MIGRÄNE

Schmerzlinderung auch ohne Rezept

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Seit August ist Almotriptan rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Damit steht nach Naratriptan ein zweites Triptan in engen Grenzen für die Selbstmedikation zur Verfügung.

Allein in Deutschland sind schätzungsweise 10 Millionen Menschen von Migräne betroffen. Oftmals tritt sie schon in der Kindheit auf und erreicht zahlenmäßig ihren Gipfel zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. Man geht heute davon aus, dass es sich um eine genetische Veranlagung handelt, die das Nervensystem auf bestimmte Reize besonders empfindlich reagieren lässt. Damit ist Migräne leider nicht heilbar, aber zum Glück behandelbar!

Die Symptome der Migräne sind gut von denen anderer Arten des Kopfschmerzes abzugrenzen: Migräneattacken treten meist bis zu dreimal im Monat für 4 bis 72 Stunden auf. Der mäßig starke bis schwere, pulsierende Schmerz ist zumeist einseitig, abwechselnd und nimmt bei körperlicher Aktivität zu. Begleitsymptome können Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie Abgeschlagenheit sein. Bei circa 15 Prozent der Betroffenen kommt es kurz vor der eigentlichen Kopfschmerzphase zu visuellen Ausfallerscheinungen, „Aura“ genannt, wie beispielsweise Flimmern vor den Augen, Doppeltsehen oder Störungen des Farbsinns. Mit Beginn der Schmerzen verschwindet die Aura.

Migräne Um zu verstehen, wieso man Migräne mit Triptanen behandeln kann, sehen wir uns ihre Entstehung an: Im Migäneanfall sind Blutgefäße in der Hirnhaut anormal erweitert. Es werden gefäßaktive Botenstoffe freigesetzt, die zur Entzündung rund um das Gefäß führen. Zusammen mit der Veränderung von schmerzleitenden Nerven verursacht dies den pulsierenden Schmerz. Zusätzlich werden Nervenzentren gereizt, die für Übelkeit und Erbrechen verantwortlich sind.

ALLGEMEINE HINWEISE ZUR EINNAHME VON TRIPTANEN
Die Einnahme soll möglichst früh nach Einsetzen der Migränekopfschmerzen (aber erst nach Verschwinden einer eventuell aufgetretenen Aura!) erfolgen, wenngleich dies auch später noch möglich ist. Tritt innerhalb von vier Stunden nach Einnahme eine noch nicht ausreichende Besserung der Symptome ein, darf eine zweite Dosis eingenommen werden, aber nicht mehr als zwei Tabletten innerhalb von 24 Stunden (Naratriptan maximal 2 x 2,5 mg; Almotriptan maximal 2 x 12,5 mg).

Wie wirken Triptane? Es sind Serotonin-Agonisten. Sie verengen, vermittelt durch Serotonin, die schmerzhaft erweiterten Blutgefäße in der Hirnhaut und hemmen die Freisetzung der gefäßaktiven Botenstoffe (Reduktion neurogener Entzündungen). Zusätzlich vermindern sie die Ausbreitung von Schmerz - reizen über die Hirnrinde. Der hohe Beratungsbedarf bei der Abgabe von Triptanen ergibt sich aus dem gefäßverengenden Effekt. Die erste Frage, welche auf die Abgrenzung der Migräne von anderen Kopfschmerzarten abzielt, sollte lauten:

PTA: Wie äußert sich Ihr Kopfschmerz?
Hinweis: Es gibt viele Arten von Kopfschmerzen! Ein Spannungskopfschmerz etwa kann öfter als dreimal monatlich auftreten, ist nicht pulsierend, eher dumpf-drückend, oft beidseitig und nimmt bei kör - perlicher Tätigkeit meist nicht zu. Auch Übelkeit ist selten. Fragen zu Migräne-Symptomen stellen Sie, falls der Patient noch keine Diagnose „Migräne“ durch einen Arzt erhalten hat.

PTA: Sind Sie unter 18 (oder über 65) Jahre alt?
Hinweis: Diese Kunden (Kinder, Jugendliche, Patienten mit höherem Risiko u.a. bei Herz-Kreislauferkrankungen) sind von der Behandlung mit Triptanen in der Selbstmedikation ausgeschlossen. Auch wenn Migräne erstmalig in einem Alter über 50 Jahren auftritt, müssen Sie zum Ausschluss anderer schwerwiegender Erkrankungen an einen Arzt verweisen! Bei Frauen in gebährfähigem Alter muss die nächste Frage lauten:

PTA: Sind Sie schwanger, vermuten Sie, schwanger zu sein oder stillen Sie derzeit?
Hinweis: Hier muss ein Arzt über die Behandlung entscheiden!

PTA: Wie häufig leiden Sie unter Migräne und wie lange dauert sie an?
Hinweis: Verweisen Sie an einen Arzt, wenn die Attacken viermal oder häufiger pro Monat auftreten, wenn sie länger als 24 Stunden andauern und wenn sich der Kunde zwischen den Kopfschmerzphasen nicht vollständig erholen kann. Bei einer Migränedauer kürzer als vier Stunden wird kein Triptan gegeben.

PTA: Treten während Ihres Migränekopfschmerzes außer Übelkeit, Licht-und Lärmempfindlichkeit noch andere Symptome auf?
Hinweis: Berichtet der Kunde beispielsweise über einseitige Bewegungseinschränkung, unkoordinierte Bewegungen, Ohrgeräusche, plötzlich auftretenden Hautausschlag und gleichzeitig heftigen Kopfschmerz, anfallartige Bewegungen, Doppeltsehen, Bewusstseinsstörungen, Kopfschmerzen, die sich auf die Rückseite des Kopfes beschränken oder eine erst kürzlich aufgetretene Verschlimmerung oder Veränderung der Migränesymptome, so verweisen Sie den Kunden an einen Arzt!

PTA: Welche Arzneimittel nehmen Sie derzeit ein?
Hinweis: Hier erhält man wichtige Informationen auf Umstände oder Erkrankungen, welche eine Anwendung von Triptanen in der Selbst - medikation einschränken oder verbieten. So dürfen Triptane nicht zeitgleich mit anderen Triptanen oder Ergotamin/Ergotaminderivaten eingenommen werden. Starkes Übergewicht, Diabetes, ein hoher Blutcholesterinwert, Rauchen, Wechseljahre, ein Alter über 40 Jahren bei Männern und Herzerkrankungen bei engen Verwandten (Eltern, Geschwister) erhöhen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dann dürfen Triptane ohne ärztliche Erlaubnis nicht zum Einsatz kommen.

Wenn Sie sich für die Abgabe eines apothekenpflichtigen Triptans entschieden haben, sollten Sie daran denken, auf mögliche Nebenwirkungen wie beispielsweise Schwindel, Schläfrigkeit, Kribbeln, Hitzegefühl, Schweregefühl, Schmerzen, Druck/Engegefühl auch im Brust-, Halsbereich hinzuweisen. Diese machen einen Arztbesuch notwendig. Eine sehr ausführliche Hilfe für das Beratungsgespräch bei Abgabe von Triptanen wird derzeit von einem Hersteller eines verschreibungsfreien Naratriptan-Präparates an geboten. Nutzen Sie den Service!

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 10/09 ab Seite 66.

Nicole Binger, nicolebinger@web.de

Stichworte: Almotriptan, Kopfschmerz, Migräne, Naratriptan, Triptan

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