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Arzneimittel-Forschung August 2008
- In einer prospektiven Beobachtungsstudie an 140 Patienten mit unkomplizierter allergischer Rhinitis untersuchten 37 Allergologen, naturheilkundlich und anthroposophisch orientierte Ärzte 14 bis 17 Tage lang die Wirkung von Weleda Heuschnupfenspray. 80 Prozent der Responder (92 Prozent der Behandelten) verspürten bereits 20 Minuten nach Applikation des Sprays mit Extrakten aus Quitte und Zitrone einen Wirkungseintritt, was Ergebnissen mit intranasalen Anthistaminika gleichkommt. Die untersuchten Symptome nasale Sekretion, verstopfte Nase, Nasenjucken und Niesen gingen deutlich zurück. 17 Prozent aller Patienten waren am Beobachtungsende komplett symptomfrei, berichtet die Weleda AG.
- Die Ein-Jahres-Daten der zweijährig angelegten LITHEStudie belegen, dass der Interleukin-6 (IL-6)-Rezeptorblocker Tocilizumab bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) strukturelle Gelenkschäden signifikant reduziert, so Roche Pharma AG und Chugai Pharmaceuticals Ltd auf einem gemeinsamem Fachpresseworkshop. Der Anteil der Patienten, bei denen strukturelle Gelenkschäden verhindert werden konnten, lag unter der zusätzlichen Gabe von Tocilizumab signifikant höher als unter alleiniger Gabe von Methotrexat. Die Auswertung des Health Assessment Questionnaire (HAQ) ergab, dass mit der IL-6-Rezeptorblockade mehr RA-Patienten ihren gewohnten Alltagsaktivitäten nachgehen konnten. Mit der europäischen Zulassung des Wirkstoffs wird Anfang 2009 gerechnet.
- Einer bereits 2002 publizierten Studie zufolge senken Knoblauchzubereitungen, die einer Menge von vier Gramm frischem Pflanzenmaterial am Tag – also zwei Zehen – entsprechen, die Konzentration des Proteasehemmstoffes Saquinavir (Invirase®) im Blutplasma um die Hälfte. Damit wird die retrovirale Wirkung gefährdet. Auf Anordnung des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) müssen Packungsbeilagen und Fachinformationen von Knoblauchpräparaten, die als Tagesdosis mehr Knoblauchäquivalent als 0,8 g frisches Pflanzenmaterial enthalten, das entspricht einer halben Zehe einer frischen Knolle, zukünftig auf diese Wechselwirkung aufmerksam machen.
- Der AT1-Rezeptor-Antagonist Telmisartan (Kinzalmono® 80 mg) zeigt bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko eine ebenso effektive herzschützende Wirkung wie der bisherige Gold-Standard, der ACE-Hemmer Ramipril (10 mg), jedoch mit besserer Verträglichkeit, so die Kernaussage der ONTARGET-Studie, deren Ergebnisse im März anlässlich der 57. Jahrestagung des American College of Cardiology in Chicago präsentiert worden sind.
- Ein neuartiger Impfstoff gegen Typ-1-Diabetes verhinderte den Ausbruch der Zuckerkrankheit im Tierversuch an Mäusen und konnte sogar beginnende Erkrankungen stoppen, so ein Bericht der USamerikanischen Forscher Massimo Trucco, Nick Giannoukakis und Kollegen im Fachjournal „Diabetes“. Der Impfstoff mit Mikropartikeln, an deren Oberfläche Antisense-Oligonukleotide haften, reprogrammierte dendritische Zellen, die daraufhin zum Pankreas wanderten und verhinderten, das fehlgeleitete T-Lymphozyten die insulinproduzierenden Betazellen im Pankreas weiter zerstören. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat erste klinische Untersuchungen des Impfstoffes am Menschen bereits genehmigt.
- Eine aktuelle Metaanalyse von M.H. Pittler und Kollegen der Cochrane-Collaboration belegt die gute Wirksamkeit von Crataegus-Monopräparaten bei leichten Formen von Herzinsuffizienz. Auch in Kombination mit einer bereits bestehenden kardialen Basismedikation bringt ein Extrakt aus Weißdornblättern mit Blüten einen signifikanten Nutzen, so die Autoren, die in die Auswertung zehn randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien mit insgesamt 855 Herzinsuffizienzpatienten (NYHA I-III) einbezogen.
- Laquinimod, ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose in Tablettenform, hat bei klinischen Tests viel versprechende Ergebnisse erzielt, wie Wissenschaftler der italienischen Universität Vita-Salute San Raffaele in „The Lancet“ berichten. An der Studie beteiligten sich 51 Forschungszentren in neun Ländern. Jeder der 300 teilnehmenden Patienten hatte im vergangenen Jahr zumindest einen Krankheitsschub erlitten. Die Probanden erhielten entweder eine tägliche Dosis von 0,3 oder 0,6 mg Laquinimod oder Placebo. Die Wirkung wurde neun Monate lang alle vier Wochen durch MRI-Scans des Gehirns und des Rückenmarks untersucht. Es zeigte sich, dass Patienten, die die höhere Dosis des Medikaments erhalten hatten, im Vergleich zu Placebo eine um 40 Prozent geringere Schädigung aufwiesen. Die geringere Dosis schien keine signifikante Wirkung zu haben. Ein orales MS-Medikament wäre ein entscheidender Fortschritt, da alle derzeit auf dem Markt befindlichen Wirkstoffe injiziert werden müssen.
- Eine kurze Phase mit einer intensiven Insulinbehandlung könnte das Fortschreiten der Erkrankung bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes verzögern. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der Sun Yat-Sen University, Taiwan, gekommen. Den Patienten zwischen 25 und 70 Jahren, die zu Beginn ihrer Behandlung eine Reihe von Insulininjektionen oder -infusionen erhielten, ging es ein Jahr später deutlich besser als jenen, die kurzfristig nur orale Diabetesmedikamente eingenommen hatten. Alle 380 Teilnehmer der in „The Lancet“ veröffentlichten Studie kamen später mit der Standarddiät und dem Sportprogramm zurecht.
- Auf der Jahreskonferenz der American Academy of Neurology (AAN) wurden Ergebnisse einer sechsmonatigen, placebokontrollierten Phase- II-Doppelblindstudie mit 24 Alzheimerpatienten vorgestellt. Alle Probanden wiesen ein leichtes bis mittelschweres Krankheitsbild auf und wurden neben der Alzheimerstandardtherapie mit Kiovig®, einem Humanimmunglobulin für die intravenöse Anwendung, das bislang nur für die Immunglobulinersatztherapie verwendet wurde, behandelt. Kiovig® erwies sich dabei als überlegen im Vergleich zu Placebo, was die kognitiven Funktionen der Patienten und den allgemeinen Eindruck der Veränderung betraf. Eine neue multizentrische Studie der Phase III soll die Ergebnisse nun verifizieren.
Stichworte: Arzneimittel-Forschung, Arzneimittelforschung, Forschung, neue Arzneimittel
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