Repetitorium

Blutdruck und Kreislauf – Teil 1

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Wichtige Themengebiete für die Apotheke sind periphere arterielle Verschlusskrankheit, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall – und vor allem als häufiger Grundauslöser die arterielle Hypertonie.

Welchen Einfluss besitzt der Lebensstil eines Menschen im Hinblick auf seine Kreislaufgefährdung? Welchen Einfluss haben präventive Maßnahmen auf die Erhaltung der Gesundheit allgemein, besonders aber auf die von Herz und Kreislauf? Welche entscheidende Rolle spielt hierbei der Blutdruck? Dies und mehr ist Thema dieses ersten Repetitorium-Teils.

Epidemiologie und Grundlagen Die Inzidenz für eine arterielle Hypertonie ist in den Industrieländern immens. Mindestens 20 Millionen Menschen sind allein in Deutschland betroffen. Mit zunehmendem Alter wird ein Blutdruckanstieg immer wahrscheinlicher, bei den über 60-Jährigen ist jeder Zweite ein Hypertoniker. Selbst bei den Menschen mittleren Alters, also zwischen 40 bis 45 Jahren, hat nur noch jeder Dritte einen normalen Blutdruck.

Doch was ist normal, was optimal? Als optimal gilt ein Wert unter 120/80 mmHg (Millimeter Quecksilber). Über 120 mmHg systolisch, diastolisch über 80 mmHg gilt als normal, über 140 mmHg, diastolisch mehr als 90 mmHg definiert eine Hypertonie. Der systolische, obere Blutdruckwert ist der Druck, der entsteht, wenn sich die Muskulatur der linken Herzkammer zusammenzieht, um das Blut in die großen Arterien des Körpers zu pumpen. Der untere Wert gibt den Blutdruck während der Entspannung des Herzens, der Diastole, an. In dieser Phase wird der Herzmuskel über die Herzkranzgefäße mit frischem sauerstoffreichen Blut versorgt.

Unterschätzte Folgeschäden Ziel einer antihypertensiven Therapie sollte ein Blutdruck unter 140/90 mmHg, bei Patienten mit Begleiterkrankungen wie Diabetes, Schlaganfall, Myokardinfarkt, Niereninsuffizienz oder Proteinurie sogar unter 130/80 mm Hg sein. Werte unter 120/75 mmHg sollten Diabetiker oder Menschen mit Verengungen in den Herzkranzgefäßen allerdings vermeiden, da ein zu niedriger Blutdruck hier die Blutversorgung des Herzens negativ beeinflussen kann – so die neuesten Leitlinien der Europäischen Hypertoniegesellschaft (ESH, European Society of Hypertension).

Über 90 Prozent aller Hypertoniker haben eine primäre oder essentielle Hypertonie. Werden auffällige Werte nicht zufällig bei einer Blutdruckmessung entdeckt, kommt es zu keiner Behandlung. Und die vorgegebenen Therapieziele werden in der Praxis oft nicht erreicht. In Deutschland liegt der Anteil erfolgreich behandelter Patienten nur bei etwa 30 Prozent. Hauptursache hierfür ist die mangelnde Compliance. Vielen Betroffenen ist nicht bewusst, welche fatalen Folgeschäden ein zu hoher Blutdruck nach sich zieht. Unbehandelter Dauerhochdruck bedeutet ein hohes Risiko für Herzkreislauferkrankungen und kann koronare Herzkrankheit (KHK) bis hin zum Herzinfarkt oder zur Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, vaskuläre Erkrankungen wie Arteriosklerose, periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), Retinopathie, Demenz und zerebrale Blutungen bis hin zum Apoplex, also Schlaganfall verursachen.

Akut kann sich eine Bluthochdruck-Episode durch uncharakteristische Beschwerden bemerkbar machen, etwa durch Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten. Eine hypertensive Krise kann zu Angina pectoris, Dyspnoe, Übelkeit und Sehstörungen führen. Die Patienten sollten deshalb in der Apotheke auf die Gefahren immer wieder hingewiesen und ermuntert werden, selbst auf ihren Blutdruck zu achten, also regelmäßige Selbstmessungen durchzuführen und bei verdächtigen Werten den Arzt aufzusuchen. Insbesondere gilt dies für Risikogruppen wie Diabetiker, Raucher, Adipöse, Nierenkranke und Frauen, die Hormonpräparate einnehmen. Nur ein generelles Bewusstsein um die Blutdruckproblematik und die konsequente Therapie des Hypertonus kann schwerwiegende Folgeerkrankungen vermeiden.

Primäre versus sekundäre Hypertonie Die Ursachen der zu 90 Prozent auftretenden primären Hypertonie sind multifaktoriell und nicht abschließend geklärt. Veranlagung, also eine genetische Komponente, spielt ebenso eine Rolle wie bestimmte Lebensgewohnheiten (Bewegungsmangel, salz- und fettreiche Ernährung, hoher Alkohol- und Nikotinkonsum, Stress). Kommen weitere Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Diabetes mellitus oder Lipidstoffwechselstörungen hinzu, steigt das kardiovaskuläre Risiko signifikant an.

Fast jeder zweite Todesfall ist kardiovaskulär bedingt und hypertonieassoziiert. Die sekundäre Hypertonie hat ihre Ursache zum einen in der Einnahme bestimmter Medikamente. So können beispielsweise Kortikosteroide, Estrogene, aber auch Antirheumatika den Blutdruck erhöhen. Aber auch Nieren-Gefäß- oder Stoffwechselerkrankungen können zu erhöhten Blutdruckwerten führen. Hier spielen etwa eine Arteriosklerose der Nierengefäße, Nebennierentumoren, das Cushing-Syndrom mit seinen erhöhten Kortisolspiegeln im Blut, eine Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion), eine Aortenisthmus-Stenose, also Verengung der Hauptschlagader, oder das Schlafapnoe-Syndrom eine Rolle. Zudem leiden Asthmatiker häufig unter erhöhten Blutdruckwerten, was vermutlich auf die Einnahme von Kortikosteroiden und beta-Sympathomimetika zurückzuführen ist.

Allgemeine Maßnahmen Grundlage jeder Therapie stellt eine Veränderung des Lebensstils dar. Das gilt sowohl für Personen, in deren Familienanamnese Bluthochdruck verstärkt vorkommt, für Patienten, die noch vor Beginn medikamentöser Maßnahmen stehen, als auch für Betroffene, die bereits antihypertensiv behandelt werden. Bereits eine Blutdrucksenkung um fünf bis sechs mmHg reduziert das Herzinfarktrisiko um 15 Prozent, das Schlaganfallrisiko um 40 Prozent.

Übergewicht abbauen gilt als eine der effektivsten Maßnahmen, um den Blutdruck zu senken. Durch eine Gewichtsreduktion um zehn Kilogramm lässt sich der systolische Blutdruck um durchschnittlich 15 mmHg, der diastolische um acht bis zehn mmHg senken. Zudem werden die weiteren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Insulinresistenz, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte) und Herzinsuffizienz positiv beeinflusst.

Regelmäßige Bewegung zusätzlich zum Abnehmen steigert den blutdrucksenkenden Effekt. Ein drei- bis viermal wöchentliches 30-minütiges Ausdauertraining senkt den systolischen Blutdruck um vier bis acht mmHg. Günstig für Herz- und Kreislauf sind dynamisch-isotone, regelmäßige Belastungen ohne viele Zwischenstopps, wie Laufen, also Joggen beziehungsweise Walken, Wandern, aber auch Schwimmen und Fahrradfahren. Kraft- und Hochleistungssportarten sind weniger empfehlenswert. Sport und Bewegung besitzen dabei gleich mehrere positive Effekte: Sie wirken nicht nur senkend auf den Blutdruck, sondern auch auf die Blutfettwerte. Durch die Bewegung wird der Stoffwechsel angeregt, es werden mehr Kalorien verbrannt, was die Gewichtsabnahme fördert. Zudem unterstützt Sport den Stressabbau.

Reduktion des Alkoholkonsums bewirkt eine Blutdrucksenkung um durchschnittlich zwei bis vier mmHg. Da Alkoholkonsum und das Auftreten eines Bluthochdrucks positiv miteinander korrelieren und ein hoher Alkoholkonsum das Schlaganfallrisiko deutlich erhöht, empfehlen sowohl die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) also auch die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® Männern eine maximale Alkoholmenge von 20 bis 30 Gramm (das entspricht etwa zwei Gläsern Bier oder Wein), Frauen zehn bis 20 Gramm.

BASISTHERAPIE JEDER HYPERTONIEBEHANDLUNG:
- Gewichtsnormalisierung
- regelmäßige sportliche Ausdauerbetätigung
- Reduktion des Alkoholkonsums
- Ernährungsumstellung (kochsalzarm und fettreduziert)
- Rauchverzicht
- Stressabbau, ausgeglichene Lebensführung
- blutdrucksenkende Medikamente

Ausgewogenes, fett- und kochsalzarmes Essen mit viel Obst und Gemüse, Fisch sowie einem möglichst hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren ist ein weiteres effektives Mittel, um den Blutdruck deutlich zu senken. Eine Reduktion des Kochsalzkonsums auf die von der DGE maximal empfohlene Menge von sechs Gramm kann eine Verringerung von bis zu acht mmHg bewirken.

Blutdruck-Patienten sollten darauf hingewiesen werden, die Speisen nicht zusätzlich zu salzen, stark gesalzene Nahrungsmittel zu meiden und frische Nahrungsmittel zur Zubereitung des Essens zu verwenden. Die ungünstige Wirkung einer kochsalzreichen Ernährung wird durch eine niedrige Kaliumzufuhr verstärkt. Manche Nüsse, Samen oder Hülsenfrüchte wie Sojabohnen, weiße Bohnen oder Erbsen enthalten recht hohe Kaliummengen und sollten deshalb den Speiseplan ergänzen.

Zusätzlich gilt es Hypertoniker anzuhalten, insgesamt mehr Obst und Gemüse zu verzehren. Auch der Verzehr von Fisch bei gleichzeitiger Reduktion gesättigter Fette und Cholesterin in der Nahrung senkt den Blutdruck. Studien konnten zeigen dass mit der DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension), also dem Verzehr von viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Geflügel, Fisch und Nüssen sowie fettarmen Milchprodukten, wenig rotem Fleisch und wenig Süßem, der Blutdruck innerhalb von vier Monaten um durchschnittlich 11,2 mm Hg systolisch sowie um 7,5 mm Hg diastolisch gesenkt werden kann und auch andere kardiovaskuläre Risikofaktoren günstig beeinflusst werden.

Eine am 31. März 2010 im European Heart Journal, einer Zeitschrift der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, veröffentlichte Studie mit fast 20 000 Testpersonen belegt, dass auch ein kleines Stück Schokolade am Tag (durchschnittlich 7,5 Gramm möglichst dunkle Schokolade, wegen der Flavanole im Kakao-Anteil) den Blutdruck senken und Herzerkrankungen vorbeugen kann. Da die Ernährungsumstellung viel bringt, den Blutdruck deutlich senkt, sollte eine professionelle Diätberatung heute zum therapeutischen Konzept hypertensiver Patienten dazugehören.

Rauchverzicht bewirkt zwar keine direkt messbare Blutdrucksenkung, ist aber vermutlich die wichtigste Maßnahme, um das Risiko von Komplikationen und Folgeschäden zu reduzieren. Studien verdeutlichen: Ex-Raucher haben schon nach zwei Jahren Abstinenz das Infarkt-Risiko mehr als halbiert. Zusätzlich ist in verschiedenen Untersuchungen gezeigt worden, dass Rauchen die Wirkung einiger antihypertensiver Medikamente, etwa die von Beta-Blockern, vermindert.

Stressabbau durch sportliche Betätigung, progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Autogenes Training oder Atemübungen kann – insbesondere wenn psychische Faktoren bei der Bluthochdruckentwicklung eine Rolle spielen – den Blutdruck zusätzlich senken. Da die Umsetzung der geschilderten Allgemeinmaßnahmen vielen Bluthochdruck-Patienten schwer fällt, sollten Sie im Beratungsgespräch bei der Abgabe von Bluthochdruckmedikamenten immer wieder einmal auf die Lebensstiländerungen hinweisen, den Kunden daran erinnern, ihn hierzu ermuntern und loben.

Im zweiten Repetitoriumsteil werden die wichtigsten blutdrucksenkenden Medikamentenklassen näher beschrieben.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 07/10 auf Seite 48.

Dr. Eva-Maria Stoya

Stichworte: Alkoholkonsum, Blutdruck, DASH-Diät, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hypertonie, Salzkonsum, Stoya, hoher Blutdruck, kardiovaskuläre Erkrankungen, niedriger Blutdruck, primäre Hypertonie, sekundäre Hypertonie

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