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In der Schulmedizin gelten Akupunktur, Homöopathie und Phytotherapie bestenfalls als ergänzende Behandlungsformen. Aber es steckt mehr dahinter!
Die Komplementärmedizin umfasst laut der Auffassung der Weltgesundheitsorganisation ein „breites Spektrum von Heilmethoden, die nicht Teil der Tradition des jeweiligen Landes sind und nicht in das dominante Gesundheitssystem integriert sind“. Obwohl komplementäre Therapien im Patienteninteresse dringend eingesetzt werden sollten, werden sie in der klassischen schulmedizinischen Behandlung meist nicht angewandt.
Beispiele dafür sind hoch dosierte Vitamin-C-Infusionen oder die Misteltherapie zur Minderung der Nebenwirkungen in der Radio- und Chemotherapie bei bestimmten Tumorerkrankungen sowie Injektionen mit Milz- und Thymuspeptiden zur Kräftigung des Immunsystems. Komplementären Charakter haben auch bewährte Therapieformen, wie Akupunktur, Homöopathie und Phytotherapie, immer dort, wo eine schulmedizinisch eindämmende oder begrenzende Behandlung unverzichtbar ist, also beispielsweise bei malignem Bluthochdruck oder Bronchialasthma.
Hier können im weitesten Sinne naturheilkundliche Heilweisen wegen ihres regulativen Ansatzes, ihrer organotropen Leistungsfähigkeit und ihrer vegetativ ausgleichenden Wirkung sehr erfolgund hilfreich sein, reichen oft aber alleine nicht aus. Echte Alternativen bieten Naturheilverfahren hingegen bei vielen psychosomatischen Erkrankungen, funktionellen Störungen oder leichteren Infekten, also beispielsweise bei Rückenschmerzen, Migräne, vegetativ bedingten Organbeschwerden, grippalen Infekten, Schlafstörungen und vielem mehr.
Klassische Homöopathie Dies ist die Lehre, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen (omoion = gleich, pathos = Leiden). Begründer war Samuel Hahnemann (1755–1843). Dieser hatte als junger Arzt in Siebenbürgen (Rumänien) viele Wechselfieberpatienten gesehen und behandelt, war also mit dem Gesamterscheinungsbild gut vertraut. Bei einer Übersetzung stieß er auf die Empfehlung zur Einnahme der Chinarinde, die Magen kräftigend wirken sollte.
Hahnemann, ein bodenständiger und vehement-resistenter Bezweifler anderer Meinungen, wollte Gewissheit über die Wirkung haben und nahm als Gesunder kleine Dosen Chinarinde ein. Resultat: Er zeigte plötzlich Wechselfiebersymptome! Daraufhin verabreichte er seinen Patienten fein dosierte Chinarinde und folgerte nach deren Gesundung: Ruft eine Substanz beim Gesunden ein bestimmtes Symptomspektrum hervor, kann diese in homöopathischer Zubereitung einen Kranken mit eben diesen Symptomen heilen (Similia similibus curentur „Simile-Regel“).
Der Chinarindenversuch von 1790 gilt als das Geburtsjahr der Homöopathie. Sehr im Einklang mit der chinesischen Pharmakopoe nutzt die Homöopathie heute tierische, pflanzliche und mineralische Stoffe sowie Metalle. Im Gegensatz zur Biochemie sind diese Stoffe nicht körpereigen.
Potenzen In der weiteren Entwicklung der Homöopathie wurden die Ausgangssubstanzen durch Verdünnung und Verschüttelung verfeinert und dynamisiert. Hahnemann verwendete damals ausschließlich Centesimalpotenzen und erreichte große Heilerfolge mit den C30-Zubereitungen. Seine Sicht von Gesundheit und Krankheit trennt bis heute die Lager, deckt sich aber mit vielen Hauptaspekten der indischen und chinesischen Medizin: Alle verstehen den Menschen als Energiewesen mit stofflichem und energetischem Körper.
Hahnemann bezeichnete diese Lebensenergie als Vitalis. In ihren tiefen und mittleren Potenzen D4 bis D12 (= C2 bis C6) wirkt ein Homöopathikum durch den Inhaltsstoff auf der körperlichen Ebene, jenseits der D23 (etwa entsprechend der C12) sind keine Wirkstoffmoleküle mehr enthalten und es liegt eine reine energetische Informations- und Regulationstherapie vor.
Erstverschlimmerung Ein Thema, das viele Kunden sehr beschäftigt. Bei jeder Regulationstherapie kann es, meist kurzzeitig, zu Gegenreaktionen kommen. Diese Erstreaktionen sind, so zeigt die Erfahrung, zeitlich begrenzter Natur. Dass es, gerade nach Kortikoidbehandlung bei Hautproblemen, auch zu intensiveren Erstreaktionen kommen kann, stimmt. Solche Verläufe bleiben aber die Ausnahme. Im Beratungsgespräch lassen sich bestehende Befürchtungen und Sorgen der Kunden zugunsten einer besseren Compliance abbauen.
Antidote Sie heben die Wirkung anderer Substanzen auf. Die über 200 Jahre alte Antidotenlehre Hahnemanns ist in ihrer ursprünglichen Form jedoch längst nicht mehr haltbar. Heute sollen im Wesentlichen starke ätherische Öle gemieden werden, denn sie beeinträchtigen die homöopathische Wirkung. Dazu zählen Minze, Menthol, Kampher, Eukalyptus, Salbei und Thymian. Mentholfreie Zahnpasten sind empfehlenswert. Beim Reizthema Kaffee sollten Sie zu einem zeitlichen Abstand raten: Einnahme des Homöopathikums also etwa 30 Minuten vor den Mahlzeiten beziehungsweise dem Kaffeegenuss oder abends, vor dem Schlafengehen.
Komplexhomöopathika Mehrere Einzelhomöopathika werden in der Komplexmittelhomöopathie zu einem neuen Medikament zusammengefasst. Verwendet werden Urtinkturen, Tief- und Mittelpotenzen. Anwendungsgebiete sind akute und subakute funktionelle oder chronische organische Beschwerden, Probleme des Bewegungsapparates sowie vegetative Störungen.
Der Vorteil: Komplexhomöopathika sind besonders dort wertvoll, wo das Symptombild unklar ist und auf mehrere Mittel hinweist und dort, wo man keine zeitaufwändige Mittelsuche betreiben kann und will, also im Apothekentagesgeschäft. Die Kompendien der Hersteller sind eine unverzichtbare Hilfe bei der Mittelfindung und bieten bei den Beschwerdebildern geeignete Therapievorschläge. Das erleichtert die Vorauswahl im Apothekenalltag.
Achtung: Viele Mittel haben ihren Ursprungsnamen, einen Änderungsvermerk und eine andere Zusammensetzung. Das Rezepturbuch der Hersteller bringt hier Klarheit!!
Darreichungsformen und Dosierung Die drei Darreichungsformen für Einzel- und Komplexhomöopathika sind Globuli (Milchzuckerkügelchen mit Wirkstoffauftrag), Dilutionen und Tabletten. Die Dosierung zugelassener und registrierter Arzneimittel schreibt die Zulassungsbehörde den Herstellern vor und ist im Beipackzettel sowie in den Kompendien zu finden. Therapeuten dürfen von dieser Dosierungsvorgabe abweichen.
Da Globuli- und Tablettenpräparate meist Milchzucker enthalten, können Kunden mit Laktoseintoleranz bei allen Einzelhomöopathika und vielen Komplexmitteln auf Dilutionen ausweichen. Bei Glutenunverträglichkeit bieten verschiedene Hersteller Globuli auf reiner Zuckerbasis und Tabletten mit Kartoffelstärke anstelle von glutenhaltiger Weizenstärke an.
Phytotherapie Heilpflanzen sind mite-Präparate und wirken sanft und ausgleichend, beispielsweise:
Bewährt sind Heilpflanzenmischungen, deren Einzelkomponenten einen guten Synergismus bilden. Während die Pharmakologie den Einzelwirkstoff oder einen Wirkstoffkomplex als therapeutisch relevant sieht, betrachtet die Naturheilkunde die Pflanze in ihrer Ganzheit, denn viele scheinbar unbedeutende Begleitsubstanzen erfüllen in der regulativen Gesamtwirkung wichtige Aufgaben. Pflanzliche Monopräparate sind dennoch weit verbreitet, ihre Entwicklung und ihr Einsatz entsprechen der pharmakologischen Wirkstofforientierung.
Dabei werden hoch dosierte Einzelwirkstoffe zum Fertigmedikament verarbeitet. Die Gesamtheit der Pflanze findet dabei keinen Eingang in die Medikamentenherstellung. Komplexhomöopathika und Heilpflanzen lassen sich gut kombinieren, sofern die Pflanzen keine starken ätherischen Öle enthalten. Ist dies der Fall, muss ein zeitlicher Abstand von etwa einer Stunde zwischen pflanzlicher Anwendung und Homöopathikum liegen.
Akupunktur Nach traditioneller chinesischer Sicht ist der menschliche Organismus von nichtstofflichen Leitbahnen durchzogen, durch die nichtstoffliche Lebensenergien fließen. Krankheit ist nach chinesischem Verständnis eine Blockade, eine Schwäche oder eine andere Störung im Fluss des Qi, der Lebensenergie. Besondere Stellen der Leitbahnen – die Akupunkturpunkte – erlauben durch Nadelung oder Wärmebehandlung den spezifischen Einfluss auf das Qi.
Sie regen seinen Fluss an, lösen Stauung auf, sammeln Energie bei energetischer Schwäche und vieles mehr. Dem Team von Professor Hartmut Heine, Witten-Herdecke, verdanken wir viele Erkenntnisse über kausale Zusammenhänge. Er ließ durch seine Studenten etwa 20 000 Akupunkturpunkte frei präparieren und fand in jedem Punkt auffallend dichte Gefäß- und Nervenbündelungen, die die Faszien durchdrangen.
Heine formulierte daraus in Anlehnung an den großen Forscher und Embryologen Professor Alfred Pischinger, Wien: Der Akupunkturpunkt ist das Fenster zum Grundsystem. Dieses vegetative System der Grundsteuerung ist an allen regulativen Vorgängen zentral beteiligt, so auch bei vielen Schmerzproblemen – und die Schmerztherapie durch Akupunktur ist eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten.
Kombination Im Interesse der Kranken wäre es wünschenswert, all das, was an komplementären oder alternativen Methoden vorliegt, auch einzusetzen – vielleicht müssen das die Betroffenen etwas stärker und deutlicher einfordern als bisher!
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 09/09 ab Seite 36.
Werner Sperling
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