Themen

Arzneimittel-Telegramm 03/09

  • Seit Januar vertreibt Novartis Pharma mit Extavia® ein eigenes Medikament mit dem Therapiestandard Interferon beta-1b zur Behandlung der Multiplen Sklerose (MS). Extavia® ist bioidentisch mit Betaferon® von Bayer Schering Pharma. Beide Präparate werden in denselben Herstellungsanlagen von Bayer produziert werden und weisen dieselbe Zusammensetzung auf. Analog zu Bayer bietet auch Novartis ein Betreuungsprogramm für MS-Patienten an. Das Extracare-Servicecenter informiert umfassend über das Krankheitsbild; zudem werden die Patienten von einer speziell ausgebildeten MS-Schwester betreut. Neu ist hierbei insbesondere, dass die Unterstützung langfristig ausgelegt ist und sich auch an die Angehörigen wendet. Die Zulassung für die EU erhielt Extavia® im letzten Jahr, in den USA ist sie beantragt.
  • Neuroleptika, auch Antipsychotika genannt, kommen in erster Linie bei der Behandlung von Psychosen wie der Schizophrenie zum Einsatz. Sie werden aber auch häufig verabreicht, um durch eine Demenz bedingte Verhaltensstörungen wie eine gesteigerte Aggressivität zu bessern. Eine kürzlich im Britischen Ärzteblatt veröffentlichte Studie hat nun gezeigt, dass die Medikamente auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einen Schlaganfall zu erleiden. So wiesen Patienten, die Neuroleptika einnahmen, ein um das 1,7-fache erhöhtes Schlaganfallrisiko auf. Besonders gefährdet sind Demenzpatienten. Bei ihnen stieg das Schlaganfallrisiko sogar um das Dreieinhalbfache.
  • Bislang ist wissenschaftlich nicht belegt, dass Glitazone bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die Sterblichkeit oder Komplikationen, die durch Schäden an den Blutgefäßen verursacht werden, besser vermindern als alternative Therapien. Weil Langzeitstudien fehlen, sind verlässliche Aussagen zum langfristigen Nutzen oder Schaden dieser oralen Antidiabetika derzeit nur eingeschränkt möglich. Bei einem der beiden derzeit zugelassenen Wirkstoffe (Pioglitazon) gibt es zwar Hinweise, dass Patienten profitieren könnten. Allerdings liefern dieselben Studien auch Hinweise auf mögliche Nachteile, unter anderem auf ein erhöhtes Risiko für eine Herzschwäche. Zu diesem Ergebnis kommt der am 26. Januar 2009 publizierte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
  • Die Herausgeber der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ haben eine europäische Studie unter Federführung von Prof. Dr. Werner Hacke, Ärztlichem Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, zur wichtigsten medizinischen Veröffentlichung des Jahres 2008 gewählt. Die ECASS3 (European Cooperative Acute Stroke Study) war am 25. September 2008 im „New England Journal of Medicine“ publiziert worden. Professor Hacke und seine Kollegen konnten zeigen, dass die Therapie des akuten Schlaganfalls durch den Verschluss einer Gehirnarterie mit dem biotechnologisch hergestellten Enzym Alteplase auch noch 3 bis 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome wirksam und sicher ist. Bislang war dies nur für ein Zeitfenster von drei Stunden gesichert, weshalb viele Patienten von der Therapie ausgeschlossen werden mussten, die zu spät in eine spezialisierte Klinik eingeliefert wurden. „Von diesem Studienergebnis könnten alleine in Deutschland mehrere tausend Patienten jährlich profitieren“, betont Professor Hacke, der Autor der Publikation.
  • Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat das atypische Neuroleptikum Seroquel Prolong® (Wirkstoff Quetiapinhemifumarat) für die Behandlung schwerer depressiver Episoden bei bipolaren Störungen zugelassen. Zudem erhielt es auch die Zulassung für die Behandlung von mittelschweren bis schweren manischen Phasen einer bipolaren Erkrankung. „Nach dem positiven Votum des BfArM können nun beide Akutphasen einer bipolaren Erkrankung mit einem atypischen Neuroleptikum behandelt werden. Dies bietet die Chance für eine größere Kontinuität bei der Pharmakotherapie von Patienten mit bipolaren Störungen und kann damit maßgeblich zur Verbesserung der Compliance beitragen“, erklärte Dirk Greshake, Vice President Neuroscience and Infection und Mitglied der Geschäftsleitung von AstraZeneca Deutschland.
  • Der von GlaxoSmithKline (GSK) entwickelte Malaria-Impfstoffkandidat RTS,S/AS schützt Säuglinge und Kleinkinder wirksam vor Malaria. Das zeigen die Ergebnisse von zwei Phase-II-Studien aus Kenia und Tansania. Bei Kleinkindern im Alter von 5 bis 17 Monaten verminderte RTS,S/AS01 während der achtmonatigen Nachbeobachtungszeit das Risiko von klinischen Malaria-Anfällen um 53 Prozent. Die Studien wurden beim Jahrestreffen der American Society for Tropical Medicine and Hygiene (ASTMH) vorgestellt.
  • Der peripher wirkende Opioid-Rezeptor-Antagonist Methylnaltrexoniumbromid (Relistor®) zur Behandlung opioidinduzierter Obstipation bei Patienten mit chronischen, nicht krebsbedingten Schmerzen erreichte in einer Phase-III-Studie statistisch signifikante Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit im Vergleich zu Placebo. Die Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden, placebo-kontrollierten Phase-III-Studie bestätigen damit die klinische Effektivität bei dieser Patientengruppe.

Stichworte: Arzneimittel, Arzneimitteltelegramm, neue Arzneimittel

Zur Übersicht

  • Facebook
  • Twitter
  • delicious
  • MisterWong
  • stumbleupon
  • Google
  • Reddit
  • Digg
  • Technorati
  • Newsvine
  • Windows
  • Yahoo!
  • RSS