Themen

Arzneimittel-Forschung September 2008

  • Bei schwerem chronischem Handekzem (CHE) kann eine orale Therapie mit dem Vitamin-A-Derivat Alitretinoin helfen. Dies zeigen im „British Journal of Dermatology“ veröffentlichte Studienergebnisse. 1032 Patienten mit schwerem CHE, die nicht mehr auf die topische Behandlung mit hochpotenten Corticosteroiden ansprachen, erhielten in der randomisierten, placebokontrollierten Phase III-BACH- Doppelblindstudie über einen Zeitraum von bis zu 24 Wochen einmal täglich 10 oder 30 mg Alitretinoin beziehungsweise Placebo. In der 10-mg-Gruppe erfuhren 28 Prozent, in der 30-mg-Gruppe 48 Prozent, unter Placebo hingegen nur 17 Prozent der Teilnehmer eine fast oder vollständige Abheilung der Hände.
  • Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA), die den Therapiestandard Methotrexat (MTX) einnehmen, haben ein dreifach erhöhtes Hautkrebsrisiko. Zudem wurde ein fünffach erhöhtes Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome und ein dreifach erhöhtes Lungenkrebsrisiko gefunden, wie Ergebnisse einer in „Arthritis Care & Research“ veröffentlichten Studie mit 459 RAPatienten unter MTX-Therapie zeigen. Solchen Patienten wird deshalb empfohlen, regelmäßig zum Hautkrebsscreening zu gehen.
  • Wissenschaftler der University of Michigan haben erneut Hinweise gefunden, dass Statine gegen Demenz und den Verlust des Gedächtnisses schützen könnten. Das Team um Mary Haan wies nach, dass die Cholesterinsenker, wenn sie als Dauertherapie über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren eingenommen werden, auch das Demenzrisko um rund die Hälfte senken. An der fünf Jahre dauernden Studie nahmen 1674 Amerikaner mit mexikanischen Vorfahren teil. Sie waren alle über 60 Jahre alt und verfügten über ein erhöhtes Demenzrisiko. Wie genau Statine die biochemischen Vorgänge bei einer Demenz beeinflussen, ist allerdings noch nicht erforscht. Details der Studie wurden im Fachmagazin „Neurology“ veröffentlicht. Eine vor kurzem veröffentlichte weitere Studie hatte nachgewiesen, dass Medikamente, die den Blutdruck senken, ebenfalls das Demenzrisiko positiv beeinflussen können.
  • Die am 23. Juni in der Fachzeitschrift „Archives of Internal Medicine“ erschienene aktuelle Auswertung der 1997 begonnenen LURIC-Studie mit über 3258 Teilnehmern zeigt erstmals einen direkten Zusammenhang auf zwischen einem Mangel an Vitamin D und sowohl einer erhöhten Gesamtsterblichkeit als auch einer erhöhten Sterblichkeit an Herz- und Kreislauferkrankungen. Die Untersuchung ist darüber hinaus die erste ihrer Art, die belegt, dass beide Hauptformen des Vitamin D (25-Hydroxyvitamin und 1,25-Dihydroxyvitamin D) mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko in Verbindung stehen. Aufgrund der Studienbefunde liegt es nahe, dass zur Aufrechterhaltung der Gesundheit ein 25-Hydroxyvitamin D Serumspiegel von 20 ng/ml oder mehr zu empfehlen ist.
  • Ein Medikament, das ursprünglich zur Heuschnupfenbehandlung eingesetzt wurde, verbessert die Symptome bei Patienten mit einer leichten bis mittelschweren Alzheimererkrankung deutlich. Wissenschaftler des Baylor College of Medicine haben nachgewiesen, dass Dimebon, früher in Russland als Antihistaminikum zugelassen, Gedächtnis, Verhalten und die Fähigkeit, einfache Aktivitäten durchzuführen, verbessern kann. Experten vom Alzheimer's Research Trust äußerten sich zu dieser Entdeckung vorsichtig optimistisch. Es sei zu begrüßen, dass eine dritte Phase der Tests geplant ist. Details der Studie mit 183 Personen, die an einer bis zu diesem Zeitpunkt unbehandelten leichten bis mittelschweren Demenz litten, wurden in „The Lancet“ veröffentlicht.
  • Im Rahmen einer offenen, multizentrischen, nicht verblindeten Crossover-Studie mit 146 männlichen und weiblichen Migränepatienten, in der orale Triptanpräparate unter Alltagsbedingungen verglichen wurden, wurde festgestellt, dass Migränepatienten (n = 79), die mit Rizatriptan behandelt wurden, signifikant rascher (p = 0,007) eine Schmerzlinderung erfuhren als Patienten, die Almotriptan einnahmen. Der Anteil an Patienten, die nach zwei Stunden schmerzfrei waren, war bei Rizatriptan (55,7 Prozent) und Almotriptan (45,6 Prozent) vergleichbar (p = 0,100). Diese Ergebnisse wurden auf einer Postersession bei der fünfzigsten Jahrestagung der USamerikanischen Kopfschmerzgesellschaft (American Headache Society) bekannt gegeben.
  • Der in den USA als Xarelto® bereits zugelassene, einmal täglich als Tablette einzunehmende Gerinnungshemmer Rivaroxaban ist auch in der RECORD4-Studie nach großen orthopädischen Eingriffen signifikant wirksamer als der Therapiestandard Enoxaparin in der Verringerung des kombinierten Endpunkts symptomatische venöse Thromboembolien (VTE) und Gesamtmortalität. In RECORD4 betrug die Inzidenz venöser thromboembolischer Ereignisse (VTE) nach bis zu zweiwöchiger Behandlungsdauer in der Rivaroxabangruppe 6,9 Prozent und 10,1 Prozent in der Enoxaparingruppe, was einer relativen Risikoreduktion von 31 Prozent entspricht (p < 0,012). Erfreulich ist, dass die Rate schwerer Blutungen trotz dieser Überlegenheit vergleichbar war. Damit bestätigen die Ergebnisse der RECORD4-Studie jene der RECORD-Studien 1 bis 3. Rivaroxaban wurde von der Bayer-Tochter Bayer Health Care AG und Johnson & Johnson Pharmaceutical Research & Development, L.L.C. gemeinsam entwickelt.

Stichworte: Arzneimittel, Arzneimittel-Forschung, Arzneimittelforschung, Forschung

Zur Übersicht

  • Facebook
  • Twitter
  • delicious
  • MisterWong
  • stumbleupon
  • Google
  • Reddit
  • Digg
  • Technorati
  • Newsvine
  • Windows
  • Yahoo!
  • RSS