Magen-Darm – Teil 2

Magen-Darm-Erkrankungen

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„Mir ist etwas auf den Magen geschlagen“ – im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über einzelne Magen-Darm-Erkrankungen sowie ihre therapeutische, vor allem medikamentöse Behandlung.

Pro Jahr werden in Deutschland über 70 Millionen Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes registriert. Fast 20 Millionen davon betreffen den Magen, in etwa zehn Prozent der Fälle werden eine Refluxösophagitis oder ein Ulkus diagnostiziert. Rund 90 Prozent der Magenerkrankungen sind Magenfunktionsstörungen oder eine Gastritis.

In vielen Fällen haben Magenprobleme psychische Ursachen, sodass in akuten Fällen bereits die Vermeidung von Ärger, Erregung, Ängsten oder Stress und die Anwendung psychotherapeutischer Maßnahmen zur Wiederherstellung des Wohlbefindens hilfreich sind. Normalerweise ist die Physiologie der Magenfunktionen so eingestellt, dass ein Gleichgewicht zwischen aggressiven Komponenten und Schutzfaktoren herrscht. Verschiebt sich dieses Gleichgewicht auf die Seite der Aggressoren, können Schäden – insbesondere an der Schleimhaut – auftauchen. Diese äußern sich als funktionelle Dyspepsie (Reizmagen) beziehungsweise Reizdarm-Syndrom noch ohne organischen Befund, als Gastritis mit einer oberflächlichen Entzündungsreaktion oder schon kleineren Defekten der Schleimhaut, als Refluxkrankheit oder als Ulkus mit entsprechenden Ulzera (Geschwüren).

Funktionelle Dyspepsie Unter funktioneller beziehungsweise nichtulzeröser Dyspepsie (NUD), im Volksmund häufig als Reizmagen-Syndrom bezeichnet, leiden etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Die Bezeichnung fasst ein sehr vielgestaltiges Krankheitsbild zusammen, dem keine spezifische Ursache zuzuordnen ist – außer überempfindliche Magennerven (viszerale Hypersensitivität) und gastrointestinale Motilitätsstörungen. Das Magenkrebsrisiko ist nicht erhöht. Von Ärzteseite wird der Patient als organisch gesund eingestuft oder es wird von Verdauungsbeschwerden ungeklärter Ursache gesprochen. Die Betroffenen quälen sich oft mit starken Beschwerden, insbesondere Blähungen, Übelkeit, Sodbrennen, Durchfall, Verstopfung, und fühlen sich in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt.

Therapiert wird in der Regel symptomorientiert, also nach Beschwerdebild. Stehen Säurebeschwerden im Vordergrund („Reflux-Typ“, etwa vierzehn Prozent der Betroffenen) bringen Antazida, Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) oder H2-Rezeptorantagonisten Erleichterung. Bei einer verminderten Beweglichkeit des Magen-Darm-Traktes („Dysmotilitätstyp“, etwa 60 Prozent der Betroffenen) kommen Prokinetika (Metoclopramid, Domperidon) gern zum Einsatz. In der Selbstmedikation können hier pflanzliche Magentherapeutika mit Curcumawurzelstock, Kümmelöl, Pfefferminzöl, alkoholischen Auszügen von Wermut, Kalmus, Enzian, Kamille, Angelika- und Süßholzwurzel, Mariendistelfrüchten, Melisse-, Pfefferminzblättern, Schöllkraut häufig mit Erfolg eingesetzt werden.

Über Nüchternschmerz Klagenden („Ulkus-Typ“, etwa sieben Prozent der Betroffenen) helfen ebenfalls meist Antazida und/oder H2-Blocker beziehungsweise PPI. Fast 20 Prozent passen allerdings in keine der genannten Gruppen. Da starke Blähungsbeschwerden bei fast 90 Prozent der Betroffenen auftreten, bieten sich zusätzlich entschäumende Mittel mit dem Wirkstoff Simethicon an. Umstellung von Ernährungsgewohnheiten und Vermeidung von Stress sind begleitend relevant.

Gastritis Eine Gastritis ist eine akute oder chronische Magenschleimhautentzündung, die sich symptomatisch mit Oberbauchbeschwerden, wie Sodbrennen, Druckgefühl, Schmerzen oder Krämpfen äußert. Eine akute Magenschleimhautentzündung heilt in der Regel von selbst wieder ab, was durch Teefasten oder eine Getreide-Reisschleim- Diät unterstützt werden kann. Bei den chronischen Gastritiden beschreibt die Einteilung in die Typen A, B, C die Ursachen.

Bei der autoimmunen Gastritis (Typ A) richten sich Antikörper gegen die körpereigenen Magenstrukturen und zerstören diese. Diese Erkrankung gehört zum rheumatischen Formenkreis. Drei bis sechs Prozent aller Gastritis- Fälle gehen auf Typ A zurück. Bei der bakteriellen Gastritis (Typ B) verursacht das robuste Bakterium Helicobacter pylori (HP) Erosionen auf der Magenschleimhaut, indem es in deren Zellen eindringt, worauf das Abwehrsystem mit einer Entzündung reagiert. Etwa 35 Prozent der Bevölkerung tragen das Bakterium in sich, die Betroffenen sind großteils allerdings beschwerdefrei.

Bei der chemisch bedingten Gastritis (Typ C) ist meist die dauerhafte Schmerzmedikation mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) oder ein vermehrter Alkoholkonsum Schuld an der Magenschleimhautentzündung. Etwa zehn Prozent aller Magenschleimhautentzündungsfälle sind auf diese Ursache zurückzuführen. Therapeutisch werden die drei Gastritis-Typen völlig unterschiedlich behandelt.

Typ A: Da die Autoantikörper verhindern, dass die Belegzellen der Magenschleimhaut Säure produzieren (Achlorhydrie) und den Intrinsic Factor herstellen, der unter anderem für die Aufnahme von Vitamin B12 in den Körper zuständig ist, muss bei dieser seltenen Gastritis-Form gegen die sonst auftretende Anämie (Blutarmut) Vitamin B12 gespritzt werden.

Typ B: Hier ist die Ausrottung des Erregers mittels der Triple-Therapie, also mittels mindestens sieben Tage andauernder Antibiotikagabe (Clarithromycin plus Amoxicillin oder Metronidazol) zusammen mit einem PPI, Mittel der Wahl. Als Reservetherapieschema wird manchmal auch die Quadrupeltherapie (PPI plus Bismutsalz, Tetrazyklin, Metronidazol) durchgeführt. Impfstoffe gegen Helicobacter pylori befinden sich in Entwicklung.

Typ C: Als magenschützende Begleittherapie gilt die Reduktion der Magensäureproduktion mittels PPI als erste Wahl. Manchmal werden zusätzlich Prokinetika gegeben.

Refluxkrankheit Ähnliche Reizungen wie bei einer Gastritis werden beobachtet, wenn Magensaft durch Reflux (Rückfluss) mit der Epithelschicht des Ösophagus (Speiseröhre) in Kontakt kommt. Die Ösophagusschleimhaut wird durch den aggressiven Mageninhalt gereizt und geschädigt. Der dadurch hervorgerufene Schmerz wird im Volksmund als Sodbrennen bezeichnet.

Die Refluxkrankheit geht mit einer signifikanten Störung des gesundheitlichen Wohlbefindens einher und kann weitergehende organische Komplikationen bis hin zu entzündlichen Ösophagusschleimhaut-Veränderungen (Refluxösophagitis), Ulzera (Geschwüre) oder ein Karzinom nach sich ziehen Therapiert wird heute symptomorientiert, durch Korrektur der Risikofaktoren (Rauch- und Alkohol-Karenz, mehrere kleinere, fettarme Mahlzeiten, kein spätabendliches Essen, Gewichtsreduktion, Höherlegen des Kopf-Brustbereiches beim Schlafen), Medikamente als Standard, operativ nur in sehr schweren Fällen.

Bei der medikamentösen Therapie können bei sporadischen Refluxbeschwerden gut Antazida gegeben werden. Mehrmals tägliche Antazida-Einnahmen über einen längeren Zeitraum sind hingegen nicht sinnvoll. In diesen Fällen und in der Dauertherapie stellen PPI heute Mittel der ersten Wahl dar. Nur noch zweite Wahl sind H2-Rezeptor-Antagonisten. Beachtet werden muss: Bei diesen drei Arzneimittelgruppen kann es durch die Erhöhung des Magen-pH-Wertes zu Wechselwirkungen, insbesondere Resorptionsbeziehungsweise Eliminationsstörungen mit anderen, ebenfalls einzunehmenden Arzneistoffen kommen. Für die Gruppe der Antazida sind diese am einfachsten zu umgehen, indem ein mindestens zweistündiger Abstand zur Einnahme anderer Medikamente eingehalten wird.

Gastroduodenale Ulkuskrankheit Ulcus ventriculi (Magengeschwür) und das etwa viermal häufiger, vorzugsweise bei Männern vorkommende Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür) sind charakterisiert durch tief reichende Wand-Schädigungen, Geschwüre, vorzugsweise an der kleinen Magenkurve, am Magenausgang, im Magenpförtner oder direkt im Zwölffingerdarm.

Häufig geschilderte Symptome sind Oberbauchschmerzen, die im nüchternen Magenzustand und nachts besonders heftig sind (Hungerschmerz), daneben Völlegefühl, Aufstoßen, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Gewichtsabnahme. Die längere Einnahme von NSAR kann ein Ulcus ventriculi mit auslösen. Gesichert ist, dass etwa 70 Prozent aller Magengeschwüre und 90 Prozent aller Zwölffingerdarmgeschwüre durch das Bakterium Helicobacter pylori verursacht sind. Die Spontanheilungsrate ist mit etwa 40 Prozent bei den Ulkus-Erkrankungen vergleichsweise hoch.

Umgekehrt können aber auch Komplikationen, die eine Operation erfordern, auftreten: Starke gastrointestinale Blutungen, eine Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), eine Ulkusperforation (Bauchraum-Durchbruch) mit folgender Peritonitis (Bauchfellentzündung), Pylorusstenose (Magenausgangs-Verengung) oder ein paralytischer Ileus (lähmender Darmverschluss) gehören hierzu. Therapeutische Ziele bei der Behandlung peptischer Geschwüre sind Schmerzbeseitigung, Beschleunigung der Ulkusheilung, Verhütung von Komplikationen, Verhinderung von Rezidiven sowie die Eradikation des hauptsächlichen Mitverursacher-Bakteriums Helicobacter pylori (siehe bei Gastritis Typ B). Schleimhautschädigende Faktoren wie Rauchen, Alkohol, säurehaltige Getränke, Kaffee, fettes Essen, NSAR sollten gemieden werden.

Dem vereinfachten Grundsatz „Ohne Säure kein Ulkus“ entsprechend, sind in der symptomatischen Therapie PPI Mittel der ersten Wahl zur Abheilung peptischer Ulzera, gefolgt von H2-Antihistaminika und Antazida. In der second- und thirdline Therapie spielt das schleimhautschützende Ulkusmittel Sucralfat heute vor allem in der Behandlung von Stressulkus bei Intensivpatienten noch eine Rolle. Ebenfalls schleimhautschützend und zusätzlich bakterizid gegen Helicobacter pylori wirken Bismutsalze. Das Anticholinergikum Pirenzepin ist schlechter verträglich und weniger wirksam als H2-Rezeptorblocker, so dass es heute nur noch selten eingesetzt wird. Ebenfalls eine Hemmung der Säuresekretion bewirkt das Prostaglandin-E-Derivat Misoprostol. Es wird wegen erheblicher Nebenwirkungen nur noch bei NSAR-induzierten Ulzera prophylaktisch angewandt.

Darmerkrankungen bilden den Schwerpunkt des dritten Repetitoriumteils.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 05/10 ab Seite 44.

Dr. Eva-Maria Stoya

Stichworte: Antazida, Bismut, Blähungen, Darm, Dyspepsie, Gastritis, H2-Blocker, Helicobacter pylori, Magen, Magen-Darm-Erkrankung, Magenerkrankung, Magengeschwür, Magenprobleme, Magenschleimhautentzündung, Misoprostol, PPI, Reflux, Reizdarm, Reizdarmsyndrom, Reizmagen, Sodbrennen, Sucralfat, Ulcus duodeni, Ulcus ventriculi, Ulkus, Zwölffingerdarmgeschwür

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