Viel umstritten und in aller Munde – die Diskussion um die im Herbst 2008 frühzeitig abgebrochene SELECT-Studie. Untersucht werden sollte an rund 33 000 Männern die protektive Wirkung von Selen und Vitamin E auf das Auftreten von Prostatakrebs und anderen Krebsarten. Die Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) war vorzeitig beendet worden, nachdem bei einer kleinen, nicht signifikanten Zahl von Probanden ein Typ 2-Diabetes diagnostiziert worden war. Der Abbruch der Studie hat auch in Deutschland Ärzte wie Anwender von Nahrungsergänzungsmitteln verunsichert.
Während eines Expertengesprächs am Rande des 115. Internistenkongresses in Wiesbaden kamen vier renommierte Mediziner zu dem übereinstimmenden Urteil: Ärzte, die Patienten zur Krebsprävention oder in der begleitenden Krebstherapie mit Selen supplementieren, müssen weder ihr Behandlungskonzept umstellen noch auf Selen verzichten.
Differenzierte Diagnose
Laut Expertenmeinung wurden Fehler im Studiendesign von SELECT gemacht, etwa die Wahl und Dosierung der „ungünstigen“ Selenform Selenomethionin sowie die Auswahl von Patienten mit initial bereits hohen Selenspiegeln. Somit war von einer Nahrungsergänzung kein zusätzlicher Benefit zu erwarten. Darüber hinaus wurde bei keinem der Probanden eine Familienanamnese erhoben oder Daten zur Lebensführung dokumentiert, um festzustellen, ob Risikofaktoren für die Entwicklung eines Diabetes Typ 2 gegeben waren. Keinesfalls unbeachtet sollte in diesem Zusammenhang auch die Tatsache bleiben, dass allgemein im Zeitraum von 2001 bis 2007 die Diabetes-Inzidenz in der Normalbevölkerung um 16 Prozent angestiegen ist. Weitere Informationen im Internet unter www.dgim2009.de.
Benedikta Springer
Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 05/09 auf Seite 76.
Benedikta Springer
Stichworte: Diabetes, Nahrungsergänzung, SELECT, SELECT-Studie, Selen, Selenomethionin, krebsprävention