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Das Altern kann man zwar nicht stoppen, den Prozess aber verlangsamen. Durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung kann jeder Einzelne viel dafür tun.
In Deutschland steht die Alterspyramide Kopf. Schon jetzt sind rund 20 Millionen Bundesbürger über 60 Jahre alt – Tendenz steigend. Doch hohes Alter ist nur erstrebenswert, wenn es mit guter Gesundheit einhergeht. Professor Cornel Sieber, Chefarzt für Geriatrie (Altersheilkunde) am Klinikum Nürnberg, ist überzeugt, dass man das schaffen kann. Und deswegen spricht er auch nicht von Anti-Aging, sondern von Pro-Aging: „Man muss versuchen, den natürlichen Vorgang des Alterns zu optimieren und damit zu leben. Dazu gehören neben der gesundheitlichen Komponente sehr stark die soziale Absicherung und ein guter Kontakt zu anderen Menschen.“
Altern – was ist das? Es gibt über 300 Theorien, warum wir altern und sterben, von der genetischen Programmierung über die Idee der Zellschädigung durch freie Radikale bis hin zu schwächenden Umwelteinflüssen. Dabei besetzen wir den Begriff „Altern“ nur mit dem Verfall. Streng genommen aber beginnt das Altern bereits mit der Geburt. Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr sind wir auf dem Höhepunkt unserer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Danach baut unser Organismus immer weiter ab und die Risiken für schwere Krankheiten steigen sprunghaft an.
So verdoppelt sich das Risiko für eine Krebserkrankung ab dem 50. Lebensjahr alle zehn Jahre, während die Gefahr für Typ-2-Diabetes („Altersdiabetes“) bereits ab 40 in diesem Maße ansteigt. Mit zunehmendem Alter lässt die Regenerationsfähigkeit unseres Körpers nach. So bildet der Organismus beispielsweise weniger Abwehrzellen, die zudem weniger aktiv sind. In der Folge wird unser Immunsystem schwächer, der Körper krankheitsanfälliger.
Mit den Jahren verlangsamen sich auch die Organfunktionen und es stellen sich immer mehr Störungen ein. Die Ablagerungen von Blutfetten in den Gefäßen nehmen zu, die Gelenke verschleißen und auch die Durchblutung der feinen Kapillargefäße geht zurück. Diese körperlichen Veränderungen begünstigen vor allem Herz-Kreislauf-Krankheiten, Schlaganfall, Arthrose und Grünen Star. Die altersspezifischen Veränderungen gehen bei manchen schneller, bei manchen langsamer vonstatten.
Spezielle Bedürfnisse Eine ungesunde Lebensführung und schädliche Umwelteinflüsse können zu einer Verkürzung des Lebens beitragen. Damit gilt aber auch der Umkehrschluss: Wer sich gesund ernährt, regelmäßig bewegt und Körpergifte wie Nikotin und zu viel Alkohol meidet, kann sein Leben verlängern. „Gesund“ und „regelmäßig“ sind dabei Begriffe, die bei älteren Menschen jedoch anders interpretiert werden müssen als bei jungen.
Mit dem Alter nimmt der Energiebedarf ab, was am geringeren Grundumsatz – etwa 1170 kcal pro Tag bei Frauen, 1410 kcal bei Männern – liegt. Älteren Frauen wird daher eine tägliche Kalorienzufuhr von 1800 empfohlen, Männern 2300. Auch Vitamine kann ein älterer Organismus nicht mehr so gut aufnehmen oder verwerten. So kann es trotz einer ausgewogenen Ernährung zu einer Unterversorgung kommen. Das gilt besonders für die Vitamine B6, B12, Folsäure, aber auch für C, E und D.
Während bei diesen Vitaminen eine Zufuhr durch Nahrungsergänzungsmittel im Bedarfsfall sinnvoll erscheint, wird bei hoch dosierten Vitamin-ASupplementen allerdings zur Vorsicht geraten. Denn bei älteren Menschen kann eine Vitamin-A-Intoxikation bereits bei niedrigeren Dosen als bei jungen Erwachsenen auftreten. So sollten Senioren täglich nicht mehr als etwa 2500 I.E. Vitamin A zu sich nehmen, wobei allerdings die nicht toxischen Vorstufen des Vitamins wie Beta-Carotin das Risiko nicht erhöhen. In einigen Studien fanden sich aber Hinweise darauf, dass eine langfristige Überdosierung von Beta-Carotin, wie auch von Vitamin E, die Sterblichkeit um einige Prozent in die Höhe treiben kann.
Neben Defiziten bei den Vitaminen fehlt es Senioren häufig auch an Mineralstoffen wie Magnesium, Kalzium oder Zink. Hier können nach Absprache mit dem Arzt Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Zink ist unter anderem für die Verarbeitung von Vitamin A notwendig. So kann es bei Zinkmangel trotz ausreichender Vitamin-A-Versorgung zu typischen Vitamin-AMangelerscheinungen – insbesondere am Auge – kommen.
HÄUFIGE VITAMINMÄNGEL BEI SENIOREN
- Vitamine B1 und B2 (wichtig für das Nervensystem und die Energieversorgung). Bei Frauen steigt die Unterversorgung mit dem Alter an, bei Männern bleibt sie gleich. Die empfohlene Tagesdosis für Vitamin B1 beträgt 1,0 mg, für Vitamin B2 1,2 mg.
- Folsäure (wichtig für den Stoffwechsel und das Zellwachstum). Etwa 90 Prozent der Senioren sind unterversorgt. Die empfohlene Zufuhr liegt bei 400 Mikrogramm täglich.
- Vitamin D (wichtig für den Knochenstoffwechsel, stärkt das Immunsystem). Die meisten Senioren erreichen nur ein Viertel der empfohlenen täglichen Zufuhr von 10 Mikrogramm.
Mit der Abnahme des Wassergehalts im Körper (70 Prozent bei einem Säugling, bis zu 45 Prozent im hohen Alter) sinkt auch das Durstgefühl, weshalb viele Senioren zu wenig trinken. Im schlimmsten Fall kann das zu Nierenversagen führen, denn auch die Nieren arbeiten im Alter langsamer.
Bewegung – mäßig, aber regelmäßig Mit dem Alter verliert der Körper Muskelmasse. Beweglichkeit, Gleichgewichtssinn und Sehkraft nehmen ab. All das kann dazu führen, dass ältere Menschen gar nicht mehr ausgehen und immer mehr vereinsamen. Licht- und Bewegungsmangel fördern zudem depressive Verstimmungen bis hin zur Depression. Die regelmäßige Bewegung im Alter sollte daher nicht zu kurz kommen. Dabei ist es nicht immer einfach, die Balance zwischen Bewegung und dem Risiko von Stürzen zu halten.
Empfehlenswert ist Sport in der Gruppe. Das fördert zum einen wichtige soziale Kontakte, zum anderen ist Hilfe vor Ort, wenn es tatsächlich einmal zu einer Verletzung kommen sollte. Bewegung an der frischen Luft ist ebenfalls wichtig, denn nur unter dem Einfluss von Sonnenlicht kann der Körper Vitamin D bilden. Dieses regelt die Resorption von Kalzium aus dem Darm ins Blut und wirkt somit Knochen stärkend. Es wird jedoch mit dem Alter vom Körper immer schlechter eingelagert. Daher wird empfohlen, bei schönem Wetter mindestens eine Viertelstunde pro Tag spazieren zu gehen.
Geriatrika – sinnvoll oder nicht? Mit dem Alter treten häufig viele chronische Krankheiten gleichzeitig auf (Multimorbidität). Viele Senioren nehmen einen wahren Medikamenten-Cocktail ein: Schmerzmittel, Schlafmittel, Blut verdünnende Mittel, Antibiotika. Kommen noch so genannte „Altersheilmittel“ (Geriatrika) hinzu, kann das gefährlich werden, denn die Wechselwirkungen sind dann kaum noch zu überblicken. So enthalten Toniken Alkohol, der die Wirkung von Schmerz- und Schlaftabletten verstärken kann.
Nicht ungefährlich können auch Ginkgo-Präparate sein. Zwar ist ihre Wirkung zur Vorbeugung von Alzheimer und Demenz bisher nicht ausreichend wissenschaftlich belegt, doch wie ASS kann auch Gink go durch seine durchblutungsfördernden Eigenschaften zum Beispiel bei einer Operation gefährlich werden. Dies gilt auch für Knoblauchoder Fischölprodukte, die ebenfalls gerinnungshemmende Eigenschaften besitzen. Solche Mittel sollten mindestens sechs Wochen vor einer anstehenden Operation abgesetzt werden.
Herbstzeit – Impfzeit Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Institutes (STIKO) empfiehlt eine Grippeschutzimpfung für Risikogruppen. Dazu gehören aufgrund ihres schwächeren Immunsystems und der häufig auftretenden Multimorbidität auch ältere Menschen. Personen über 60 Jahren wird daher eine Impfung empfohlen. Sie soll das Risiko verringern, dass sich bereits bestehende Krankheiten dramatisch verschlechtern. Außerdem sollen Influenza-Folgeerkrankungen
wie Lungenentzündungen verhindert werden. Eine Verringerung der Sterblichkeit von älteren Menschen durch eine Grippeschutzimpfung wurde jahrelang angenommen, ist aber bisher nicht wissenschaftlich bewiesen.
HÄUFIGE MINERALSTOFFMÄNGEL IM ALTER
- Kalzium (wichtig für Knochen, Muskulatur, Nerven und Blutgerinnung). Da Vitamin D die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung fördert, erhöht sich bei einem Mangel bei beiden das Osteoporose-Risiko beträchtlich. Die empfohlene tägliche Kalziummenge beträgt 1000 Milligramm.
- Magnesium (wichtig für Stoffwechsel, Nervensystem und Muskelfunktionen). Jeder vierte Senior nimmt zu wenig Magnesium zu sich. Die empfohlene Tagesdosis beträgt 350 Milligramm für Männer und 300 Milligramm für Frauen.
- Zink (Co-Faktor bei 300 Enzymen, unter anderem im Vitamin-A-Stoffwechsel). 44 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen über 65 Jahren erreichen die empfohlene tägliche Zufuhr von 10 beziehungsweise 7 Milligramm nicht.
Den vollständigen Artikel finden Sie in Die PTA IN DER APOTHEKE 11/09 ab Seite 36.
Dr. Holger Stumpf, hstumpf28@web.de
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