzte und scharf gebratene Speisen oder Schokolade den Tonus des Schließmuskels am unteren Ende der Speiseröhre senken und dadurch die Beschwerden hervorrufen. Ein ganz wichtiger Faktor ist Stress, denn bei seelischen Belastungen und Hektik steigt die Säureproduktion im Magen.

Auch falsche Essgewohnheiten, wie hastiges Hinunterschlingen, können zum Reflux führen. Übergewichtige Menschen leiden durch den erhöhten Druck im Bauchraum ebenfalls häufig daran. Bedingt durch den vermehrten Platzbedarf des Fetus sowie die hormonelle Umstellung klagen über die Hälfte der Frauen im letzten Drittel der Schwangerschaft über Sodbrennen. Aber auch manche Medikamente können die Spannkraft des Schließmuskels zur Speiseröhre beeinträchtigen. Nur selten liegen organische Ursachen zugrunde.

An erster Stelle der Behandlung sollten daher mögliche Änderungen der Lebensgewohnheiten ausgeschöpft werden. Fragen Sie deshalb Ihre Kunden nach deren Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Führt das nicht zum gewünschten Erfolg, stehen für die Selbstmedikation verschiedene Präparate mit säurevermindernden Wirkstoffen zur Verfügung.

Säure binden Antazida neutralisieren die Magensäure. Sie zeichnen sich durch einen schnellen Wirkungseintritt aus, ihre Wirkdauer ist allerdings begrenzt. Für die Behandlung von gelegentlich und leicht auftretendem Sodbrennen sind sie gut geeignet. Da sie die Säure direkt im Magen binden, werden die Medikamente dann angewendet, wenn Beschwerden akut auftreten. Antazida sollten grundsätzlich mit etwa zwei Stunden Abstand zu anderen Arzneimitteln eingenommen werden, weil sie deren Aufnahme beeinflussen können.

Säureproduktion hemmen Protonenpumpeninhibitoren (PPI) gelten als die effektivsten Hemmer der Magensäuresekretion und sind die ärztliche Standardtherapie bei säurebedingten Magenbeschwerden. Insbesondere Patienten mit häufigerem, stärkerem Sodbrennen profitieren von den lang anhaltend wirksamen PPI. Sie blockieren den letzten Schritt der Säureproduktion im Magen. PPI werden im Dünndarm resorbiert und gelangen auf dem Blutweg in die Belegzelle. Dort hemmen sie irreversibel die Protonenpumpen und somit die Ausschüttung der H+-Ionen in den Magen.

Da nur aktive Protonenpumpen blockiert werden und nicht alle Pumpen gleichzeitig aktiv sind, baut sich mit der Einnahme der nächsten Dosen die maximale Wirksamkeit auf. Allerdings herrscht durch immer wieder nachgebildete Protonenpumpen selbst dann noch ein saures Milieu, so dass die Verdauung nicht beeinträchtigt wird. Schon die erste Einnahme führt zu einer dosisabhängig verminderten Reduktion der Säuresekretion und zu einer bis zu 24 Stunden nachhaltigen Beschwerdelinderung.

Der bewährte Standard Omeprazol kam 1988 als erster PPI auf den Markt. Der Wirkstoff gilt in einer Dosierung von 20 Milligramm als Leitsubstanz, da er die umfangreichste Datenlage zu Wirksamkeit und Sicherheit aufweist. Zwei Studien zur vierzehntägigen Anwendung im OTC-Bereich mit insgesamt 3124 Patienten zeigen die gute Wirksamkeit. Nach Einnahme von Omeprazol 20 Milligramm gingen die Beschwerden bei 80 Prozent der Studienteilnehmer bereits 24 Stunden nach der ersten Einnahme deutlich zurück. 50 Prozent der Patienten erreichten nach der ersten Einnahme sogar völlige Beschwerdefreiheit.

In einer weiteren Studie mit 758 Patienten zeigte die dreimonatige Nachbeobachtung einer vierzehntägigen Behandlung, dass 43 Prozent der Studienteilnehmer über den gesamten Beobachtungszeitraum beschwerdefrei waren. Wegen seines günstigen Nutzen-Risiko-Profils wurde der Arzneistoff vor kurzem in einer Dosierung von 20 Milligramm als neue Therapieoption für die Selbstmedikation zugelassen. Mögliche Nebenwirkungen bei einer maximal vierzehntägigen Einnahme sind in der Regel leicht und meist vorübergehend. Klinisch relevante Interaktionen mit den gebräuchlichen Rx- und OTC-Arzneimitteln sind bislang nicht bekannt.

Galenik PPI sind säurelabile Arzneistoffe. Sie müssen deshalb in einer säureresistenten Arzneiform appliziert werden, um nicht vor Erreichen der Belegzelle inaktiviert zu werden. Neben Kapseln mit säurestabilen Granula und magensaftresistent überzogenen Dragees wird Ome - prazol in der OTC-Dosierung mit 20 Milligramm auch in einer modernen MUPS® Tablette angeboten. Nach Auflösung im Magen setzt diese über 1000 säureresistente Mikropellets frei, die den Wirkstoff enthalten. Aufgrund ihrer geringen Größe passieren die Pellets rasch den Magen und gelangen zum Resorptionsort Dünndarm. Dies sorgt für eine schnelle Wirkstoffaufnahme. Die MUPS® Tablette kann auch aufgelöst in Wasser oder Fruchtsaft eingenommen werden – ein Plus für Patienten, die mit dem Tablettenschlucken Probleme haben.

Beratung Ob Sie Ihrem Kunden besser ein Antazidum oder ein PPI mitgeben oder ihn doch lieber zum Arzt schicken, hängt von den Symptomen ab. Lassen Sie den Kunden die Beschwerden möglichst genau beschreiben. Auch Häufigkeit und Dauer müssen erfragt werden, um die richtige Empfehlung aussprechen zu können.

Am Anfang des Beratungsgesprächs steht die Frage: Welche Symptome treten auf? So können Sie klären, ob sich die Symptome dem säurebedingten Beschwerdekreis zuordnen lassen. Die zweite Frage könnte lauten: Wie häufig treten die Symptome auf und wie stark sind sie? Reicht eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten nicht aus, können gelegentliche, leichte Beschwerden sehr gut mit Antazida behandelt werden. Diese können je nach Bedarf eingesetzt werden, nach dem Essen oder vor dem Schlafen gehen. Die Einnahme kann auch mehrmals am Tag erfolgen, wobei die Tageshöchstdosis beachtet werden sollte. Treten Sodbrennen und saures Aufstoßen dagegen häufiger und stärker auf, ist das möglicherweise ein Fall für PPI, wie Omeprazol in der 20 Milligramm-Dosierung.

PPI hemmen die Säureproduktion nachhaltig und müssen deshalb nur einmal täglich auf nüchternen Magen vor einer Mahlzeit eingenommen werden, um Sodbrennen und saures Aufstoßen bis zu 24 Stunden zu lindern. Ausserdem fördert die MUPS® Tablette die Compliance der Patienten: Die Tablette ist leicht schluckbar sowie geschmacksneutral und hat den Vorteil, dass sie aufgelöst eingenommen werden kann. PPI sollten wegen ihres Wirkungsmechanismus am besten über mehrere Tage angewendet werden. So baut sich der maximale Effekt langsam auf, bis die Beschwerden ganz abgeklungen sind.

Die Selbstmedikation ist auf vierzehn Tage beschränkt. Ist die Anwendung länger erforderlich, sollte der Patient einen Arzt konsultieren. In Schwangerschaft und Stillzeit sind Antazida als lokal wirkende Medikamente das Mittel der Wahl. PPI sollten hier nur unter ärztlicher Aufsicht gegeben werden. Nicht zuletzt müssen Sie klären, ob bei Ihrem Kunden Warnsymptome, wie unbeabsichtigter Gewichtsverlust, schwarz gefärbter Stuhl und Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre in der Vergangenheit, vorhanden sind. In diesen Fällen sowie bei Fortbestehen oder Verschlechterung der Beschwerden auch nach Einnahme von Antazida oder PPI, ist dringend zu einem Arztbesuch zu raten.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 11/09 ab Seite 60.

Hier gelangen Sie zur Onlinefortbildung. Alle Onlineteilnehmer nehmen gleichberechtigt an der Verlosung teil.

Sabine Bender, BenderSabine@web.de

Stichworte: Antazida, Aufstoßen, Fortbildung, Fortbildungspunkt, Magen, Online-Fortbildung, PPI, Reflux, Refluxkrankheit, Sodbrennen, Speiseröhre, Verdauung, saures Aufstoßen

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