Repetitorium

Blutdruck und Kreislauf – Teil 3

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Dieser letzte Teil bietet praktische Einnahmehinweise für die betroffenen Patienten, geht auf wichtige Medikamentenwechselwirkungen ein, wagt einen Blick in die Zukunft – und auf das Gegenteil von Bluthochdruck: die Hypotonie.

Üblicherweise werden Antihypertonika zu Therapiebeginn einschleichend dosiert. Ihre volle Wirksamkeit ist meist erst nach etwa vier Wochen erkennbar, sodass in diesem Zeitraum der Blutdruck sehr engmaschig kontrolliert werden sollte. In der Regel werden Antihypertonika morgens eingenommen. Auch die nüchterne Gabe oder Einnahme zu einer Mahlzeit ist für die Wirkentfaltung wichtig, weshalb Sie die konkreten Hinweise hierzu aus der Apothekensoftware dem Bluthochdruck-Patienten weitergeben sollten.

Gerade bei einer Erstverordnung sollten Sie besonders aufmerksam sein und dem Patienten Fragen zu weiteren Erkrankungen und noch eingenommenen Medikamenten stellen, um eventuelle Wechselwirkungen – auch mit Hilfe der Apothekensoftware – zu prüfen.

Achtung Wechselwirkungen! Eine ganze Reihe von Medikamenten wirkt blutdrucksteigernd. Hormonelle Kontrazeptiva, Mineral- und Glukokortikoide, die Immunsuppressiva Ciclosporin und Tacrolimus, Sympathomimetika wie Appetitzügler und Bestandteile von Grippe-Kombinationspräparaten gehören hierzu. Gerade wenn Bluthochdruck-Patienten Arzneimittel der Selbstmedikation verlangen, etwa bei einem grippalen Infekt Sympathomimetika wie Pseudoephedrin, Phenylephrin oder Ephedrin, sollten Sie hellhörig werden.

Diese dürfen wegen ihrer blutdrucksteigernden Wirkung bei einer Hypertonie nicht angewandt werden. Auch die häufig verlangten abschwellenden Nasentropfen können trotz nur lokaler Anwendung zu blutdrucksteigernden systemischen Nebenwirkungen führen. Wenn der Kunde gar nicht verzichten möchte, sollte die Kleinkinderdosierung angeboten werden.

Nicht-steroidale Antiphlogistika, wie Piroxicam, Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure, können die Wirkung von Diuretika, ACE-Hemmern oder AT1-Antagonisten abschwächen. Als Alternativabgabe bietet sich Paracetamol an. Auch beim Verkauf von Laxanzien und hochdosierten Mineralstoffpräparaten ist Vorsicht geboten. Laxanzien forcieren die Elektrolytausscheidung, insbesondere von Kalium und Magnesium, Thiaziddiuretika als Antihypertensiva verstärken diesen Effekt.

Als Folge wird unter anderem der blutdrucksenkende Effekt drastisch abgeschwächt. Umgekehrt sorgen Mineralstoffpräparate mit hohem Kaliumgehalt, insbesondere in Kombination mit ACE-Hemmern und AT1-Antagonisten, welche die Kaliumausscheidung verringern, für erhöhte Kaliumspiegel im Blut mit der Gefahr einer Hyperkaliämie.

Blick in die Zukunft: neuartige Hypertonie-Methoden Eine Hypertonie-Impfung ist an der Medizinische Hochschule Hannover in Erprobung. Der menschliche Körper produziert Antikörper gegen leere Virenhüllen, die mit dem körpereigenen Hormon Angiotensin bestückt sind. Diese Antikörper sollen das gefäßverengende Hormon Angiotensin aus dem Blut fischen. Erste Erfolge weisen zwar nur eine vergleichsweise geringe Blutdrucksenkung auf (durchschnittlich 5,6 mmHg systolisch, 2,8 mmHg diastolisch), allerdings hält die Wirkung mehrere Monate an und ist auch in den Morgenstunden sichtbar. Die Forscher hoffen, dass zwei bis drei Spritzen pro Jahr ausreichen könnten, um dauerhaft optimalere Blutdruckwerte sicherzustellen.

In ferner Zukunft könnte Bluthochdruck auch durch eine Transplantation genetisch veränderter Haut behandelt werden. Deutsche und US-amerikanische Wissenschaftler berichteten in den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) von erfolgreichen Blutdrucksenkungsversuchen bei Mäusen. Hierzu hatten die Forscher in menschliche Hautzellen zwei zusätzliche Gene eingeschleust: Eines bildet das Atrial-Natriuretische Peptid (ANP), ein Hormon, das im Körper den Blutdruck senkt, das zweite eingebaute Gen erlaubt, die Menge des ANP-Gehalts von außen zu steuern. Für den Menschen, errechneten die Wissenschaftler, sei ein Transplantat mit einer Größe von rund 200 Quadratzentimetern nötig, im Blut einen wirkungsvollen ANP-Gehalt zu erreichen.

Eine weitere Möglichkeit probierten Herz-Spezialisten des Universitätsklinikums Saarland aus. Sie schalteten bei Patienten mit nicht ausreichend behandelbarem („therapie - refraktärem“) arteriellen Bluthochdruck die Sympathikus-Nervenversorgung im Nieren-Bereich mittels Hitze („Radiofrequenz- Ablation“) aus. Damit konnte der systolische Blutdruck dauerhaft (geprüft nach drei und sechs Monaten) um durchschnittlich 40 mmHg, der diastolische Blutdruck um 12 mmHg gesenkt werden. Auch die Zuckerstoffwechsel-Lage verbesserte sich deutlich, wurde auf der im April 2010 stattgefundenen 76. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim berichtet.

Ein therapierefraktäre arterielle Hypertonie liegt vor, wenn sich unter einer Therapie mit drei Blutdruck-senkenden Substanzklassen keine ausreichende Blutdrucksenkung (Blutdruck unter 140/90 mmHg sowie unter 130/90 mmHg bei Diabetikern) erzielen lässt.

Hypotonie – die gesunde „Krankheit“ Sinkt der Blutdruck unter Werte von 105/60 mmHg, spricht man von zu niedrigem Blutdruck, der Hypotonie. Bei der essenziellen Hypotonie, auch als primäre Hypotonie bezeichnet, ist eine Sollwertverstellung in den Kreislaufregulationszentren anzunehmen. Diese Form dauerhaft niedrigen Blutdrucks betrifft vorwiegend junge, schlanke Frauen und ist familiär vererbbar. Dieser niedrige Blutdruck gilt unter Kardiologen nicht mehr als Krankheit – und kann doch ziemlich anstrengend sein: Er äußert sich mit Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Antriebsschwäche, reduzierter mentaler Leistungsfähigkeit, Blässe und Kühle der Haut, vor allem auch kalte Hände und Füße, Schwächegefühl, Schwarz werden vor Augen bis hin zu Schwindel und im Extremfall Ohnmachtneigung.

Vor allem in den frühen Vormittagsstunden und nach den Mahlzeiten zeigen sich derartige Symptome. Treten allerdings keine nennenswerten Beschwerden auf, ist die primäre Hypotonie harmlos und kann sogar vor Erkrankungen wie Arteriosklerose und deren Folgen, etwa koronare Herzerkrankung (KHK), Herzinfarkt, Schlaganfall oder periphere Verschlusskrankheit, schützen.

Bei der sekundären Hypotonie ist der niedrige Blutdruck Folge einer Erkrankung oder Medikamenteneinwirkung. So können Herzerkrankungen (beispielsweise Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Lungenembolie), endokrine Erkrankungen (wie Nebennierenrinden- oder Hypophysen - insuffizienz, Schilddrüsenunterfunktion), neurogene Erkrankungen (wie diabetische Nephropathie, Alkoholbedingte Neuropathie, Morbus Parkinson), aber auch Flüssigkeits- oder Kochsalzmangel Grund für die Hypotonie sein.

Viele der im zweiten Repetitoriumsteil beschriebenen Bluthochdruckmedikamente, aber auch Antiarrhythmika, Psychopharmaka können ebenfalls zu einem raschen Blutdruckabfall führen. Als Sonderfall ist dabei die orthostatische Hypotonie (Orthostase = aufrechtes Stehen) zu nennen. Beim raschen Lagewechsel vom Liegen zum Stehen versackt das Blut in den unteren Körperpartien, das Gehirn ist aufgrund des plötzlichen Blutdruckabfalls kurze Zeit mit Blut und Sauerstoff unterversorgt, was zu Schwindel, Sehstörungen, Ohnmacht und kurzer Bewusstlosigkeit (orthostatischer Kollaps), im Falle eines Sturzes zu daraus resultierenden verletzungsbedingten Folgeerkrankungen führen kann.

Da der Körper dem Blutdruckabfall entgegen steuert, indem die Herzfrequenz sich vielfach erhöht, die Blutgefäße sich stark verengen, ist nach einer Erholungsphase von einigen Minuten ein Schwindel- oder gar Ohnmachtsanfall meist überstanden.

ZUM NACHLESEN UND VERTIEFEN
Deutsche Gesellschaft fur Kardiologie: www.dgk.org
Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®: www.hochdruckliga.de  
Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie, Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® –
Deutsche Hypertoniegesellschaft, Stand 1. Juni 2008: http://leitlinien.net/046-001.pdf 
Auswahl Blutdruck-Messgeräte und richtig messen:
DIE PTA IN DER APOTHEKE,
Ausgabe 02/2009, S. 80;
Ausgabe 11/2007, S. 8–14.

Hypotonie-Therapie Bei einer sekundären Hypotonie sind die Therapie der Grunderkrankung sowie das Anpassen der Medikation erforderlich. Behandlungsbedürftig ist eine Hypotonie ansonsten nur, wenn sie bei den Betroffenen in stärkerem Maße belastende Symptome hervorruft, sowie bei Risikogruppen. Zu diesen zählen ältere Menschen, Diabetiker, Alkoholiker, aber auch Schwangere. Rasches Aufstehen, besonders morgens nach längerem Liegen, sollte vermieden werden.

Körperliches Training, insbesondere Ausdauersport, physikalische Maßnahmen wie Wechselduschen und Bürstenmassagen trainieren die Gefäße. Die tägliche Flüssigkeitszufuhr sollte mindestens zweieinhalb bis drei Liter betragen. Ferner helfen – allerdings nicht von Schwangeren anzuwenden – eine ausgewogene, kochsalzreiche Ernährung infolge Vermehrung des Plasmavolumens und koffeinhaltige Getränke. Nur selten ist eine medikamentöse Therapie angezeigt, die den Blutdruck leicht anhebt und insbesondere Schwindel/Ohnmachts-Attacken verhindert.

Hierbei werden am häufigsten

  • Mineralokortikoide (Wirkstoffbeispiel: Fludrocortison),
  • Ergotaminabkömmlinge (Wirkstoffbeispiel: Dihydroergotamin) oder
  • Sympathomimetika (Wirkstoffbeispiele: Etilefrin, Ameziniummetilsulfa 

eingesetzt.

Als synthetisch hergestelltes Nebennierenrindenhormon verhindert Fludrocortison die Natriumionen- und Wasser-Ausscheidung, wodurch das Plasmavolumen erhöht wird – der Blutdruck steigt. Angewandt wird es vorzugsweise bei Patienten, die Kreislaufprobleme beim Aufstehen haben, bei denen sich zum Ausgleich aber nicht die Herzfrequenz deutlich erhöht (asympathikotone orthostatische Hypotonie).

Der Vasokonstriktor Dihydroergotamin verengt die Venen und verbessert dadurch den Rückstrom des Blutes zum Herzen. Folge auch hier: der Blutdruck steigt. Eingesetzt wird er vorwiegend bei Kreislaufproblemen beim Aufstehen, die von starker Herzfrequenzerhöhung begleitet sind (sympathikotone orthostatische Hypotonie). Sympathomimetika wie das direkt wirkende Etilefrin oder das indirekte Ameziniummetilsulfat erhöhen ähnlich wie die körpereigenen Botenstoffe Adrenalin / Noradrenalin den Rückstrom des Blutes zum Herzen durch Vasokonstriktion, Etilefrin stimuliert zusätzlich den Herzschlag. Diese Medikamentengruppe wird am häufigsten gegen niedrigen Blutdruck eingesetzt, vorwiegend bei chronischer primärer Hypotonie, aber auch der asympathikotonen orthostatischen Dysregulation.

Phytopharmaka werden ebenfalls zur Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems gerne eingesetzt. Weißdorn steigert die Leistungsfähigkeit des Herzens und damit auch die Durchblutung der Herzkranzgefäße und des Herzmuskels. Ginkgo dient ebenfalls der besseren Durchblutung. Auch Kampfer belebt das Gehirn und erhöhte in Studien den Blutdruck von Probanden innerhalb weniger Minuten.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 09/10 ab Seite 46.

Dr. Eva-Maria Stoya, Apothekerin / Journalistin

Stichworte: Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herz-Kreislauf-System, Kreislaufsystem, niedriger Blutdruck

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