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Arzneimittel-Telegramm 04/09

  • Bayer Vital erhält für Qlaira®, ein orales Estradiol-basiertes Kontrazeptivum, die Zulassung. Dies ist das erste Kontrazeptivum in Deutschland, welches das körpereigene Estradiol enthält und sich damit wesentlich von anderen Verhütungsmitteln unterscheidet, deren Wirksamkeit maßgeblich auf dem Wirkstoff Ethinylestradiol basiert. Überdies bewirkt das Gestagen Dienogest in Verbindung mit Estradiol eine optimierte Kontrolle des monatlichen Zyklus und bewirkt eine zuverlässige Verhütung. Um Qlaira® mit anderen oralen, auf Ethinylestradiol basierenden Mitteln vergleichen zu können, wurden klinische Studien durchgeführt, die ergaben, dass es zu einer mindestens vergleichbar guten Blutungskontrolle kam. Nun soll noch geprüft werden, ob Qlaira® auch bei dysfunktionellen uterinen Blutungen zum Einsatz kommen kann. Im Falle einer Zulassung wäre dies für Bayer Schering Pharma ein großer Erfolg, da es das erste orale Kontrazeptivum mit deutscher Zulassung auch bei Behandlung dieser Menstruationsstörungen wäre.
  • Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums haben in Tierversuchen herausgefunden, dass Sulphoraphan, ein Isothiocyanat, das in Brokkoli, Blumen-, Rosen- und Grünkohl vorkommt, resistente Tumorstammzellen in Pankreastumoren angreifen kann. Die Aggressivität des Bauchspeicheldrüsenkarzinoms rührt daher, dass sich sein überverhältnismäßig hoher Anteil an Krebsstammzellen bestens regenerieren kann und gegen Medikamente und Bestrahlungen weitestgehend resistent ist. Die meisten Erkrankungen werden erst in einem Stadium entdeckt, in dem der Patient eine Überlebenschance von kaum mehr als einem Jahr hat. Die Forschungen ergaben nun, dass sich die Tumorzellen mit einer besonderen Taktik gegen sämtliche Therapieansätze schützen. In diese Strategie greift Sulphoraphan ein: Die Blutgefäßbildung im Tumor wird deutlich eingeschränkt, was wiederum das Tumorwachstum stark reduziert. Die Zugabe von erprobten Krebsmedikamenten verstärkt diese Wirkung noch. Nun soll eine klinische Studie der Heidelberger Wissenschaftler neue Erkenntnisse darüber bringen, ob parallel zur herkömmlichen Therapie allein der Verzehr von Blumenkohl und Brokkoli die Therapie bei Pankreaskarzinom-Patienten unterstützen kann.
  • Möglicherweise gibt es schon bald neue Behandlungsmethoden gegen die Volkskrankheit Diabetes. Ein Forscherteam vom Inselzellforschungslabor am Centre for Biomolecular Interactions des Fachbereichs Biologie/ Chemie der Universitätsklinik Bremen unter Dr. Kathrin Mädler hat in der Februarausgabe des renommierten fachwissenschaftlichen US-Magazins „Cell Metabolism“ eine entsprechende Studie veröffentlicht. Hierin heißt es, man habe bei Diabetespatienten den entzündlichen Faktor CXCL10 aufgedeckt, der in entscheidendem Maße an der Zerstörung der Insulin produzierenden Beta-Zellen beteiligt ist. Es gibt zwei verschiedene Typen von Diabetes, Typ 1 und Typ 2. Beide Diabetes-Typen weisen danach einen entzündlichen Marker auf. „Wenn wir Zellen vor dem entzündlichen CXCL10 schützen könnten, wäre es möglich, die Zerstörung der Beta-Zellmasse zu verhindern, die zum Ausbruch der Zuckerkrankheit führt“, erklärte Dr. Mädler. Bei Typ 1 führt eine Überschussreaktion des Immunsystems durch eine hohe Konzentration von entzündlichen Signalen zur Zerstörung köpereigener Betazellen. Vor allem der Ursache des Betazellverlustes im Typ-2-Diabetes, der auch als Altersdiabetes bekannt ist und ebenso auf entzündliche Faktoren zurück geführt wird, könnte man mit neu zu entwickelnden Entzündungshemmern und den in der Studie gewonnenen Erkenntnissen ein gutes Stück näher kommen.
  • Neue Erkenntnisse bei der Suche nach der Ursache der Alzheimer Erkrankung wurden in einer institutsübergreifenden Zusammenarbeit von Wissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gewonnen und im Journal of Alzheimer’s Disease (JAD) in der Februarausgabe veröffentlicht. Zentrale Bedeutung hat das Enzym Alpha-Sekretase, das für die körpereigene Schutzwirkung maßgeblich zuständig ist. Die Forschergruppe um Prof. Dr. Falk Fahrenholz vom Institut für Biochemie ist in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin den Ursachen für die positive Wirkung der Alpha- Sekretase auf den Grund gegangen. Einen wesentlichen Anteil an einem funktionierenden Stoffwechsel haben Enzyme und Fermente. Die Alpha-Sekretase ist ein sehr komplexes Enzym mit vielen unterschiedlichen Funktionen und stellt im Gegensatz zum Wachstum hemmenden Enzym Beta-Sekretase das schützende, Nervenzellen-Wachstum fördernde Enzym dar. Im Rahmen ihrer Forschungen mit transgenen Mäusen fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Schutzfunktion der Hirnzellen einzig mit der enzymatischen Aktivität korreliert. Kommt es zu einer Unterbrechung dieser Aktivität, treten bei den Mäusen die Merkmale auf, die die Alzheimer Krankheit typischerweise kennzeichnen: abgeschwächte Lernfähigkeit, lückenhafte und nachlassende Gedächtnisleistung sowie die Ablagerung von Plaques. In ihnen sammeln sich die zellschädigenden Stoffe. Diese wiederum sind für die Zerstörung der Synapsen der Nervenzellen verantwortlich.



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Stichworte: Arzneimittel, Arzneimittel-Telegramm

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