© Jacom Stephens / www.istockphoto.com
Nach einem langen Arbeitstag sind die Beine oft müde und die Knöchel geschwollen. Wie kommt es zu Ödemen am Bein und was leisten die kleinen Helfer der Homöopathie?
Das venöse Gefäßsystem hat mehrere bemerkenswerte Eigenschaften. So verfügen die Venen über eine enorme Dehnbarkeit, die dreizehnmal größer ist als die der Arterien. Der Körper hat damit ausreichende Gefäßkapazitäten, um Volumenschwankungen aufzufangen. Das erleben wir täglich, wenn wir aufstehen.
Durch die Lageänderung fließen 400 bis 600 Milliliter Blut ins venöse System der Beine. Diese Volumenverschiebung können wir bisweilen spüren: Erfolgt die Gegenregulation des Kreislaufs zu langsam, wird uns schwindelig (orthostatischer Schwindel). Auch kleine Druckerhöhungen in den Venen führen zu großen Flüssigkeitsverlagerungen. Dies passiert unter anderem beim Stehen, wenn die Flüssigkeitssäule den Veneninnendruck erhöht. Davon sind zwangsläufig die körperfernen Zonen – Füße und Unterschenkel – mehr betroffen als die höheren, denn dort wirkt sich der gestiegene Druck am stärksten aus.
In der Folge erweitern sich die Venen und die Blutfülle in den Beinen nimmt zu. Auch die Durchlässigkeit der Venenwände spielt eine Rolle. Wird sie zu groß, so verlagert sich Flüssigkeit aus dem Gefäßinneren in das umgebende Gewebe. Dadurch werden die Beine schwer, müde und schwellen an Knöcheln und Unterschenkeln an – ein Beinödem hat sich gebildet. In Ruhe und beim Liegen oder durch mechanische Erhöhung des Gegendrucks, zum Beispiel durch Stützstrümpfe, klingt das Beinödem normalerweise wieder ab.
Den Venen Beine machen Direkt unter der Haut und über der Muskulatur befinden sich die oberflächlichen Venen. Von dort gelangt das venöse Blut aus der Haut und dem Unterhautfettgewebe mittels sogenannter Verbindungsvenen in die tief liegenden Venen innerhalb der Muskeln. Beim Gehen, Laufen oder Rad fahren wirkt die Muskelspannung der Beinmuskulatur unmittelbar auf die Venen und komprimiert sie.
Das Blut wird dadurch kräftig etagenweise Richtung Herz gedrückt und durch die Venenklappen am Rückfluss gehindert. Dieses Prinzip wird als Muskelpumpe bezeichnet. Sie ist die weitaus wichtigste – und leider am häufigsten vernachlässigte – Größe beim Transport des Venenblutes und bei der Unterstützung des Lymphflusses.
Helfer für die Venen Je mehr man für die Festigung der Beinmuskulatur und der damit verbundenen Bindegewebsstrukturen unternimmt, desto wirkungsvoller lassen sich lästige Gefäß- und Beinbeschwerden vermeiden oder lindern. Die Komplexmittelhomöopathie ist mit ihren bewährten Komponenten eine wertvolle Unterstützung bei der Behandlung von Venenleiden.
HOMÖOPATHIKA
+ Aesculus hippocastanum Dil D1 (Rosskastanie) Venöse Stauungen im Bereich der
unteren Extremitäten und Neigung zu Beinödemen.
+ Hamamelis virginiana Urtinktur (Virginische Zaubernuss) Schmerzhaftes Druck-
und Schweregefühl im Einzugsgebiet der betroffenen Venen; Brüchigkeit der
Venenwände; bläuliche Varizen; Krampfadern; Venenentzündungen.
+ Arnica montana Urtinktur (Bergwohlverleih) Varikosis an den Unteroder
Oberschenkeln; violettes Aussehen der Haut infolge starker kapillarer
Vaskularisation und Stauung; Erschlaffung des venösen Systems.
+ Lachesis mutus Dil. D 8 (Buschmeisterschlange) Venenstränge sehr
berührungsempfindlich; venöse Stauungen; Thrombose und Thrombophle- bitis;
Ödeme.
+ Silybum marianum Dil. D3 (Mariendistel) Portale Kongestion mit venöser
Stauung; erweiterte Venen; variköse Ulzera; Krampfadern.
Geeignete Komplexmittel verbessern die Dynamik des Blutflusses, stabilisieren die Venenwände, aktivieren den Pfortaderfluss und wirken so den Veränderungen und Erkrankungen im venösen System entgegen. Krankheitszeichen für ein Komplexpräparat sind:
Große Bedeutung haben dabei die Wirkstoffe der Rosskastanie und der Hamamelisrinde. Rosskastanienfrüchte enthalten drei bis zehn Prozent eines Triterpensaponingemisches, das etwa 30 unterschiedliche Saponinglykoside sowie Flavonoide, Phytosterole und fette Öle enthält. Hauptwirkstoff ist das beta-Aescin, das bis zu 40 Prozent des Saponingemisches bildet.
Die Pflanzeninhaltsstoffe und damit vorrangig das Aescin wirken gefäßabdichtend, tonisieren die Venenwände und verringern die Ödembildung. Zubereitungen aus Rosskastanienfrüchten sind seit langem sehr bewährt bei chronisch venösen Insuffizienzen, Krampfadern mit Schweregefühl, Beinschwellungen, Juckreiz und Hämorrhoiden. Die homöopathischen Zubereitungen der Rosskastanie – vorwiegend in Tiefpotenzen – wirken auf den Pfortaderkreislauf und das venöse System. Wie bei der pflanzlichen Wirkung stehen auch bei der homöopathischen Anwendung Schwächen und Erkrankungen des venösen Systems im Vordergrund.
Schüßler Salze Bei Bindegewebsschwäche, Krampfaderbildung und Venenentzündungen bieten sie hervorragende Anwendungsmöglichkeiten. Dabei sind die Kombinationen von Tabletten und Cremes besonders erfolgversprechend. Das Salz Nr. 11 Silicea (D12) stärkt schwaches Bindegewebe. Mit Nr. 7 Magnesium phosphoricum (D6) lassen sich vegetativ bedingte Gefäßerweiterungen behandeln. Bei Venenentzündungen sind Nr. 3 Ferrum phosphoricum (D12) und Nr. 5 Kalium phosphoricum (D6) geeignet, während Sie bei Verhärtungen Nr. 1 Calcium fluoratum (D12) empfehlen können. Staut sich das Blut in den Venen, wie es auch bei Hämorrhoiden der Fall ist, dann sind Nr. 5 Kalium phosphoricum (D6) und Nr. 10 Natrium phosphoricum (D6) die richtige Wahl. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.pflueger.de.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/09 ab Seite 51.
Werner Sperling, praxissperling@web.de
Stichworte: Aescin, Aesculus hippocastanum, Arnica montana, Beine, Calcium fluoratum, Ferrum phosphoricum, Hamamelis, Hamamelis virginiana, Homöopathie, Kalium phosphoricum, Komplexhomöopathie, Lachesis mutus, Natrium phosphoricum, Rosskastanie, Schüßler Salze, Silicea, Silybum marianum, Venen, beta-Aescin, Ödeme