© BilderBox Bildagentur GmbH. Die PTA ermittelt.
Paracetamol ist eines der Standardmedikamente bei Infekten und Schmerzen im Kindesalter. Die Umstellungen der Paracetamol-Dosierungen führt aber immer noch zu Unsicherheiten bei Eltern.
Frau Grübler betritt mit ihrer kleinen Tochter Jana die Apotheke. Sie löst ein Rezept über Paracetamol 125 Milligramm für die Zweijährige ein. Als sie die Packung sieht, ist sie irritiert und sagt: „Das kann aber nicht richtig sein, wir haben das letzte Mal Zäpfchen mit 250 Milligramm bekommen. Sie hat Fieber über 39° Celsius, das gesenkt werden soll. Die Praxis hat sich bestimmt vertan.“
Fachlicher Hintergrund Paracetamol ist neben Ibuprofen das Schmerzmittel der Wahl bei Kindern. Paracetamol wirkt vorwiegend zentral schmerzstillend und fiebersenkend, aber nur wenig antientzündlich. Im Gegensatz zu Ibuprofen und Acetylsalicylsäure, die zu den klassischen nichtsteroidalen Antirheumatika gehören, wirkt Paracetamol kaum in der Peripherie und ruft daher auch weniger Nebenwirkungen zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt hervor. Außerdem hat Paracetamol praktisch keinen Effekt auf die Blutgerinnung. Überdosierungen von mehr als 150 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (entspricht 10 Gramm bei einem Erwachsenen) können allerdings zu erheblichen Leberschädigungen bis hin zum Leberversagen führen.
Seit April 2009 stehen Paracetamol-Packungen, die mehr als 10 Gramm Paracetamol enthalten, unter Verschreibungspflicht. Im Zuge dieser gesetzlichen Änderung ist auch die Dosierungsempfehlung für die Gabe bei Kindern und Kleinkindern verändert worden. Pro Tag sollte eine Gesamtdosis von höchstens 60 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht beziehungsweise eine Einzelgabe von zehn bis 15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht des Kindes nicht überschritten werden. Bei Jugendlichen ab dem Alter von zwölf Jahren und Erwachsenen beträgt die maximale Tagesdosis vier Gramm Paracetamol.
Sind mehrere Einzeldosen pro Tag therapeutisch notwendig, sollte zwischen den Einnahmen mindestens sechs Stunden Abstand liegen. Für Säuglinge bis zu einem Körpergewicht von sechs Kilogramm stehen Suppositorien mit einem Paracetamol- Gehalt von 75 Milligramm zur Verfügung. Kleinkinder im Alter bis zum zweiten Lebensjahr mit einem Körpergewicht zwischen sieben und zwölf Kilogramm bekommen Zäpfchen, die 125 Milligramm enthalten, verordnet.
Zurück zu unserem Fall Die Reaktion von Frau Grübler ist natürlich zunächst berechtigt. Wichtig ist, der Kundin zu erklären, dass der Gesetzgeber aus Sicherheitsgründen die Dosierungsempfehlungen neuen Erkenntnissen zu Folge nach unten korrigiert hat. Das bedeutet aber nicht, dass sich Eltern Sorgen machen müssen, ihren Kindern bei Behandlungen in der Vergangenheit Schaden zugefügt zu haben. Mit der Veränderung sind besonders die maximalen Tagesdosen gemeint, die insbesondere bei schweren fieberhaften Infekten eingesetzt werden.
Frau Grübler wird darauf hingewiesen, dass die Wirkung der niedriger dosierten Zäpfchen bei ihrer Tochter mit einem Körpergewicht von zwölf Kilogramm ausreichend ist. Falls das Fieber andauert, kann sie bis zu vier Suppositorien alle sechs Stunden geben. Zusätzlich bekommt sie den Hinweis, kühlende (aber nicht eiskalte!) Wadenwickel zu machen und für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu sorgen. Falls die Beschwerden bei ihrer Tochter in den folgenden drei Tagen nicht abklingen, ist ein erneuter Besuch beim Arzt anzuraten.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 11/09 auf Seite 44.
Dr. Katja Renner, k.k.renner@t-online.de
Stichworte: Kinder, Kinder-Arzneimittel, Paracetamol