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Kürzlich sah ich ein Geschäft ausschließlich mit Produkten zur Mundhygiene und Zahnpflege. Steht auch bei Ihnen dieses Sortiment in der ersten Reihe? Gewinnen Sie zusätzliches Profil als Zahnpflege-Spezialistin!
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Produkte zur Zahnpflege und Mundhygiene sind als apothekenübliche Ware nach § 25 Apothekenbetriebsordnung in jeder Apotheke ein nicht unbedeutender Bestandteil des OTC-Warensortiments. Die Bundesbürger geben rund 1,2 Milliarden Euro pro Jahr für die Mundpflege aus. Um Zahnpflegeerkrankungen gar nicht erst aufkommen zu lassen, teilweise auch zu beheben, kann das in vielen Fällen erklärungsbedürftige Freiwahlsortiment – sichtbar präsentiert und von kompetenter Sachkunde begleitet – für Apotheken den schrumpfenden OTC-Umsatz etwas ankurbeln. Sie als PKA könnten sich als Zahnpflege- Spezialistin profilieren und sich dabei als Lotsin im Produktdschungel einen guten Namen machen.
Zahnerkrankungen – das ist typisch! In der Mundhöhle leben über 300 Mikroorganismen in einem ökologischen Gleichgewicht. Aus diesem Gemisch von Bakterien und Nahrung entsteht auf den Zähnen ein fester, klebriger Zahnbelag, die Plaque. Wird dieser Belag nicht regelmäßig und vollständig entfernt, kommt es zu Karies und entzündlichen Zahnbetterkrankungen, wie Zahnfleischentzündung (Gingivitis), oder gar zu einer bakteriellen Entzündung des gesamten Zahnhalteapparates, einer Parodontitis.
Karies entsteht, wenn bestimmte Bakterien, insbesondere Streptococcus mutans, aus vergärbaren Kohlenhydraten der Nahrung wie Haushaltszucker, Traubenzucker, Fruchtzucker oder Stärke Säuren bilden, die zur Schädigung des Zahnschmelzes führen. Insbesondere Kalzium und Phosphat werden aus dem Zahnschmelz, der äußeren Schutzschicht des Zahnes, herausgelöst. Seine Aufweichung und Auflösung samt Demineralisierung der Zähne sind die Folge.
Setzen sich umgekehrt Mineralsalze, etwa Kalziumhosphat aus dem Speichel, im Zahnbelag ab, bilden sich harte, weiße bis gelbliche Ablagerungen am Zahn, die man Zahnstein nennt. In dem porösen Zahnstein kann sich wiederum leicht Zahnbelag absetzen, der das Zahnfleisch angreift. Die Parodontose hingegen ist eine eher seltene Erkrankung des Zahnhalteapparates. Bei ihr geht der Zahnbettschwund primär vom Knochen aus, Bindegewebe sowie Zahnfleisch folgen. Es finden sich im Gegensatz zur Parodontitis keine vertieften Zahnfleischtaschen und das Zahnfleisch zeigt keine erhöhte Blutungsneigung. Typisch ist, dass nahezu gleichzeitig das gesamte Gebiss betroffen ist und es erst relativ spät zur Zahnlockerung kommt.
Vorbeugen – mit System! Richtige Ernährung, optimale Mundhygiene, Fluoride und der regelmäßige Zahnarztbesuch sind die vier Säulen der Zahngesundheit, auf die im Beratungsgespräch in der Apotheke immer wieder eingegangen werden sollte. Ein kariesfreundlicher Umgang mit den Zähnen bedeutet: Wenig Zucker, wenig Säuren, lieber einmal viel als mehrmals wenig Zucker genießen – nicht die Dosis, sondern die Häufigkeit macht es. Alles, was an den Zähnen klebt, wie Chips, Rosinen, Kekse oder Bonbons, begünstigt die Kariesentstehung.
Nach dem Genuss von sauren Speisen und Getränken sollte zum Schutz des Zahnschmelzes eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen gewartet werden. Die Säuren weichen die Hartsubstanz an und beim sofortigen Zähneputzen kann diese Schicht leichter abgeschrubbt werden. Ansonsten sind Gesundheit von Mund und Zähnen nur durch konsequentes, regelmäßiges Sauberhalten und Reinigen der Zähne samt Zahnzwischenräumen sowie durch Massage des Zahnfleisches zu erreichen.
Fluorid an die Zähne Als besonders effektiv für den Schutz des Zahnschmelzes haben sich Fluoride erwiesen, da sie die Demineralisation verringern und die Remineralisation, also Einlagerung von Kalzium und anderen Mineralien in den Zahnschmelz fördern. Fluoride können als Tabletten (Arzneimittel!) oder lokal über die Mundschleimhaut durch fluoridhaltige Zahnpasten, spezielle Gelees, Kaugummis, Zahnseide oder Mundwässer zugeführt werden.
Um möglichst lange Kontaktzeiten zwischen Fluorid und dem Zahn zu ermöglichen, sollte nach dem Putzen oder Spülen mit fluoridhaltigen Produkten nicht mit Wasser nachgespült werden. Verwendet werden anorganische Fluoridverbindungen, wie Natriumfluorid oder Zinnfluorid, sowie organische, wie Aminfluorid, das nach klinischen Untersuchungen den besten Kariesschutz bietet.
Die richtige Zahnbürste bringt’s Ziel ist es, ein optimales Verhältnis zwischen gründlicher Reinigung und minimaler Verletzung von Zahn und Zahnfleisch zu garantieren. Grundsätzlich sollten nur noch abgerundete Kunststoffborsten bei kurzem und kleinem Bürstenkopf verwendet werden, um auch im hinteren Mundhöhlenbereich jeden Zahn gut zu erreichen. Weiche bis mittelharte Borsten sind im Normalfall zu bevorzugen. Der Griff muss gut in der Hand liegen und an den Anwender, ob Kind oder Erwachsener, angepasst sein.
Spezielle Erkrankungen erfordern spezielle Zahnbürsten. Es gilt: Weiche Bürsten mit rund geschliffenen Filamentenden für frei liegende Zahnhälse, etwa bei einer Parodontitis oder bei sensiblen Zähnen, feine und flexible Filamente für empfindliches, entzündetes Zahnfleisch. Zur Reinigung schwer zugänglicher Zahnzwischenräume sind Interdentalbürsten, die wie kleine Flaschenreiniger oder Tannenbäume aussehen, sinnvoll. Sie existieren in verschiedenen Formaten und sollten im Idealfall individuell angemessen werden. Ansatzweise können Interdentalräume auch durch Zahnbürsten erreicht werden, deren Bürstenfelder der Zahnoberfläche angepasst sind, zum Beispiel durch höher stehende X-Filamente. Mindestens alle acht Wochen gilt es, das Putzwerkzeug auszuwechseln. Charakteristischtes Austauschsignal sind einzelne seitlich abstehende Borsten.
Neben der korrekt ausgewählten Zahnbürste sind Aspekte wie mindestens zweimal tägliches Putzen, bei zwei bis drei Minuten Dauer, mit richtiger Technik und nicht zu starkem Druck, um den Zahnschmelz nicht zu sehr abzureiben, entscheidend. Als besonders effektiv hat sich die Bass-Technik erwiesen, bei der die Bürste im Winkel von 45 Grad auf Zahn und Zahnfleisch angesetzt und mit Rüttelbewegungen geputzt wird. Elektrische Zahnbürsten mit unterschiedlichen Bewegungsmustern (beispielsweise oszillierend, elliptische Schwingungen) sind für viele Anwender einfacher und leichter zu handhaben. Einige Modelle verfügen sogar über eine anatomische Andruckkontrolle oder einen Timer, der die Putzzeit signalisiert.
Das A und O: die Zahnpaste Hauptbestandteile sind Putzkörper, Schaumbildner, Netz- und Feuchthaltemittel, ferner Geschmacks- und Aromastoffe, Konservierungsmittel sowie Farb- und Zusatzstoffe. Putzkörper, häufig verwendet werden Silikatverbindungen, erleichtern die Plaqueentfernung. Schaumbildner wie Natriumlaurylsulfat bewirken eine gleichmäßige Verteilung der Zahncreme während des Putzvorganges, lockern Essensreste und Zahnbelege und verstärken hierdurch die Reinigungswirkung. Feuchthaltemittel, meist Polyethylenglykol oder Sorbitol, bewahren die Zahncreme vor dem Austrocknen. Zudem sorgt Sorbitol in Kombination mit Geschmacks- und Aromastoffen wie Menthol, Pfefferminzöl oder Fruchtaromen für ein angenehmes Frischegefühl – eine wichtige Motivation zum Zähneputzen.
Nicht zuletzt enthalten Zahncremes häufig noch spezielle Wirkstoffe wie Enzyme, Fluoridverbindungen zur Kariesprophylaxe oder Triclosan zur Konservierung und als Parodontalprophylaxe. Wichtig ist die Abrasivität der Zahnpasten, die unter anderem mit dem weltweiten Standard des Radioaktivitäts- Dentin-Abrasionstests (RDA) gemessen werden kann. Als optimal gilt bei einer normalen Zahnpasta ein RDA-Wert unter 80. Eine zu geringe Abrasivität (RDA < 35) geht mit einer reduzierten Putzleistung einher.
Für Personen mit frei liegenden beziehungsweise empfindlichen Zahnhälsen sollten Zahnpasten mit solch niedrigem RDA-Wert allerdings verwendet werden. Eine hohe Abrasivität kann Zahnschmelz und Dentin abtragen, dadurch freiliegende Zahnhälse mit verursachen. Raucher- oder Weißmacher- Zahncremes, die Verfärbungen von Nikotin oder Gerbstoffen aus Tee, Kaffee beseitigen sollen, weisen meist sehr hohe RDA-Werte von weit über 100 auf.
Zahnzwischenräume nicht vergessen Um Zahnzwischenräume besser zu schützen, finden neben Interdentalbürsten Zahnseide oder Zahnhölzer Anwendung. Gute Zahnseide besteht aus einem reißfesten Kunststofffaden und fasert nicht auf. Zur richtigen Anwendung wird ein etwa 50 bis 70 Zentimeter langer Faden mit Daumen und Zeigefingern straff in den Zahnzwischenraum eingeführt und circa fünf- bis sechsmal an jeder Seitenfläche des Zahnes auf und ab bewegt. Das Zahnfleisch darf dabei nicht verletzt werden. Für jeden Zwischenraum wird ein neuer, sauberer Abschnitt verwendet.
Ungewachste Zahnseide ist eher für geübte Benutzer. Anfänger und Personen mit sehr eng stehenden Zähnen sollten gewachste Produkte bevorzugen, da diese leichter in den Zwischenräumen gleiten. Drei-Phasen-Zahnseiden sind speziell für Spangenträger mit fest sitzenden Zahnspangen gedacht. Sie bestehen aus einem verstärkten Faden als Einfädelhilfe, einem Flauschfaden als zweiter Phase und abschließend einem normalen Nylonfaden. Vielfach ist Zahnseide mit Fluorid getränkt, um neben der Reinigung langfristigen Kariesschutz aufzubauen. Zahnhölzer dienen hingegen eher unterwegs der Entfernung von Speiseresten.
Den vollständigen Artikel finden Siehier oder auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 06/09 ab Seite 50.
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Dr. Eva-Maria Stoya
Stichworte: Fortbildung, PKA-Fortbildung, Zahnpflege, Zähne