COMPLIANCE

Richtige Dosierung!

Abbildung © Stefanie Timmermann / www.iStockphoto.com © Stefanie Timmermann / www.iStockphoto.com

In der Erkältungszeit häufen sich die Antibiotika-Verordnungen der Kinderärzte. Viele Eltern sind allerdings ohne Hilfe mit der Zubereitung und Gabe eines Trockensaftes überfordert.

Trockensäfte haben den Vorteil, dass die Haltbarkeit der Antibiotika deutlich höher ist als in bereits fertigen Säften. Die Wirkstoffe werden vom Hersteller in der Regel in sprühgetrockneter Form abgefüllt und müssen unter Zugabe von Wasser in eine Suspension oder Lösung überführt werden. Der Erfolg der Therapie hängt nicht unwesentlich von der richtigen Zubereitung ab – denn diese ermöglicht erst, nach Vorgabe des Arztes zu dosieren.

Die Eltern sollten darauf hingewiesen werden, zur Herstellung ausschließlich frisches Leitungswasser mit Raumtemperatur zu verwenden. Es ist von der bakteriellen Beschaffenheit her einwandfrei. Einige Eltern bevorzugen wegen des Geschmacks Säfte, Tee oder Milch zum Lösen. Eine ausdrückliche Empfehlung für die Zubereitung seitens der Apotheke ist deshalb sehr wichtig. Vor dem Auffüllen sollte das Pulver einmal kräftig aufgeschüttelt werden, um Verklumpungen zu lösen.

Je nach Trockensaft unterscheidet sich die Vorgehensweise des Auffüllens mit Wasser: Entweder wird ein definiertes Volumen über einen beiliegenden Messbecher eingefüllt oder das Wasser wird direkt bis zu einer Ringmarkierung im Glas der Flasche beziehungsweise bis zum Einfüllstrich auf dem Etikett hineingegeben. Dazu sollte die Flasche nicht unter den laufenden Wasserhahn gehalten werden, da dabei die empfohlene Menge Wasser zur Lösung des Pulvers leicht überschritten wird. In seltenen Fällen ist der Antibiotika-Trockensubstanz in der Packung eine Flasche mit dem zu mischenden Lösungsmittel beigesetzt. Dann wird natürlich ausschließlich dieses Lösungsmittel verwendet und kein Leitungswasser.

Gut geschüttelt Um ein optimales Ergebnis zu erhalten, wird das Wasser portionsweise eingefüllt und jedes Mal gut durchgeschüttelt. Ist das Pulver komplett gelöst beziehungsweise suspendiert und hat sich der Schaum vollständig abgesetzt, sollte die Menge nochmals kontrolliert werden. Möglicherweise ist eine weitere Zugabe von Wasser nötig, um das endgültige Volumen zu erreichen. Da die meisten Antibiotika-Säfte Suspensionen sind, ist der Hinweis, vor der Arzneimittelgabe noch einmal kräftig zu schütteln, sehr wichtig, um eine ausreichende Verteilung des Antibiotikums und damit eine richtige Dosierung zu gewährleisten.

Löffel, Becher oder Spritze? Immer wieder kommt es vor, dass Haushaltslöffel für die Dosierung von Arzneimitteln verwendet werden, teils aus Ermangelung eines Mess löffels, der gerade nicht auffindbar ist, teils aus Unwissenheit. Die Volumina, die mit Tee- oder Esslöffeln abgemessen werden, variieren stark und können in keinem Fall eine exakte Dosierung gewährleisten. Die meisten Antibiotika-Säfte enthalten einen Messlöffel, mit dem bis zu fünf Milliliter abgemessen werden können. Der Kunde sollte darauf hingewiesen werden, diesen beiliegenden Löffel zu benutzen. Allerdings sind fünf Milliliter oftmals nur mit einer Füllung bis zum Löffelrand möglich. Das birgt die Gefahr, dass gestresste Mütter wegen der Gefahr, etwas zu verschütten, eher unterdosieren, also weniger auf den Messlöffel geben.

Messbecher erleichtern die Arzneimittelgabe, besonders, wenn die Kinder bei der Eingabe nicht stillsitzen. Allerdings verbleibt im Messbecher meistens eine Restmenge, insbesondere bei hochviskösen Flüssigkeiten. Auch so kommt es leicht zu Unterdosierungen. Am genauesten lässt sich die erforderliche Menge mit einer Einmal- oder einer immer häufiger der Packung beigelegten Dosierspritze abmessen und eingeben. Diese Spritze wird auf einen Flaschenadapter aufgesetzt und aufgezogen. Die aufgedruckte Skala ermöglicht eine millilitergenaue Mengenbestimmung.

Man entleert die Dosierspritze möglichst an der Innenseite der Wange, um einen Würgereiz und sofortiges Ausspucken zu vermeiden. Wenn es für die Kinder angenehmer ist, dürfen sie etwas Flüssigkeit, Wasser oder verdünnten Apfelsaft nach trinken.

Nicht generell kühl Ist der Saft fertig zubereitet, liegen die Aufbrauchfristen zwischen zehn und maximal 30 Tagen. Am besten notiert man das Anbruchdatum direkt auf der Flasche. Für den größten Teil der Säfte gilt die Empfehlung der Lagerung im Kühlschrank bei acht Grad Celsius. Bei einigen sehr viskösen Zubereitungen gilt dies nicht, da sie bei diesen Temperaturen so zähflüssig werden, dass sie kaum noch dosierbar sind. Fertige Clarithromycin- und Clindamycin-haltige Säfte werden in der Regel nicht im Kühlschrank gelagert, da sie bei niedrigen Temperaturen ihren bitteren Geschmack verstärken, sobald kleine Wirkstoffmengen in Lösung gehen.

Es gibt Clarithromycin-Suspensionen, die aus Mikropellets bestehen, um den bitteren Geschmack zu überdecken. Hier sollte darauf hingewiesen werden, dass die Pellets bei Einnahme nicht zerkaut werden dürfen. Im Gegensatz zu Säften auf wässriger Basis sind Antibiotika-Säfte auf einer öligen Grundlage deutlich länger, nämlich mehrere Monate, bei Raumtemperatur lagerfähig. Falls eine Restmenge nach Therapieende in der Flasche verbleibt, darf diese auf keinen Fall für den nächsten Infekt aufbewahrt, sondern sollte entsorgt werden.

Fazit: Vor der Abgabe eines Antibiotika-Saftes sollten Sie sich immer noch mal über die Zubereitung und Aufbewahrung vergewissern, um dem Kunden die richtige Empfehlung mitzugeben.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 11/09 ab Seite 56.

Dr. Katja Renner, k.k.renner@t-online.de

Stichworte: Antibiotika, Erkältung, Kinder, Trockensaft, Trockensäfte, Zubereitung, verabreichung

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