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Arzneimittel-Forschung Januar 2008

  • GeloMyrtol® forte (Myrtol standardisiert) erzielt bei der akuten Bronchitis schon nach einer Woche eine Ansprechrate von rund 95 Prozent und begünstigt eine völlige Ausheilung der akuten Bronchitis, so das Ergebnis einer randomisierten, doppelblinden Multicenterstudie an 676 Patienten, die entweder mit Cefuroxim, Ambroxol, Myrtol standardisiert oder Plazebo behandelt worden waren. Vier Wochen nach Studienbeginn konnte eine vollständige Ausheilung nur unter Myrtol standardisiert – nicht aber unter Ambroxol oder Cefuroxim – gezeigt werden.
  • Das Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlichte Einjahresergebnisse der ACUITY-Studie, die zeigen, dass Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS), die nur mit dem Blutgerinnungsmittel Angiomax®/Angiox ® (Wirkstoff: Bivalirudin) behandelt wurden, ähnliche Raten ischämischer klinischer Ergebnisse aufweisen wie ein komplizierteres Behandlungsverfahren mit Heparin und Glykoprotein-IIb/IIIa-Hemmern (GP IIb/IIIa). Experten sehen in den Ergebnissen eine gute Eignung von Bivalirudin als einfacheren, kostengünstigeren Ersatz für die Heparintherapie bei einer breiten Palette von Patienten, die sich einer Angioplastie unterziehen.
  • Die Studienergebnisse der BEYOND (Betaferon Efficacy Yielding Outcomes of a New Dose)-Studie zeigen keine statistisch signifikant höhere Wirksamkeit von 500 μg Interferon beta 1-b im Vergleich zur 250 μg Dosis (Betaferon®) sowie zur Therapie mit Glatirameracetat (Copaxone®). Bei allen drei Therapien zur Behandlung von MS-Patienten war das Risiko eines MSSchubs ähnlich. Bayer Schering Pharma AG nimmt deshalb einen Zulassungsantrag für die höhere Dosierung zurück.
  • Unter dem Aknemittel Isotretinoin, einem Vitamin-ADerivat, kann es zu Depressionen kommen. Wie US-Forscher in „Experimental Biology and Medicine“ kürzlich berichteten, erhöht Isotretinoin in einer Zelllinie die Bildung von Proteinen und Zellmetaboliten, von denen bekannt ist, dass sie die Serotonin-Bildung herabsetzen. Eine erhöhte Menge des Serotoninwiederaufnahmetransporters (SERT) führt anscheinend dazu, dass weniger Serotonin im synaptischen Spalt zur Verfügung steht.
  • Der monoklonale Antikörper Ustekinumab, der gegen die Zytokine Interleukin-12 (IL- 12) und Interleukin-23 (IL-23) gerichtet ist, hat in einer Phase-III-Studie an 1230 Patienten mit moderater bis schwerer Plaque-Psoriasis gute Ergebnisse erzielt. Nach zwölf Wochen zeigten über zwei Drittel der Patienten eine Besserung der Psoriasis-Symptome um mehr als 75 Prozent. In der Placebogruppe waren es nur vier Prozent. Aufgrund dieser und einer weiteren positiv verlaufenen Phase-III-Studie haben die beiden kooperierenden Herstellerfirmen Centocor und Janssen-Cilag Anfang Dezember 2007 in den USA und Europa die Zulassung für Ustekinumab zur Behandlung von moderater bis schwerer Plaque-Psoriasis beantragt.
  • NovoNordisk konnte in einer vor Kurzem in „Diabetes Care“ veröffentlichten aktuellen Studie mit 322 Frauen mit Typ-1-Diabetes zeigen, dass das kurz wirksame Insulinaspart (Novorapid®) gegenüber Humaninsulin bei einer Schwangerschaft das Risiko für Mutter und Kind reduziert. Unter Insulinaspart kam es gegenüber Humaninsulin zu einer verbesserten postprandialen Blutzuckereinstellung nach dem Frühstück und tendenziell weniger schweren Hypoglykämien. Basierend auf den positiven Resultaten hat die amerikanische Zulassungsbehörde FDA Insulinaspart in eine bessere Risikokategorie bei Schwangerschaft eingestuft.
  • AllerSlit® forte von Allergopharma hat von allen untersuchten, auf dem deutschen Markt erhältlichen SLIT-Therapeutika den höchsten Allergengehalt. Das bestätigt eine aktuelle Studie des BGFA-Forschungsinstituts für Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Untersuchungshintergrund war, dass bisher keine mit einer standardisierten Methode gemessene und damit vergleichbare Daten zu Allergengehalten in den Graspollenpricktestlösungen und sublingualen Immuntherapeutika verschiedener Hersteller existierten.
  • In neuen vergleichenden Untersuchungen an der Hautklinik der Eberhard Karls Universität in Tübingen wurde die Wirksamkeit der zwei in Form von medizinischen Nagellacken verfügbaren Antimykotika Amorolfin (Loceryl®) und Ciclopirox (Nagel Batrafen®) gegenüber Trichophyton rubrum, dem Haupterreger von Nagelpilzerkrankungen (Onychomykosen), getestet. Dabei weisen die im in vitro-Onychomykose- Vergleich gemessenen minimalen Hemmkonzentrationen (MHK), minimalen fungiziden Konzentrationen (MFH) sowie die minimalen fungiziden Nagelkonzentrationen (MFNK) auf eine bessere fungizide und fungistatische Wirksamkeit von Amorolfin hin.
  • Die frühzeitige Gabe des Tetracyclins Minocyklin scheint die Folgen eines Schlaganfalls deutlich mindern zu können. Dies berichteten israelische Wissenschaftler in „Neurology“. In einer placebokontrollierten Studie mit 152 Apoplexiepatienten erhielten 74 Probanden fünf Tage lang 200 mg Minocyclin direkt nach dem Schlaganfall. Die Minocyclinbehandelten Patienten wiesen drei Monate später nur noch leichte bis keine Behinderungen auf im Vergleich zu noch deutlichen Behinderungen bei der Placebogruppe. Weitere Studien sollen dieses Ergebnis nun verifizieren.
  • In einer kürzlich erschienen Studie zum Vergleich einer Kombination von Levodopa, Carbidopa und Entacapon (Stalevo®) mit herkömmlichem Levodopa in der Parkinsontherapie fielen die tiefen Plasmaspiegeltäler („Troughs“) unter der kombinierten Levodopatherapie erheblich weniger tief aus. Nach Einnahme der fixen Dreierkombination per os zeigte sich ein ähnliches Muster wie nach enteraler Levodopaverabreichung. Die ausgeprägten Plasmaspiegelschwankungen mit „Troughs“ werden für krankheitsbedingte Komplikationen wie Fluktuationen und Dykinesien, also Bewegungsablaufstörungen, mit verantwortlich gemacht.
  • Eine randomisierte, multizentrische Doppelblindstudie zeigt jetzt erstmals, dass auch Patienten mit früher rheumatoider Arthritis (RA) von einer Kombination aus Etanercept (Enbrel®) und Methotrexat profitieren. In der COMETStudie (COmbination of Methotrexate and ETanercept in Active Early Rheumatoid Arthritis) hatte die Hälfte der Patienten mit aktiver rheumatoider Arthritis im Frühstadium unter der Kombinationstherapie innerhalb nur eines Jahres eine klinische Remission erreicht. Bislang hatten sich Studien – wie etwa die TEMPOStudie (Trial of Etanercept and Methotrexat with Radiographic Patient Outcome) – immer auf Patienten mit lang andauernder RA bezogen.
  • Das Rauchen großer Mengen Haschisch aus medizinischen Gründen kann die Schmerzen noch verstärken anstatt sie zu verringern. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der University of California gekommen. Die schmerzstillenden Eigenschaften von Haschisch wurden lange Zeit gelobt. Einige Länder haben den Zugang für einen medizinischen Einsatz freigegeben. Laut den in Anesthesiology veröffentlichten Forschungsergebnissen ist jedoch die Menge entscheidend. Es zeigte sich, dass ein gemäßigter Konsum die besten Ergebnisse erzielte. Große Mengen verschlimmerten die Schmerzen der 15 Teilnehmer.
  • Eine neue Metaanalyse an einem umfangreichen Kollektiv von 7155 Patienten belegt die gute Wirksamkeit des selektiven Serotonin-Noradrenalin Wiederaufnahmehemmers (sSNRI) Venlafaxin/Venlafaxin retard (Trevilor®/Trevilor retard ®) in der Behandlung von Patienten mit schwerer Depression. Beim Erreichen von Response und Remission war Venlafaxin wirksamer als die Gruppe der untersuchten Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI), zu denen Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin, Citalopram, Escitalopram und Fluvoxamin gehören, und mindestens so wirksam wie die Gruppe der trizyklischen Antidepressiva – bei besserer Verträglichkeit. In der Behandlung der therapieresistenten Depression erwies sich Venlafaxin als besser wirksam, verglichen mit der Gruppe aller anderen untersuchten Substanzen. Weiterhin wurde eine hohe Wirksamkeit von Venlafaxin in der Vermeidung von Rezidiven beim Einsatz in der Langzeittherapie bei schwerer Depression nachgewiesen. Venlafaxin ist in Retardform das einzige Antidepressivum mit der Zulassung zur Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe bei Depression.

Stichworte: Arzneimittel-Forschung, Arzneimittelforschung, Forschung

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