Tatort Apotheke

Schilddrüsenhormone: Die PTA ermittelt

Abbildung © BilderBox Bildagentur GmbH. Die PTA ermittelt. © BilderBox Bildagentur GmbH. Die PTA ermittelt.

Freuen Sie sich auf einen neuen Beratungsfall aus der Apotheke. Lesen Sie, welche Einnahmeempfehlungen bei Schilddrüsenhormonen beachtet werden sollten.

Der Fall: Frau Sylvia Fischbach löst in der Apotheke ihr Rezept über L-Thyroxin 75 ein. Auf Nachfrage der PTA erzählt sie, dass bei ihr eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt wurde und sie nun auf Tabletten eingestellt werde. Sie habe bereits drei Monate lang eine niedrigere Stärke eingenommen, doch ohne spürbaren Erfolg. Die PTA fragt Frau Fischbach nach ihrem Einnahmemodus und erfährt, dass sie die Tabletten zum Frühstück einnimmt, zusammen mit den Eisentabletten, die sie ansonsten so schlecht vom Magen her verträgt.

Der pharmakologische Hintergrund Bei einer Hypothyreose – also einer Unterfunktion der Schilddrüse – bildet die Schilddrüse für den Organismus zu niedrige Konzentrationen an Hormonen. Langfristig reagiert der Körper mit einer Vergrößerung der Schilddrüse (Kropfbildung), um die fehlende Menge zu kompensieren. Bei einer Hypothyreose wird in der Regel Levothyroxin zum Ausgleich des Hormonmangels verordnet, weil es aufgrund der längeren Verweildauer im Blut im Gegensatz zu Trijodthyronin nur einmal täglich eingenommen werden muss.

Wird ein Patient neu eingestellt, so wie Frau Fischbach, sollte mit Anfangsdosierungen von 12,5 bis 25 Mikrogramm begonnen werden, um Nebenwirkungen wie Unruhe, Herzrasen und Schweißausbrüche zu vermeiden. Die Dosis wird in ein- bis vierwöchigen Intervallen bis zur erforderlichen Zielkonzentration gesteigert. Nahrung vermindert die Bioverfügbarkeit von Levothyroxin um bis zu 20 Prozent. Deshalb sollte die Einnahme morgens nüchtern, also eine halbe Stunde vor dem Frühstück, erfolgen.

Zu beachten ist die Interaktion von Schilddrüsenhormonen mit polyvalenten Kationen, zum Beispiel Kalzium, Aluminium oder Eisen. Obwohl die Art der Wechselwirkungen noch nicht endgültig erforscht ist, vermutet man, dass die in Studien gezeigten Erniedrigungen des Hormonspiegels mit Komplexbildung und Adsorptionsprozessen zusammenhängen. Diese potentiellen Wechselwirkungen mit Kalziumbrausetabletten zur Unterstützung des Knochenaufbaues, aluminiumhaltigen Antazida gegen Sodbrennen und Eisenpräparaten zur Substitution bei Eisenmangelzuständen sind durchaus relevant und in der Beratung zu berücksichtigen.

Zurück zum Fall Frau Fischbach hat fälschlicherweise Eisen- und Schilddrüsenmittel gleichzeitig zu der Mahlzeit eingenommen. Damit senkte sie die Bioverfügbarkeit beider Präparate. Als Faustregel gilt: Levothyroxin eine halbe Stunde vor dem Frühstück und die Eisentabletten eine halbe Stunde vor dem Mittag- oder Abendessen, bevorzugt mit einem Vitamin-C-haltigen Getränk, einzunehmen. Zum Herunterschlucken der Schilddrüsentabletten eignen sich Leitungswasser oder kalziumarme Mineralwässer.

Kalziumhaltige Milchprodukte sind ebenfalls zeitversetzt zu essen oder zu trinken – gegen etwas Milch in den Kaffee am Morgen ist aber nichts einzuwenden, da mögliche Resorptionsverluste bei der Einstellung der richtigen Hormondosis ja berücksichtigt werden. Wichtig ist trotzdem, regelmäßige Blutspiegelkontrollen der Schilddrüsenhormone beim Arzt vornehmen zu lassen.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 10/09 auf Seite 63.

Dr. Katja Renner, k.k.renner@t-online.de

Stichworte: Hypothyreose, Interaktion, Levothyroxin, Schilddrüse, Wechselwirkung

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