Lausige Zeiten

Ansteckung und Therapie bei Kopfläusen

Abbildung

Mit mangelnder Hygiene hat sie nichts zu tun, dennoch stigmatisiert die Pediculosis die Betroffenen. Aufklärung über Ansteckung und Therapie ist eine wichtige Aufgabe der Apotheke.

Dass der Kopflausbefall die am meisten verbreitete Parasitose bei Kindern in Deutschland ist, wusste man schon länger. Doch dass 3,7 Prozent der Kinder im Alter zwischen drei und zwölf Jahren davon betroffen sind, hätten die Kieler Forscher nicht erwartet. Sie hatten im vergangenen Jahr 1514 Kinder in Kieler Tagesstätten und Grundschulen untersucht und die Blutsauger auf 47 der kleinen Köpfe gefunden. Der Schwerpunkt lag mit 70 Prozent eindeutig bei den Sieben- bis Neunjährigen (33 von 47 Fällen). Hiervon waren wiederum doppelt so viele Mädchen wie Jungen betroffen (22 versus 11).

Im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren dominierten noch mehr Mädchen (7 versus 1). Kleinkinder waren mit weit unter zehn Prozent eher selten Opfer der Krabbelparasiten, wie Professorin Regina Fölster-Holst aus Kiel auf einem Symposium des diesjährigen Dermatologenkongresses berichtete. Auffällig war in der Kieler Studie, dass Kopfläuse offenbar häufiger in Familien mit niedrigem Bildungsstand der Eltern vorkommen. Wobei unklar blieb, ob dieser Umstand vielleicht auf geringeres Wissen, kleineres Gesundheitsbudget oder andere Umstände zurückgeht.

„Mit mangelnder Hygiene hat der Kopflausbefall jedenfalls nichts zu tun“, betonte die Hautärztin. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich bei „Haarzu- Haar-Kontakt“ von Mensch zu Mensch. Dabei können die Parasiten mit ihren Klammerbeinen „überkrabbeln“, aber nicht überspringen. Die indirekte Übertragung über gemeinsam benutzte Gegenstände wie Kämme, Haarbürsten, Schals, Kopfbedeckungen oder Kopfunterlagen ist nicht ausgeschlossen, aber eher selten. Reinigungsmaßnahmen sind von untergeordneter Bedeutung, da Kopfläuse sich nur auf dem menschlichen Kopf ernähren und vermehren. Haare waschen mit gewöhnlichem Shampoo richtet gegen die Ektoparasiten nichts aus. Beruhigend zu wissen: Kopfläuse übertragen in unseren Breiten keine Krankheitserreger.

Suche per Läusekamm Kopfläuse saugen mit ihrem Stechsaugrüssel alle paar Stunden Blut aus der Kopfhaut. Das Speicheldrüsensekret kann Fremdkörperreaktionen und Juckreiz hervorrufen. Kratzt der Betroffene die Haut auf, können diese Exkoriationen bakteriell infiziert werden. Auf deutschen Köpfen tummeln sich, anders als in den Tropen, meist weniger als zehn Parasiten. Weniger als drei machen wahrscheinlich gar keine Beschwerden. Um festzustellen, ob Juckreiz oder ekzematöse Stellen durch Kopflausbefall hervorgerufen wurden, wird das Haar mit Wasser und einer Haarpflegespülung (Conditioner) angefeuchtet. Dann wird Strähne für Strähne systematisch mit einem speziellen Läusekamm ausgekämmt. Die Auskämmmethode ist nicht nur Diagnose, sondern auch eine effektive Therapie.

Behandlung Das Kopflauspräparat kann nur wirken, wenn folgende Fehler bei der Therapie vermieden werden:

  • zu kurze Einwirkzeiten des Mittels;
  • zu sparsames Ausbringen des Mit tels; k ungleichmäßige Verteilung;
  • zu starke Verdünnung im nassem Haar;
  • das Unterlassen der Wiederholungsbehandlung!

Optimal für die Wiederholungsbehandlung ist Tag 9 oder 10, da bis zum 7. und 8. Tag noch Larven nachschlüpfen und ab dem 11. Tag junge Weibchen bereits wieder neue Eier ablegen können.

ÜBERSICHT KOPFLAUSMITTEL:

Arzneimittel:
+ Allethrin (Jacutin® Pedicul Spray)
+ Permethrin (InfectoPedicul®)
+ Pyrethrumextrakt (Goldgeist® forte)

Medizinprodukte auf Basis von Silikonölen:
+ Dimeticon 92% hoch- und niedrigviskos (NYDA® gegen Läuse und Nissen Pumpspray),
+ Dimeticon 4%/Cyclomethicon (EtoPril®)
+ Dimeticon (Jacutin® Pedicul Fluid) auf pflanzlicher Basis:
+ Kokosöl und Derivate (Aesculo® Gel L)
+ Kokosnuss- und Sojaöl (mosquito® LäuseShampoo)
+ Kokosnuss-, Anis-, Ylang-Ylang-Öl (Paranix Spray)

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 07/09 ab Seite 64.

Ralf Schlenger, Medizinjournalist

Stichworte: Allethrin, Kopfläuse, Läuse, Läusekamm, Nissen, Permethrin, Pyrethrum

Weitere Informationen

Zur Übersicht

  • Facebook
  • Twitter
  • delicious
  • MisterWong
  • stumbleupon
  • Google
  • Reddit
  • Digg
  • Technorati
  • Newsvine
  • Windows
  • Yahoo!
  • RSS