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Arzneimittel-Forschung Mai 2008

  • Nachdem der monoklonale IgG1 Antikörper Erbitux® (Cetuximab) in Kombination mit Strahlentherapie als ein Standard bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren gilt, belegen die Ergebnisse der internationalen randomisierten, kontrollierten Phase III-Studie EXTREME nun auch die Wirksamkeit in der Erstlinientherapie von metastasierten und/ oder rezidivierten Kopf-Hals-Tumoren. Erbitux® konnte in Kombination mit platinbasierter Chemotherapie im Vergleich zu dieser alleine eine signifikant verlängerte Gesamtüberlebensrate sowie eine höhere Ansprechrate und beinahe eine Verdoppelung der Zeit bis zur Tumorprogression erreichen. Dies wurde auf dem 28. Deutschen Krebskongress in Berlin Mitte Februar berichtet. Eingeschlossen in die Studie waren über 400 Patienten mit rezidivierten und/oder metastasierten Kopf-Hals-Tumoren.
  • Schizophreniepatienten, die auf ihre Medikamententherapie unzureichend ansprechen, profitieren von einer Umstellung auf die einmal tägliche Gabe des retardierten Seroquel XR®, in Deutschland Seroquel® Prolong (Quetiapinhemifumarat). Dies belegen die Ergebnisse einer zwölfwöchigen, multizentrischen Openlabel Studie mit 477 Patienten von Ganesan et al., die in der Januarausgabe der Zeitschrift Current Medical Research Opinion veröffentlicht wurde. Die klinischen Ergebnisse verbesserten sich unabhängig davon, ob die Patienten von einem klassischen Neuroleptikum oder einem anderen Atypikum umgestellt wurden.
  • Das unabhängige Data Monitoring Committee (DMC) hat empfohlen, die Phase-IIIStudie ESCAPE (Evaluation of Sorafenib, Carboplatin And Paclitaxel Efficacy in NSCLC) zu Nexavar® Tabletten (Sorafenib) bei Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) vorzeitig zu beenden. In der Studie wurden Wirksamkeit und Sicherheit der Nexavar®-Einnahme in Kombination mit den Chemotherapeutika Carboplatin und Paclitaxel im Vergleich zu alleiniger Chemotherapie geprüft. Das DMC hielt es für unwahrscheinlich, dass der primäre Studienendpunkt, eine Verbesserung der Gesamtüberlebensdauer, erreicht würde. Das Produkt wird von der Bayer Healthcare AG und Onyx Pharmaceuticals, Inc. gemeinsam entwickelt. Nexavar® hat bisher einen nachgewiesenen klinischen Nutzen für Patienten mit Leber- und fortgeschrittenem Nierenkrebs.
  • Wirksamkeit und Sicherheit der seit Oktober 2006 erhältlichen Fixkombination aus Oxycodon und Naloxon (Targin®) bestätigt eine nicht interventionelle Studie mit 7836 Patienten, die starke Schmerzen unterschiedlichen Ursprungs hatten. Drei Viertel waren analgetisch vorbehandelt, 39 Prozent mit schwachen, 36 Prozent mit starken Opioiden. Die Wirksamkeit war in den meisten Fällen unzureichend. Nach vierwöchiger Therapie mit Targin® reduzierte sich die Schmerzstärke signifikant von NRS 5,6 auf NRS 3,2 (Numerische Ratingskala 0 = keine Schmerzen, 10 = stärkste Schmerzen). Ihre Lebensqualität nahm um 43 Prozent zu. Die Darmfunktion verbesserte sich um etwa 60 Prozent.
  • Patienten mit einer Gräserpollenallergie zeigen bereits nach drei- bis viermonatiger Behandlung mit AllerSlit® forte signifikant weniger Symptome und einen deutlich geringeren Medikationsverbrauch. Dies belegen die Ergebnisse einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 185 Patienten, die aktuell in „Annals of Allergy, Asthma and Immunology“ von Dr. Oliver Pfaar und Kollegen publiziert wurden.
  • Mehrere 2007 veröffentlichte randomisierte Vergleichsstudien zeigen, dass sich bei metastasiertem kolorektalem Karzinom (CRC) die individualisierte Behandlung mit dem irinotecanhaltigen FOLFIRI-Regime bewährt hat, berichtet Pfizer Oncology. Das FOLFIRIRegime, die Kombination aus infundiertem Flourouracil, Leucovorin plus Irinotecan (Campto®) sollte demnach entweder mit dem monoklonalen Antikörper Cetuximab (CRYSTALStudie) beziehungsweise Bevacicumab (BICC-C-Studie) oder dem Zytostatikum Oxaliplatin (italienische Phase IIIStudie von Falcone et al.), dann FOLFOXIRI-Regime genannt, kombiniert werden.
  • Eine von Rosenstock et al. in der Zeitschrift Diabetologia online 2008 veröffentlichte, randomisierte, zweiarmige head-to-head Studie unterstreicht die Wirksamkeit von einmal täglich Insulindetemir (Levemir®) als Einstiegstherapie für insulin-naive Patienten mit Typ 2 Diabetes. Bei vergleichbarer Blutzuckerkontrolle gegenüber Insulinglargin nahmen die mit Insulindetemir behandelten Patienten signifikant weniger an Gewicht zu.
  • Die Misteltherapie mit Iscador® soll auch beim Pankreaskarzinom gut wirksam und verträglich sein. Dies zeigen noch unveröffentlichte, aber auf dem 39. Treffen des Europäischen Pankreas Clubs in Newcastle Gateshead diskutierte Studienergebnisse, wie die Weleda AG berichtet.
  • Das „Journal of the American Medical Association“ veröffentlichte eine Placebostudie. Deren Ergebnis: Je teurer ein Medikament ist, desto besser beurteilen Patienten dessen Wirkung, auch wenn es sich nur um ein Placebo handelt. Der Versuch: 82 Probanden erhielten leichte Elektroschocks, um ihre individuelle Schmerzempfindlichkeit zu bestimmen. Anschließend bekamen alle das gleiche Placebo. Während die eine Hälfte der Versuchsteilnehmer eine Broschüre erhielt, in der dieses als neu entwickeltes Schmerzmittel angepriesen wurde zu einem Preis von 2,50 US-Dollar pro Tablette, bekam die andere Hälfte die Broschüre mit einer Preisauszeichnung von nur 10 US-Cent pro Stück. Das subjektive Schmerzempfinden ließ bei 85 Prozent der Patienten mit dem vermeintlich teureren Präparat merklich nach; bei dem billigeren Medikament waren es nur 61 Prozent.
  • In der aktuellen TIMES-Studie wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Antimuskarinikums Tolterodin retard 4 mg (Detrusitol® retard 4 mg) im Vergleich mit Tamsulosin und einer Kombination beider Wirkstoffe bei Männern mit Symptomen des unteren Harntrakts inklusive einer überaktiven Blase untersucht. Die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie teilte die Patienten in vier Gruppen: Placebo (n = 222), Tolterodin retard 4 mg (n = 217), Tamsulosin 0,4 mg (n = 215), Tolterodin und Tamsulosin (n = 225). 80 Prozent der Männer profitierten deutlich von der Kombination Tolterodin plus Tamsulosin. Statistisch signifikante Verbesserungen wurden für die Kombination ebenfalls bezüglich der Lebensqualität nachgewiesen.

Stichworte: Arzneimittel-Forschung, Arzneimittelforschung

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