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Was verbirgt sich hinter roten Augen oder gar Ausfällen im Gesichtsfeld?
Unter allen Sinnesorganen nimmt das Auge einen ganz besonderen Stellenwert ein, denn der Mensch orientiert sich in erster Linie über das Sehen. Umso wichtiger ist es, Augenerkrankungen frühzeitig zu erkennen, um schlimmere Folgen zu vermeiden und vor allem die Funktion des Augenlichts zu erhalten.
Trockenes Auge Darunter versteht man eine Benetzungsstörung der Augenoberfläche, die durch eine Verringerung der Tränenmenge oder durch eine Veränderung der Zusammensetzung des Tränenfilms hervorgerufen wird. Typische Symptome sind brennende, tränende und gerötete Augen mit einem unangenehmen Fremdkörpergefühl. Am häufigsten lösen Umweltfaktoren wie Bildschirmarbeit, hohe Ozonwerte, klimatisierte Räume, Zugluft oder starke UV-Strahlung ein trockenes Auge aus.
Unerlässlich für eine optimale Tränenproduktion ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern pro Tag. Daran sollten Sie Ihre Kunden erinnern! Behandelt wird mit künstlicher Tränenflüssigkeit in Form von Augentropfen. Als Wirkstoffe haben sich Povidon, Hyaluronsäure, Hypromellose, Carbomere, Polyvinlyalkohol und Carmellose bewährt. Augensprays zum Aufsprühen auf das Augenlid können den Lipidfilm der Tränenflüssigkeit stabilisieren.
Bindehautentzündung Die Konjunktivitis ist mit Abstand die häufigste Augenerkrankung. Sie geht einher mit einer typischen Rötung des Auges begleitet von Augenbrennen, Jucken, Kratzen, Fremdkörpergefühl und häufig erklebten Lidern am Morgen. Die Ursachen sind vielfältig. Es können Infektionen, Allergien oder mechanische Reizungen dahinter stecken. Achtung: Das „rote Auge“ ist Warnzeichen vieler Augenerkrankungen. Wenn dazu eine deutliche Sehverschlechterung, tiefer empfundene Augenschmerzen oder eine einseitige Pupillenveränderung kommt, kann es sich um Entzündungen tiefer gelegener Bereichen des Auges oder um einen akuten Glaukomanfall handeln. Hier ist eine rasche Behandlung nötig, damit das Auge keinen dauerhaften Schaden nimmt.
Bakterielle Bindehautentzündungen werden mit verschreibungspflichtigen antibiotikahaltigen Augenarzneimitteln behandelt, die auch mit Kortikoiden kombiniert sein können. Ist die Entzündung allergisch bedingt, wird mit Antihistaminika, mit Mastzellstabilisatoren wie Cromoglicinsäure, mit Glukokortikoiden oder mit den nichtsteroidalen Entzündungshemmern Diclofenac oder Ketorolac behandelt. Bei nichtinfektiösen Konjunktivitiden können gefäßverengende, abschwellende Wirkstoffe, die „Weißmacher“ wie Tetryzolin oder Tramazolin enthalten, für maximal eine Woche genutzt werden.
Kurzfristig können in der Selbstmedikation Augentropfen oder Augensalbe mit Euphrasia oder Calendula zum Einsatz kommen. Bei infektiösen Bindehautentzündungen sollte auf verstärkte Hygienemaßnahmen geachtet werden. Klingt die Bindehautentzündung nicht binnen weniger Tage ab, muss unbedingt ein Augenarzt aufgesucht werden.
Ein Hagelkorn verursacht keine Schmerzen und ist entzündungsfrei. Es besteht aus gestautem Talgsekret. Es gibt keine Möglichkeit, einem Hagelkorn vorzubeugen. Manches Mal bilden sich diese von selbst wieder zurück, meistens müssen diese operativ entfernt werden.
Ein Gerstenkorn ist eine akute, eitrige Infektion der Liddrüse mit Staphylokokken oder Streptokokken. Die Entzündung entwickelt sich rasch und es kommt zu heftigen Schmerzen. Typisch ist eine hochrote Vorwölbung, begleitet von Spannungs- und Druckgefühl. Behandelt wird ein Gerstenkorn mit desinfizierenden oder verschreibungspflichtigen, antibiotikahaltigen Augensalben. Unterstützend kann Rotlicht zum Einsatz kommen. Von Umschlägen oder feuchter Wärme ist abzusehen, da es zu einer Verschleppung der Keine kommen kann.
Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) Bei der AMD kommt es zum Verlust der zentralen Sehschärfe. Der Begriff Makula bezeichnet die Netzhautmitte, die Stelle des schärfsten Sehens. Sie wird auch “gelber Fleck” genannt. In diesem Bereich liegt die Mehrzahl der empfindlichsten Sinneszellen des Auges, der so genannten Zapfen. Durch diese Zellen kann der Mensch Farben und scharfe Bilder wahrnehmen. Durch die Einwirkung des Lichts werden die lichtempfindlichen Teile der Zapfen ständig verbraucht, abgestoßen und abtransportiert. Gleichzeitig wachsen neue Membranscheib chen nach.
Dieser normale Stoffwechselprozess ist mit zunehmendem Alter gestört. Die Erkrankung verursacht keine Schmerzen. Meistens beginnt sie an einem Auge, sodass das zweite Auge die Ausfälle der Sehschärfe noch korrigieren kann. Bemerkbar macht sich die Erkrankung schließlich durch verschwommenes Sehen, Probleme bei der Anpassung an Dunkelheit und beim Lesen. Ein leeres Zentrum im Gesichtfeld oder ein grauer Fleck sind typische Symptome. Vorbeugend sollte man das Rauchen einstellen, die Augen durch Sonnenbrillen mit UV-Filter schützen und für eine ausreichende Versorgung des Organismus mit den wichtigen Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen sorgen.
Ein verzögertes Fortschreiten der Erkrankung konnte durch die Mineralstoffe Zink und Kupfer und hoch dosierten Vitamine als Radikalfänger gezeigt werden. Oftmals werden den Präparaten die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin zugesetzt, die natürlicherweise in der Makula vorkommen und dort wie ein Lichtfilter einen zusätzlichen schützenden Effekt ausüben. Die so genannte feuchte Makulagegeneration wird mit Laserlicht oder Injektionen von Pegaptanib oder Ranibizumab direkt ins Auge therapiert.
Die diabetische Retinopathie ist eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus. Sie entwickelt sich in der Regel sehr langsam. Lediglich bei Typ-I-Diabetiker tritt sie rasch auf. Lange Zeit ist der Verlauf dieser Krankheit symptomlos. Erst im fortgeschrittenen Stadium wird das Sehvermögen stark eingeschränkt. Dabei äußert sich die diabetische Retinopathie durch mittlere bis schwere Blutungen im Augeninnern.
Der wichtigste auslösende Faktor ist die dauerhafte Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Dieser schädigt die Gefäßwände in der Netzhaut, sodass ein Teil der Gefäße zugrunde geht, andere werden für Blutbestandteile und Blut durchlässig. Dadurch kommt es zu immer wiederkehrenden Blutungen und schließlich auch zu Gefäßwucherungen. Eine Heilung ist nach dem derzeitigen Stand noch nicht möglich. Die wichtigste Prophylaxe ist ein exakt eingestellter Blutzucker. Weisen Sie Ihre Kunden mit Diabetes darauf hin, dass sie einmal im Jahr zum Augenarzt gehen sollen, um ihren Augenhintergrund untersuchen zu lassen.
Grauer Star Als Katarakt (Grauer Star) wird die Trübung der ursprünglich klaren Augenlinse bezeichnet. Durch die Trübung streuen sich die einfallenden Lichtstrahlen. Sie werden nicht mehr vollständig durchgelassen und nur wenige erreichen die Netzhaut. Dadurch kommt es zu einer verminderten Sehleistung. Die Erkrankten nehmen ihre Umwelt nur noch unscharf, matt, verschleiert und verzerrt wahr. Kontraste werden nicht mehr scharf gesehen und die Farben verlieren an Leuchtkraft. Betroffene beschreiben ihren Blick so, als würden sie durch ein Milchglas sehen. Der Graue Star kann leicht durch eine Operation behoben werden.
Grüner Star Beim Glaukom (Grüner Star) kommt es durch einen zu hohen Augeninnendruck zu einer langsamen Zerstörung des Sehnervs. Wird ein Glaukom nicht behandelt, führt es früher oder später zur Erblindung. Die Krankheit verläuft schleichend. Anfangs zeigt sie keine Symptome. Erst später, wenn die Schädigung des Sehnervs weit vorgeschritten ist, kommt es zu Ausfällen im Gesichtsfeld. Dieses ist der Bereich der Umgebung, den man wahrnimmt, ohne das Auge zu bewegen.
Ist das Glaukom bereits soweit fortgeschritten, dass es das Gesichtsfeld beeinträchtigt, sind die Schäden nicht mehr zu beheben. Typisches Merkmal des Glaukoms ist der Glaukomanfall. Dabei treten heftige Schmerzen und Rötungen im Auge, Sehverschlechterung (nebelig sehen, farbige Ringe um Lichtquellen) und häufig auch Übelkeit auf. Therapiert wird kontinuierlich und unbefristet mit druckmindernden Augentropfen, meist mit dem Prostaglandinanalogon Latanoprost, mit dem Betablocker Timolol oder mit Kombinationsmitteln. Die Kammerwasserproduktion lässt sich auch durch Carboanhydrasehemmer wie Dorzolamid oder durch alpha-2- Agonisten wie Brimonidin drosseln. Begünstigt wird ein Glaukom durch nicht optimal eingestellten Diabetes mellitus, erbliche Veranlagung und Rauchen. Gehäuft sind Kurzsichtige betroffen.
TIPPS FÜR DIE KORREKTE ANWENDUNG VON AUGENTROPFEN:
+ Hände waschen;
+ falls erforderlich, die Augentropfen vor Gebrauch schütteln;
+ Kopf zurücklehnen und nach oben auf einen bestimmten Punkt sehen, damit ein Blinzeln vermieden wird;
+ das untere Lid leicht nach unten ziehen, damit sich eine kleine Tasche bildet, die den Tropfen aufnimmt;
+ die Augentropfen möglichst nah an das Auge heranführen, ohne es zu berühren;
+ das Auge nach dem Applizieren der Augentropfen circa ein bis zwei Minuten geschlossen halten, ohne zu zwinkern oder zu kneifen, damit die Menge nicht umgehend ausgeschwemmt wird;
+ mit geschlossenem Auge den Augapfel kreisen lassen;
+ den sofortigen Abfluss der Augentropfen kann man blockieren, indem man bei geschlossenen Lidern mit dem Zeigefinger auf den inneren Augenwinkel drückt, um den Tränen-Nasen Kanal zu verschließen;
+ falls mehrere Augentropfen verabreicht werden sollen: einige Minuten bis zum nächsten warten.
SERVICE-HOTLINE:
Die Initiative Auge e.V., der größte Selbsthilfeverband von Glaukompatienten in der Bundesrepublik, hat in Zusammenarbeit mit den Deutschen Grünen Kreuz e.V. eine kostenlose Service-Hotline zum Thema Glaukom eingerichtet. Diese bietet Betroffenen unter 08 00/0 11 21 18 an Mittwochnachmittagen von 16 bis 18 Uhr Expertenhilfe von Augenärzten an.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 07/09 ab Seite 36.
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Dr. Elke Knop-Schneickert, Apothekerin
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