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Volles Kopfhaar wird beim Menschen mit Attraktivität und Gesundheit gleichgesetzt und ist für das Wohlbefinden immens wichtig. Entsprechend groß ist der Leidensdruck vieler Kunden mit Haarausfall und wird so zum Problem.
Eine Kundin, Endvierzigerin und auf den ersten Blick mit vollem Haupthaar, betritt die Apotheke. Nach eigenen Angaben leidet sie unter Haarausfall. Jetzt ist es an Ihnen, die möglichen Ursachen zu erfragen!
PTA: Wie äußert sich der Haarausfall? Bricht das Haar (falsche Pflege) oder fällt es aus? Wie viele davon verlieren Sie etwa pro Tag? Wie lange geht das schon so? Hinweis: Ein verstärkter täglicher oder auch saisonaler Haarwechsel, wie er zum Beispiel im Frühjahr oder Herbst vorkommen kann, stellt noch keinen wirklichen Haarausfall dar. Erst ab einem täglichen Verlust von mehr als 100 Haaren spricht man von einer Alopezie.
PTA: Wird das Haar bei Ihnen insgesamt dünner?
Hinweis: Der diffuse Haarausfall lässt die Haare vor allem am Oberkopf, im Wirbelbereich und in den „Geheimratsecken“ dünner werden. Ursachen sind endogene oder exogene Schädigungen der Haarfollikel während der Wachstumsphase. Hormonelle Veränderungen, wie eine Entbindung oder der Eintritt in die Wechseljahre, Infektionen, Vergiftungen, aber auch extreme Fastenkuren können die Auslöser sein.
PTA: Oder fallen die Haare nur an bestimmten Stellen aus?
Hinweis: Der kreisrunde Haarausfall zeigt sich durch runde oder ovale, scharf begrenzte Kahlstellen, die meist am Kopf, aber auch am Körper, einzeln oder mehrfach auftreten. Manchmal setzt die Behaarung nach kurzer Zeit spontan wieder ein, sie kann jedoch auch zu einer anhaltenden völligen Kahlheit führen.Offenbar liegt ein Angriff des Immunsystems gegen die eigenen Haarfollikel zugrunde.
PTA: Bestehen Grunderkrankungen oder nehmen Sie Medikamente?
Hinweis: Eine allgemeine Ausdünnung des Haupthaares kann auch verursacht werden durch Schilddrüsenüber- oder unterfunktion, Lebererkrankungen, Diabetes mellitus, Eisen- oder Zinkmangel, aber auch durch bestimmte Medikamente. Denken Sie an Zytostatika, Glukokortikoide, Antikoagulantien, Thyreostatika, Simvastatin oder Vitamin A. Ist keine Grunderkrankung bekannt, klagt der Patient aber über Beschwerden, die auf eine solche hindeuten, so raten Sie zum Arztbesuch!
PTA: Haben Sie das Gefühl, die Haare fallen besonders in der Scheitelregion aus? Hinweis: Eine erblich bedingte Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Testosteron kann bei Männern und seltener bei Frauen eine androgenetische Alopezie auslösen. Dabei verlieren Männer typischerweise das Haar an Stirn (Geheimratsecken) und/oder Hinterkopf (Tonsur) bis hin zur Glatze, während sich bei Frauen der Scheitelbereich lichtet.
Mit 95 Prozent ist der androgenetische Haarausfall die am weitesten verbreitete Form aller Alopezien. Durch das vermehrte Ansprechen auf Androgene verkürzt sich der Zyklus und die Haare fallen früher aus. Die nachwachsenden Haare sind dünner und erreichen nicht mehr die Länge der vorangegangenen. Die Haarwurzeln schrumpfen allmählich ein und es wachsen nur noch weiche, farblose Flaumhaare. Später fallen auch diese aus und es bleibt eine kahle Stelle.
Therapie Sind alle Fragen abgeklärt, so ergibt sich ein Beschwerdebild, nach dem sich Ihre Auswahl an Medikamenten und Zusatzhinweisen richten kann. Vor allem beim diffusen Haarausfall werden essenzielle Haarbausteine, die zum Wachsen benötigt werden, eingesetzt. Hierzu zählen Mineralstoffe und Vitamine. Bei einem Eisenmangel kann bereits eine Substitution von Eisen über drei bis vier Monate den Haarausfall stoppen. Eine Zinksubstitution bei nachgewiesenem Zinkmangel sollte sich über sechs Monate erstrecken.
Biotin wird in einer Dosierung von 2,5 bis 10 Milligramm täglich über mindestens ein halbes Jahr eingenommen. Da Biotin topisch appliziert nicht gut resorbiert wird, ist eine lokale Anwendung nicht Erfolg versprechend. Haarausfall bei Frauen mit gleichzeitig vorkommenden Zyklusunregelmäßigkeiten oder Hirsutismuszeichen (männlicher Typ der Körperbehaarung) kann mit einem antiandrogen wirksamen Kontrazeptivum behandelt werden. Ein Therapieerfolg ist aber oft erst nach einem Jahr abschätzbar.
Bei der androgenetischen Alopezie ist das Mittel der ersten Wahl Minoxidil. Es erweitert noch vorhandene Blutgefäße in der Kopfhaut und verbessert so die Mikroversorgung des Haares. Da es keinen Einfluss auf die hormonelle Situation der Haut ausübt, ist es für Männer und Frauen gleichermaßen geeignet und wurde vor einigen Jahren aus der Verschreibungspflicht entlassen. Für Männer hat sich eine fünfprozentige Lösung bewährt, bei Frauen zeigt schon die zweiprozentige Lösung die volle Wirkung. Das Mittel wird zweimal täglich auf die Kopfhaut aufgebracht. Nach Abbruch der Therapie kommt es nach etwa drei Monaten wieder zu einem verstärkten Haarausfall.
Alfatradiol (früher als 17-alpha-Estradiol bezeichnet) ist ein Isomer des im Körper aktiven 17-beta-Estradiols. Die Substanz besitzt keine estrogene Wirkung im Körper, daher unterliegt sie ebenfalls nicht der Verschreibungspflicht. Vom Arzt verordnet werden müssen Finasterid (5-alpha-Reduktasehemmer), das prinzipiell nur Männern verordnet werden darf und antiandrogene Kontrazeptiva, die Frauen vorbehalten sind. Die Therapie des kreisrunden Haarausfalls mit Glukokortikoiden bleibt ebenfalls dem Arzt überlassen.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/09 ab Seite 43.
Nicole Binger, nicolebinger@web.de
Stichworte: Alfatradiol, Alopezie, Biotin, Glukokortikoide, Haarausfall, Haare, Minoxidil, androgenetischer Haarausfall, diffuser Haarausfall, kreisrunder Haarausfall