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Arzneimittel-Forschung August 2007
- Eine aktuelle plazebokontrollierte 4-Phasen-Langzeitstudie (PREVENT-Studie), die auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin vorgestellt wurde, zeigt, dass unter retardiertem Venlafaxin (Trevilor® retard) 72 Prozent der depressiven Patienten noch nach 24 Monaten rückfallfrei sind. Die aktuellen Leitlinien der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AKdÄ) haben deshalb den selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (sSNRI) Venlafaxin retard für die Rezidivprophylaxe bei schwerer, chronischer Depression als Mittel der Wahl deklariert.
- Die frühe Migränebehandlung mit Almogran® (Almotritpan) führt zu einer deutlich schnelleren Schmerzlinderung, verkürzt die Anfallsdauer und verlängert insgesamt die Schmerzfreiheit. Dies belegt eine plazebokontrollierte, randomisierte Doppelblindstudie mit über 400 Patienten, deren Ergebnis im Rahmen des 7. Annual Migraine Meetings in Paris vorgestellt wurden. Schmerzfreiheit nach zwei Stunden wurde von 53,5 Prozent der Patienten mit früher Medikation bei leichten Schmerzen (Plazebo 24,7 Prozent), aber nur bei 37,5 Prozent mit später Medikation erreicht.
- Im Gegensatz zu den gängigen inhalativen Steroiden führt Alvesco® (Ciclesonid) bei Kindern unter zwölf Jahren mit mildem chronischen Asthma nicht zu einem messbaren Effekt auf die Wachstumsgeschwindigkeit. Dies belegt eine 2006 auf dem Kongress der American Academy of Allergy, Asthma und Immunology publik gemachte Doppelblindstudie mit 660 Kindern zwischen neun und elf Jahren, die über ein Jahr entweder Ciclesonid oder Plazebo inhalierten.
- Patienten, die unter der seltenen, genetisch bedingten Erkrankung des Hereditären Angioödems (HAE) leiden, können bald auf eine neue Therapieoption hoffen. Ergebnisse einer zulassungsrelevanten Phase III-Studie zum Bradykin- B2-Rezeptor-Antagonisten Icatibant zeigten, dass bei mit Icatibant behandelten Patienten sich die Krankheitssymptome wie spontane, rezidivierende Haut- und Schleimhautschwellungen im Magen- Darm- und Kehlkopfbereich deutlich schneller besserten als unter Tranexamsäure oder Plazebo. Die Studienergebnisse wurde im Rahmen der Jahrestagung der European Academy of Dermatology and Venereology in Wien vorgestellt.
- Eine prospektive, randomisierte, plazebokontrollierte Doppelblindstudie, die kürzlich in den European Annals of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht wurde, untersuchte die Wirksamkeit und Verträglichkeit des hochdosierten Sublingualpräparates Aller Slit® forte (HD-Slit) von Allergopharma zur ganzjährigen Therapie bei Erwachsenen mit einer Gräserpollenallergie. Nach eineinhalb Behandlungsjahren zeigte die Verumgruppe im Vergleich zur Plazebogruppe eine Reduktion des durchschnittlichen Symptom-Medikamenten- Scores (SMS) um 46 Prozent.
- Das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline hat eine plazebokontrollierte, randomisierte Phase IIa-Multicenterstudie zur Depressionsbehandlung mit dem vorläufigen Wirkstoff GW876008 gestartet. GW 876008 ist ein selektiver Corticotropin-Relaesing-Factor1- Rezeptor-Antagonist. Der Wirkstoff könnte ein wichtiger therapeutischer Ansatz bei Depressionen sein, da er möglicherweise die Störanfälligkeit der Hypothalamus-Hypophysen- Nebennierenrinden-Achse reduziert und damit die Hypersensibilität der Patienten auf Stress verringert.
- Eine doppelblinde, randomisierte Studie über zwölf Wochen mit über 200 Patientinnen mit Belastungsinkontinenz zeigte auf, dass eine Kombinationstherapie von Duloxetin (Yentreve®) und Beckenbodentraining wirksamer ist als Duloxetin beziehungsweise Beckenbodentraining alleine. Klinische Studien der Phase II und III beweisen zudem, dass Duloxetin bei weiblicher Belastungsinkontinenz die Frequenz von Inkontinenzepisoden signifikant vermindert und die Lebensqualität betroffener Frauen deutlich steigert. Der Wirkstoff Duloxetin ist seit Ende 2006 in Deutschland als gezielte medikamentöse Therapieoption gegen die Belastungsinkontinenz zugelassen. Anticholinergika sollen laut International Consultation on Incontinence (ICI) nur noch bei Dranginkontinenz eingesetzt werden.
- Erste Studiendaten zu Desvenlafaxin, einem nicht hormonellen Ansatz zur Behandlung von vasomotorischen Symptomen wie Hitzewallungen und Nachtschweiß in den Wechseljahren, belegen eine gute Wirksamkeit. Hierzu wurden auf dem diesjährigen Treffen des American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) in San Diego Daten aus zwei randomisierten, doppelblinden und plazebokontrollierten Multicenterstudien mit über 1000 Frauen in der Postmenopause vorgestellt. Im Vergleich zu Plazebo zeigte sich unter Desvenlafaxin in Dosierungen von 100 und 150 mg/Tag ein signifikanter Rückgang von Anzahl und Schwere der täglichen Hitzewallungen um etwa 60 Prozent. Die Hälfte der Patientinnen erreichte unter diesen Dosierungen sogar einen Hitzewallungsrückgang von mindestens 75 Prozent. Ein Antrag auf Zulassung des neuen Wirkstoffs ist bei der amerikanischen Behörde FDA sowie der europäischen Behörde EMEA/ Europäische Arzneimittelagentur eingereicht.
- In zwei aktuellen Studien mit dem Antihistaminikum Levocetirizin (Xusal®) konnten positive Ergebnisse für die Symptomkontrolle und die Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Betroffenen nachgewiesen werden. Insbesondere die sechsmonatige, multizentrische, doppelblinde, plazebokontrollierte XPERT-Studie mit 551 Patienten konnte positive Effekte auf die Lebensqualität und die tägliche Arbeitsleistung von Patienten, die an allergischer Rhinitis beziehungsweise asthmatischen Symptomen leiden, aufzeigen. Durch konsequente Behandlung wurden Fehlzeiten in Beruf und Schule reduziert, woraus sich langfristig auch volkswirtschaftliche Effekte ergeben.
- Abbott und MedImmune legten die Ergebnisse einer neuen, in der Juliausgabe des Journal of Pediatrics veröffentlichten Zwei-Jahres-Studie vor, derzufolge eine Behandlung mit Synagis® (Palivizumab) das Auftreten wiederkehrender Atembeschwerden bei Frühgeborenen um fast die Hälfte verringert. Synagis® ist ein als monoklonaler Antikörper bekanntes Therapeutikum, das Frühgeborenen monatlich verabreicht wird, um ernsten Infektionskrankheiten der unteren Atemwege vorzubeugen, die vom respiratorischen Synzytialvirus (RSV) hervorgerufen werden, einer Hauptursache von viralen Atemwegsinfektionen bei Kleinkindern.
Stichworte: Arzneimittel-Forschung, Arzneimittelforschung
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