COMPLIANCE Teil 4

Bitte tief einatmen!

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Bei chronischen Atemwegserkrankungen gehört die inhalative Therapie zum Goldstandard. Doch erst die richtige Anwendung entscheidet über den Behandlungserfolg.

Die lokale Behandlung von Atemwegserkrankungen per Inhalation hat enorme Vorteile: Die Wirkstoffe gelangen direkt zum Ort der Erkrankung, therapeutische Dosen sind deutlich niedriger als bei einer oralen Gabe und die Nebenwirkungen lassen sich ebenfalls reduzieren. Allerdings führt die Vielfalt der Geräte auf dem Markt oft zu einer Überforderung der Patienten. Gute Einweisung und Beratung durch Sie in der Apotheke tut Not, wenn ein Patient ein neues Inhalationssystem verordnet bekommt.

Koordination erforderlich Bei Dosieraerosolen ist der Arzneistoff in einem flüssigen Treibgas suspendiert oder gelöst. Vorteile sind die Handlichkeit, der günstige Preis und die breite Akzeptanz unter langjährigen Asthmatikern. Dosieraerosole bestehen aus Wirkstoffkanister, Dosierventil und Plastikgehäuse mit Mundstück, das von einer Schutzkappe verschlossen wird. Durch manuellen Druck auf den Wirkstoffkanister zeitgleich mit der Einatmung wird das Ventil geöffnet und das herausströmende Aerosol gelangt über den Atemstrom in die Bronchien des Patienten. Während die Gaspartikel verdampfen, wird der Wirkstoff in mikronisierter Form inhaliert.

Problematisch ist die hohe Anfangsgeschwindigkeit, mit der die Teilchen das Gerät verlassen. Substanz, die auf die Mundschleimhaut prallt und dort hängen bleibt, ist für die Wirkung in der Lunge verloren. Ein weiterer Nachteil der Dosieraerosole ist, dass ein großer Teil der Patienten die Koordination der Inhalation (Auslösen und Einatmen) nicht beherrscht.

Atemzug löst aus Anders als bei normalen Dosieraerosolen löst der Patient bei der Anwendung des Autohalers den Sprühstoß automatisch über seinen Atemzug aus. Die Aus lösung erfolgt immer zu Beginn der Einatmung, also in der optimalen Phase der Inhalation. Bei einigen Systemen kann der Sprühstoß auch von Hand über einen kleinen Schieber aktiviert werden. Das ist in der Situation eines akuten Asthmaanfalls wichtig, wenn der Patient keinen ausreichenden Atemzug mehr hat.

Spacer Bei der Inhalation durch einen Spacer (bauchige Inhalierhilfe) ist keine Koordination von Einatmung und Sprühen notwendig. Das Dosieraerosol wird geschüttelt, die Kappe entfernt und das Mundstück in die hintere Öffnung des Spacers platziert. Ein Sprühstoß wird in den verschlossenen Spacer gegeben, das Mundstück geöffnet und der Wirkstoff in Ruhe eingeatmet. Mehrere Sprühstöße sollten separat gesprüht und inhaliert werden. Große Partikel sedimentieren schon im Spacer und gelangen gar nicht erst in den Mundund Rachenraum, wo sie sonst im Falle der Glukokortikoide systemische und lokale Nebenwirkungen erzeugen können. Für Kinder und Säuglinge gibt es spezielle Spacer (Aerochamber oder Babyhaler) mit einer Atemmaske, die Mund und Nase umschließt.

Pulver Eine Alternative zu Dosieraerosolen sind Pulversysteme. Bei Diskus, Novolizer und Co wird der Wirkstoff in Pulverform zusammen mit einem Trägerstoff (oftmals Laktose) durch einen raschen, tiefen Atemzug des Patienten ausgelöst und inhaliert. Dadurch ist keine Koordination von Sprühstoß und Einatmen nötig. Auf keinen Fall sollte in das Gerät ausgeatmet werden, da das Pulver durch die Feuchtigkeit verklumpen kann.

Im Diskus, einem Einzeldosensystem, sind zum Schutze vor Feuchtigkeit 60 Wirkstoffdosen in einer Folie verschweißt. Die Anwendung lässt sich in vier Worten zusammenfassen: Öffnen, Spannen, Inhalieren, Schließen. Durch das Spannen wird die Folie aufgestochen und eine Einzeldosis zur Inhalation unterhalb des Mundstückes in einer Dosierkammer freigegeben. Mit einem kräftigen Atemzug erfolgt die Inhalation und das System wird wieder geschlossen. Nach jedem Inhalationsvorgang zählt ein Zählwerk die noch verbleibenden Dosen, sodass der Patient eine genaue Kontrolle über den Füllstand seines Gerätes hat.

Der Turbohaler ist ein Beispiel für ein einfach zu bedienendes Mehrdosensystem. Nachdem die Kappe entfernt worden ist, wird das Gerät in aufrechter Haltung (sonst kommt es zu Fehldosierungen) durch Drehen des Spannringes für die Inhalation vorbereitet. Eine Einzeldosis wird aus dem Reservoir über eine Lochscheibe freigesetzt. Die Inhalation ist sehr mild, hat aber den Nachteil, dass der Patient keine richtige Kontrolle über eine erfolgreiche Applikation hat, weder geschmacklich noch auditiv.

Vorsicht: Das Geräusch, das man beim Schütteln des Gerätes hören kann, wird durch das Trockenmittel erzeugt und gibt keinen Hinweis auf den Füllungsgrad. Eine Orientierung bietet die rote Markierung des Zählwerkes. Wenn sie erscheint, sind noch etwa 20 Dosen vorhanden.

Der Novolizer erreicht auch bei einer niedrigen Atemflussrate von etwa 45 ml/min hohe Depositions - raten in der Lunge. Ein großer Vorteil dieses Systems gegenüber den bisherigen Geräten ist die Dreifach-Kontrolle des Inhalationsvorgangs: visuell, auditiv und geschmacklich. Nach erfolgreicher Inhalation sieht der Patient eine Farbänderung im Kontrollfenster, er hört ein Klickgeräusch und schmeckt den süßlichen Geschmack der Trägersubstanz Laktose. Besonders bei der Therapie mit Glukokortikoiden ist eine gute Kontrolle der Inhalation wichtig, da hier eine sofortige spürbare Wirkung ausbleibt.

Der Jethaler ist ein treibgasfreies Mehrdosen-Inhalationssystem, das die Vorteile der Pulversysteme und der Dosieraerosole vereinen soll. Das System besteht aus dem Gehäuse mit Antriebseinheit und einem Mundstück, in dem sich eine wirkstoffhaltige Ringtablette befindet. Über eine Fräse wird nach Spannen und Auslösen des Gerätes eine definierte Wirkstoffmenge von der Tablette abgefräst, die dann über die gleichzeitige Atmung in den Atemfluss des Patienten gelangt. Generierung und Freisetzung des mikronisierten Pulvers erfolgen unabhängig vom Atemzug des Patienten. Ein lautes Geräusch der Fräse signalisiert eine erfolgreiche Freisetzung des Wirkstoffs. Der rote Füllstands-Indikator-Ring zeigt an, wenn die Tablette verbraucht ist.

Wer die Wahl hat ... Welches Inhalationssystem für den jeweiligen Patienten geeignet ist, muss individuell entschieden werden. Eine erfolgreiche Asthmatherapie ist jedoch nur gewährleistet, wenn der Patient sein System richtig anwendet. Dazu reicht oft die Einweisung durch den Arzt nicht aus. Unterstützen Sie Ihre Patienten in Form von Schulung, Wiederholungen und Informationsmaterial, das Sie von den Firmen anfordern können.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 10/09 ab Seite 43.

Dr. Katja Renner, k.k.renner@t-online.de

Stichworte: Atemwege, Compliance, Dosieraerosole, Inhalation, Spacer, inhalieren

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