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Wenn von Empfängnisschutz die Rede ist, gilt es zuerst zu fragen: Wollen Sie kein Kind bekommen? Oder geht es auch um den Schutz vor Infektionen?
Nicht jede Verhütungsmethode ist für jedes Paar geeignet. Die einen wollen keine Hormone schlucken, die anderen dürfen nicht. Wieder andere brauchen die Pille vielleicht zusätzlich aus medizinischen Gründen, zum Beispiel bei Hautproblemen.
Dazu kommt die Vielzahl unterschiedlicher Präparate, die individuell verschieden mehr oder weniger gut verträglich sind und die teilweise ausprobiert werden müssen. Mancher Frau fällt es schwer, an die regelmäßige Einnahme der Pille zu denken, aus Vergesslichkeit oder weil sie zum Beispiel im Schichtdienst arbeitet.
Dann gibt es die Disziplinierten, die die Methoden der natürlichen Empfängnisverhütung praktizieren können oder jene, die sich darüber nicht den Kopf zerbrechen wollen und deshalb dauerhafte Methoden wie Spirale, Dreimonatsspritze oder Verhütungsstäbchen bevorzugen. Wer nicht in einer festen Partnerschaft lebt, sollte Kondome vorrätig halten – Stichwort Infektionsschutz. Bei Paaren mit abgeschlossener Familienplanung hingegen kommt die chirurgische Empfängnisverhütung bei der Frau oder beim Mann in Frage. Eines jedoch wollen alle, nämlich dass die jeweils gewählte Methode auch funktioniert.
Der natürliche Weg Diese Art der Empfängnisverhütung ist geeignet für Paare, die ohne pharmazeutische Hilfen auskommen wollen oder müssen. Dazu wird zum Beispiel die Basaltemperatur morgens vor dem Aufstehen gemessen: Ein Anstieg um 0,4 bis 0,5 °C bedeutet, dass ein Eisprung stattgefunden hat und die fruchtbaren Tage begonnen haben.
Bei der Kalendermethode werden durch mehrmonatige Beobachtung des Zyklus die sicher unfruchtbaren Tage berechnet. Im Rahmen der Billings-Methode bewertet die Frau die Konsistenz ihres Zervikalschleims. Ist er flüssig und klar, steht der Eisprung kurz bevor oder hat gerade stattgefunden. Familienplanungcomputer, die fruchtbare und unfruchtbare Tage berechnen, können natürliche Verhütungsmethoden unterstützen. Allerdings ist zu beachten, dass bei den Geräten mit einer gewissen Fehlerquote gerechnet werden muss.
Außer einer großen Disziplin, damit diese Vorgehensweisen funktionieren, ist es außerdem erforderlich, dass die Zyklusintervalle der Frau möglichst ähnlich lang sind. Ansonsten wird es Probleme und Unsicherheiten geben. Weisen Sie im Beratungsgespräch darauf hin. Auch Stress und psychische Belastungen können den Zeitpunkt des Eisprungs verschieben.
Hormonelle Empfängnisverhütung Mit Estrogenen und Gestagenen kann man den natürlichen Eireifungszyklus modifizieren oder den Eisprung hemmen. Die Gebärmutterschleimhaut verändert sich, sodass sich befruchtete Eier nicht mehr so gut einnisten können. Spermien können den Gebärmutterhalskanal kaum passieren, weil der Schleimpfropf fester wird. Dies sind die wesentlichen Wirkmechanismen. Zu unterscheiden sind auf der einen Seite Präparate und Mittel, die ihre Wirkstoffe in den ganzen Körper abgeben (systemische Hormonwirkung): die verschiedenen Hormontabletten („Pille“), Hormonpflaster, der Vaginalring und Depotpräparate wie Dreimonatsspritze und das Verhütungsimplantat.
Eine rein lokale Wirkung auf der anderen Seite erzielt man mit der Hormonspirale. Die Pille gibt es in Form von Mono- und Kombinationspräparaten. Monopräparate enthalten nur Gestagen. Als im Vergleich am sichersten gelten Estrogen-/Gestagen-Kombinationen mit einem Pearl-Index von 0,3. Dazu gehören auch die sogenannten Mikropillen, deren Estrogendosis auf 20 bis 30 Mikrogramm reduziert ist, was die Hormonbelastung des Gesamtorganismus mindert. Nicht zu verwechseln damit ist die Minipille, ein Monopräparat, das nur gering dosiertes Gestagen enthält. Sie hat dafür jedoch einen leicht schlechteren Pearl-Index als Kombipräparate und muss sehr regelmäßig eingenommen werden.
Weitere hormonelle Empfängnisverhütungsmethoden sind die Anwendung des Vaginalrings und des Verhütungspflasters sowie relativ lang wirksame Mittel wie die Hormonspirale, die Depotspritze und das Hormonimplantat. Vorteil des Verhütungsringes aus Kunststoff ist, dass er von der Frau selbst in die Scheide eingeführt und nach drei Wochen wieder entfernt werden kann. Der Ring gibt Estrogen und Gestagen über die gut durchblutete Vaginalschleimhaut ins Gefäßsystem ab.
Mit Verhütungspflastern werden die Hormone über die Haut (transkutan) in den Körper gebracht. Wie bei der Pille besteht also eine systemische Hormonwirkung. Dafür muss man nicht jeden Tag eine Filmtablette schlucken, sondern wöchentlich ein neues Pflaster aufkleben. In der einwöchigen Pause kommt es dann zur Abbruchblutung.
Die Hormonspirale (Intrauterinpessar – IUP, Intrauterinspirale – IUS) enthält nur Gestagen. Es wird über bis zu fünf Jahre allmählich freigesetzt und verdickt den Schleimpfropf im Gebärmutterhalskanal. Außerdem ist der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verändert, wodurch sich eventuell befruchtete Eier nicht einnisten können. Es gibt auch hormonfreie Kupferspiralen, deren Pearl-Index jedoch schlechter ist.
Ebenfalls über mehrere Jahre wirksam ist ein etwa vier Zentimeter langes dünnes Stäbchen, das Gestagen abgibt. Das Implantat wird nach einer lokalen Betäubung unter die Haut an der Innenseite des Oberarms eingesetzt und soll nicht länger als drei Jahre verbleiben, dann erfolgt ein Austausch. Natürlich kann das Stäbchen jederzeit entfernt werden, etwa wenn Kinderwunsch besteht.
Schließlich gibt es als Dauermethode noch die Dreimonatsspritze, denn sie verhindert den Eisprung. 150 Milligramm eines Gestagens werden dazu intramuskulär injiziert und nach etwa zwei Wochen tritt der empfängnisverhütende Effekt ein. Diese Handhabung muss alle 90 Tage wiederholt werden.
Empfohlen wird die Spritze zum Beispiel Frauen, die andere Methoden nicht vertragen oder für die Zeit nach einer Entbindung (frühestens sechs Wochen danach, wenn gestillt wird). Achtung: Nicht geeignet für eine nur vorübergehende Verhütung. Denn es kann nach Absetzen der Spritze in Einzelfällen ein Jahr und länger dauern, bis der Zyklus wieder normalisiert ist und die Frau schwanger wird.
Barrieremethoden Hierzu gehört an erster Stelle das Kondom für den Mann, Scheidendiaphragma und Portiokappe spielen in der Praxis eine untergeordnete Rolle. Kondome sind gerade unter dem Aspekt des Infektionsschutzes zu sehen. Und hier geht es nicht nur um HIV, sondern vor allem um Langzeitfolgen von Chlamydien- und HPV (humanes Papilloma- Virus)-Infektionen oder um klassische Geschlechtskrankheiten. Deshalb wird gerade jungen Mädchen trotz Pillenanwendung geraten, ihrem Partner gegenüber auf Kondome zu bestehen.
Die jungen Männer sollten wissen, dass es nicht egal ist, zu welchem Kondom man greift. Nicht jeder benötigt Größe XXL, doch zu kleine Kondome lassen sich beispielsweise schlecht abrollen. Man kann zwar den Mädchen raten, ein paar Kondome zu deponieren, besser wäre jedoch, der Partner hat bereits das für ihn passende gefunden. Für Frauen und Männer mit Latexallergie gibt es latexfreie Kondome. Der Pearl-Index von Kondomen wird bei korrekter Anwendung mit 0,4 bis 2 angegeben, wegen häufiger Anwendungsfehler kann er aber auch 12 und mehr betragen, was als alleiniger Empfängnisschutz ungenügend ist.
Für Frauen, die eine hormonelle Kontrazeption nicht vertragen und für die die Spirale ebenfalls nicht infrage kommt, gibt es noch das Scheidendiaphragma (Pessar). Die flexible Drahtspirale ist mit Latex oder Silikon überzogen und wird über den Muttermund gelegt, nachdem das Pessar mit einer spermiziden Creme bestrichen worden ist. Es ist eine Größenanpassung durch den Frauenarzt erforderlich. Ähnlich funktionieren die etwas kleineren Portiokappen, deren empfängnisverhütender Effekt jedoch als unsicher bezeichnet werden muss. Ausnahme ist das Lea-Kontrazeptivum, dessen Sicherheit im Bereich der Kondome liegen soll.
Chirurgische Sterilisation Bei der Frau werden per Schlüssellochchirurgie (laparoskopisch) die Eileiter abgeklemmt oder durchtrennt, sodass keine befruchtungsfähigen Eier in die Gebärmutter und keine Spermien mehr in die Eileiter gelangen können. Bei der Sterilisation des Mannes werden in einem noch weniger invasiven Eingriff als bei der Frau die Samenleiter durchtrennt, in der Folge können keine Samen mehr in die Ejakulationsflüssigkeit gelangen. Männer haben jedoch einen Spermienvorrat, der erst nach einigen Monaten „aufgebraucht“ ist. Paare müssen also noch einige Zeit nach der Sterilisation des Mannes anders verhüten. Das Sexualleben wird von den Eingriffen nicht beeinträchtigt.
Dr. Thomas Meißner, th-meissner@t-online.de
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