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Arzneimittel-Telegramm 01/09
- Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat Ende November 2008 mit Tapentadol (Johnson & Johnson) einen neuartigen Wirkstoff zur Behandlung von mittelschweren bis schweren akuten Schmerzen zugelassen. Tapentadol, ein orales, zentral wirksames Schmerzmittel aus der Forschungspipeline der Firma Grünenthal, hat einen zweifachen Wirkmechanismus, der den my-Opioid-Rezeptor- Agonismus und die Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmung in einem Molekül kombiniert. In der analgetischen Wirkung soll der Wirkstoff anderen starken, zentral wirksamen Analgetika wie Oxycodon oder Morphin vergleichbar sein, jedoch weniger gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Obstipation auslösen.
- Dass Paracetamol möglicherweise keineswegs so harmlos ist, wie allgemein angenommen, zeigen die kürzlich veröffentlichen Ergebnisse einer von der Europäischen Union finanzierten Studie des Global Allergy and Asthma European Network (GA2LEN), die jetzt im European Respiratory Journal erschienen ist. An der Studie hatten mehr als 500 erwachsene Asthmapatienten und 500 Kontrollpersonen teilgenommen. Untersucht wurde die Häufigkeit der Einnahme verschiedener Schmerzmittel. Dabei zeigte sich, dass die Paracetamol-Anwender ein nahezu dreifach erhöhtes Asthma-Risiko hatten im Vergleich zu denjenigen, die andere Analgetika einnahmen. Die Forscher vermuten, dass Paracetamol die Konzentration von Glutathion in der Lunge senkt. Dieses gehört zu den wichtigsten Antioxidanzien im Körper und trägt unter anderem dazu bei, dass die Schleimhäute der Atemwege gegen Schäden durch Tabakrauch oder Luftschadstoffe geschützt werden. Damit mehren sich die epidemiologischen Hinweise, die einen Zusammenhang zwischen Paracetamol-Einnahme und Asthma zeigen. Gestützt wird diese Vermutung unter anderem durch die Beobachtung, dass Asthma in Ländern mit hohem Paracetamol-Verbrauch (z. B. Grossbritannien und USA) sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen stärker verbreitet ist. Darüber hinaus lässt eine kürzlich in The Lancet publizierte Studie (ISAAC) den Verdacht aufkommen, dass Paracetamol mitverantwortlich für die steigende Zahl von Asthmaerkrankungen bei Kindern ist. Die Auswertung einer Querschnittsbefragung von Eltern und Erziehern von über 200 000 Kindern im Alter von sechs bis sieben Jahren hatte ergeben, dass Kinder, die im ersten Lebensjahr mit Paracetamol behandelt worden waren, als Sechs- oder Siebenjährige ein um 46 Prozent erhöhtes Asthmarisiko hatten. Dieses korrellierte mit der Häufigkeit der Paracetamol-Gabe. Zudem erkrankten die Kinder, die Paracetamol bekommen hatten, häufiger an Heuschnupfen oder Neurodermitis.
- Die Gräser-Impf-Tablette Grazax® steht nun auch für junge Patienten mit Heuschnupfen zur Verfügung. Die Zulassung erfolgte im November 2008 für Jugendliche und Kinder ab fünf Jahren in allen EU-Ländern. Die Tablette enthält standardisierte Wiesenlieschgras-Allergene und wirkt allgemein gegen eine Allergie auf Gräser- und Roggenpollen, da alle Süßgräser eine hohe Kreuzallergenität aufweisen. Die gute Wirksamkeit der Gräser-Impf-Tablette bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit allergischer Rhinokonjunktivitis belegte kürzlich die GT-12-Studie. An dieser nahmen 253 Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 16 Jahren teil. Sie litten unter allergischem Schnupfen mit oder ohne Asthma aufgrund einer Allergie auf Gräser- oder Roggenpollen. Ein Teil der Patienten erhielt spätestens acht Wochen vor dem Beginn der Gräserpollensaison 2007 täglich eine Impf-Tablette und wurde während der gesamten Pollensaison weiter behandelt. Die Kontrollgruppe wendete dagegen während der gleichen Zeit ein Placebo an. Bei den mit Grazax® behandelten Kindern und Jugendlichen reduzierten sich signifikant die Symptome um 28 Prozent (Mittelwert) und der Medikamentenbedarf um 65 Prozent (Median). Die Kinder der Verumgruppe hatten außerdem deutlich mehr symptomfreie Tage als die Kinder der Placebogruppe. Die Therapie mit der Gräser-Impf-Tablette war sicher und gut verträglich. Zu Beginn der Behandlung traten gelegentlich leichte oder auch moderate lokale Nebenwirkungen wie Juckreiz auf.
- Eine Phase-III-Vergleichsstudie über zwölf Monate belegt die Wirksamkeit, Langzeitsicherheit und Verträglichkeit des neuen, in Zulassung befindlichen Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Blockers Degarelix. Experten bewerteten im Rahmen des 60. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Stuttgart die Ergebnisse einer Studie: Degarelix zeigte eine schnelle und lang anhaltende Absenkung der Testosteronwerte innerhalb von drei Tagen bei mehr als 96 Prozent der Patienten, vergleichbar mit der Sofortwirkung eines chirurgischen Eingriffs. In der Phase-III-Studie wurde die monatliche Verabreichung von Degarelix mit der monatlichen Gabe des Luteinisierenden-Hormon-Releasing-Hormon-Agonisten Leuprorelinin (randomisierten) parallelen Gruppen an Patienten mit Prostatakarzinom verglichen. Degarelix bewirkte eine signifikant schnellere Absenkung des Serum-Testosterons und des prostataspezifischen Antigens. Darüber hinaus konnten diese niedrigen Werte mit dem GnRH-Blocker während der gesamten zwölfmonatigen Studie gehalten werden.
Stichworte: Arzneimittel, Arzneimittel-Telegramm, Arzneimitteltelegramm
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