Nahrungsergänzung – Teil 3

Mineralstoffe

Abbildung © Susan Trigg / www.iStockphoto.com © Susan Trigg / www.iStockphoto.com

Mineralstoffe sind für den Körper wichtige anorganische Nährstoffe, die der Organismus nicht selbst herstellen kann. Sie müssen wie Vitamine mit der Nahrung zugeführt werden.

Mineralstoffe sind keine Energieträger, das heißt sie tragen nicht oder nur unbedeutend zum Energiestoffwechsel bei. An dieser Stelle wird nur auf die wichtigsten in der Anlage der NEM-Verordnung genannten Mineralstoffe in ihrer physiologischen Bedeutung näher eingegangen.

Die Erdalkali-Geschwister  Kalzium findet sich zu 99 Prozent in Zähnen und Knochen, da es zusammen mit Magnesium und Phosphat das Knochengerüst bildet. Etwa ein Prozent enthalten Körperflüssigkeiten wie Blut, wo der Kalziumspiegel (Kalzium-Homöostase) einer komplexen Regulierung durch Parathormon, Calcitonin, Calcitriol, der physiologisch aktiven Form von Vitamin D, unterworfen ist. Die wichtigste Funktion von Kalzium ist Aufbau und Erhalt von Zähnen und Knochen, weshalb es eine besondere Rolle für das Osteoporoserisiko spielt. Außerdem ist es für die Blutgerinnung lebensnotwendig, reguliert die elektrischen Aktionspotenziale von Muskeln und Nerven, stabilisiert Zellmembranen und ist an zahlreichen enzymatischen Reaktionen als Cofaktor beteiligt. Kalziumreich sind Milch- und Milchprodukte, Haselnüsse und Grünkohl. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Kalziumzufuhr von 1000 Milligramm (mg), zur Substitution sollten Kalziumsalze mit guter Bioverfügbarkeit wie Gluconate, Laktate und Citrate verwendet werden.

Magnesium ist der physiologische Gegenspieler des Kalziums, indem es dieses kompetitiv von seinen Rezeptoren und Bindungsstellen verdrängt. Ihre Zusammenarbeitet steuert gemeinsam mit anderen Mechanismen die Muskel- und Nervenfunktionen, aber auch den Knochenaufbau. Etwa 60 Prozent des Magnesiums sind im Skelett eingelagert, zusammen mit Kalzium und Phosphat ist es maßgeblich für die Knochenfestigkeit verantwortlich. Die restlichen circa 40 Prozent befinden sich im Zellinneren von Muskeln, Weichteilgewebe, Leber, nur zu etwa einem Prozent im Blut. Bislang sind mehr als 300 Enzymsysteme bekannt, die Magnesium für ihre Aktivitäten benötigen.

Ein Mangel kann sich äußern in Muskelkrämpfen, Herz-Kreislauf- Störungen, Magen-Darm-Problemen, Depressionen, Nervosität und Leistungsminderung. Eingesetzt wird Magnesium präventiv und therapeutisch unter anderem bei Herz-Kreislauf- Erkrankungen (Hypertonie, Koronare Herzkrankheit, akuter Myokardinfarkt), bei prämenstruellem Syndrom (PMS) und bei Schwangerschaftskomplikationen (EPHGestose). Magnesiumreich sind Getreideprodukte besonders aus Vollkorn, Bananen und Nüsse. Erwachsenen empfiehlt die DGE täglich 300 bis 400 mg Magnesium. Bei der Substitution werden organische Magnesiumsalze wie Citrate, Aspartate oder Orotate besser resorbiert als anorganische Verbindungen.

Weitere Metalle im Überblick  Eisen als mengenmäßig bedeutsamstes Spurenelement des Körpers ist als Bestandteils des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin essenziell für den Sauerstofftransport. Ein kleinerer Teil von 10 bis 20 Prozent Eisen wird in Leber, Milz und Knochenmark gespeichert. Daneben hat Eisen zahlreiche weitere Stoffwechselfunktionen, beispielsweise als Enzymbestandteil und in der Entgiftung. Bei einem Mangel sinkt der Hämoglobinanteil des Blutes, es kommt zur Eisenmangelanämie.

Folge sind häufig Appetitlosigkeit, Blässe, Haut- und Schleimhautveränderungen, Schwäche, Konzentrationsstörungen, erhöhte Infektanfälligkeit und Haarausfall. Tierisches Eisen aus Fleisch und Fisch wird besser resorbiert als pflanzliches Eisen. Die tägliche DGE-Zufuhrempfehlung liegt bei 10 mg für Erwachsene, für Frauen vor den Wechseljahren bei 15 mg, für Schwangere 30 mg. In der Substitution werden zweiwertige Eisensalze als Glycinate oder Gluconate besonders gut resorbiert, gleichzeitige Vitamin C-Einnahme verbessert die Bioverfügbarkeit zusätzlich.

Kupfer stellt einen wichtigen Bestandteil vieler Enzyme und ist damit am Bindegewebsaufbau, der Sauerstoffverwertung, Entgiftung freier Radikale, der Regulation des Immunsystems, am Eisen- und Pigmentstoffwechsel beteiligt. Die DGE schätzt den täglichen Bedarf Erwachsener auf 1 bis 1,5 mg, der, da Kupfer in zahlreichen Lebensmitteln wie Getreideprodukte, Fisch, Nüssen, Kakao, Tee, Kaffee und einigen grünen Gemüsesorten enthalten ist, durch die Ernährung in der Regel ausreichend gedeckt wird.

EINE DEFINITIONSFRAGE
Mengenelemente: Essenzielle Mineralstoffe, die in relativ hoher Konzentration von mehr als 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht im Körper zu finden sind. Hierzu gehören: Kalzium, Phosphor, Mag nesium, Kalium, Natrium, Schwefel, Chlorid. Spurenelemente: Diese Mineralstoffe, auch Mikroelemente genannt, kommen im Organismus zu weniger als 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht vor und machen weniger als 0,01 Prozent des Körpergewichts aus. Die wichtigsten sind: Chrom, Fluorid, Jod, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen und Zink. Auch Eisen zählt wegen seiner Wirkweise zu den Spurenelementen, obwohl es im Menschen zu etwa 60 Milligramm pro Kilogramm
Körpergewicht enthalten ist.

Jod ist essenzieller Baustein für die körpereigene Synthese der Schilddrüsenhormone. Ein Mangel führt zu einer Struma (Kropf), Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen sowie irreversiblen Wachstums- und geistigen Entwicklungsstörungen bei Embryo, Fetus und Kindern. Jodreich sind primär Lebensmittel, die aus dem Meer stammen. Die DGE-Empfehlung liegt für Erwachsene bei 150 bis 200 Mikrogramm (μg), in Schwangerschaft und Stillzeit sogar bei 230 bis 260 μg pro Tag.

Zink ist Bestandteil von mehr als 300 Enzymsystemen und erfüllt dabei wichtige Aufgaben in zahlreichen elementaren Stoffwechselvorgängen. Durch die zentrale Rolle im Protein- und Nukleinsäurestoffwechsel sind Zellteilung und -reifung, Wachstumsprozesse samt Gesundheit von Haut, Haaren, Nägeln ohne Zink nicht möglich. Außerdem wirkt Zink immunstimulierend und antiviral, fördert die Antikörperproduktion, steigert die zellvermittelte Immunantwort, wirkt antioxidativ und entzündungshemmend. Gute Lieferanten sind Rindfleisch, Schalentiere sowie Haferflocken. Die DGE sieht den Zinkbedarf bei 7 bis 10 mg für Erwachsene. Auch hier gilt für eine Substitution: Organische Zinkverbindungen erreichen eine bessere Bioverfügbarkeit als anorganische Salze.

Mangan ist Bestandteil wichtiger Enzymsysteme und dabei unter anderem am Knorpel- und Knochenaufbau, der Blutgerinnung, der zellulären Energiebereitstellung sowie dem Schutz vor oxidativem Stress beteiligt. Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und schwarzer Tee enthalten viel Mangan. Die DGE schätzt den täglichen Bedarf Erwachsener auf 2 bis 5 mg.

Natrium reguliert im Organismus den Wasserhaushalt, den osmotischen Druck, den Säure-Base-Haushalt, gewährleistet die Erregbarkeit von Muskeln und Nerven und aktiviert verschiedene Enzyme. Die DGE rät Jugendlichen und Erwachsenen, insgesamt täglich nicht mehr als sechs Gramm Natriumchlorid (Kochsalz) aufzunehmen.

Kalium steuert in Kombination mit Natrium den Wasser- und Säure-Base-Haushalt, die Erregungsleitung in Nerven- und Muskelzellen, aktiviert Enzyme und ist wichtig für den Glukosetransport in die Zellen sowie die Proteinbiosynthese. Ein Mangel verursacht Müdigkeit, Herz-Kreislauf-Störungen oder Magen-Darm-Beschwerden. Eine Hyperkaliämie kann zum Herzstillstand führen. Die DGE schätzt den täglichen Bedarf auf 2000 mg, der mit normaler Kost, insbesondere
Bananen, Brokkoli, Spinat, gut abgedeckt wird.

Selen ist essenzieller Bestandteil verschiedener Enzyme und Proteine und übernimmt dabei wichtige Schutz- und Regulationsaufgaben. So wird Selen für das wichtigste antioxidative Schutzsystem unseres Körpers, die Glutathionperoxidase, benötigt. Selen stärkt das Immunsystem, aktiviert Schilddrüsenhormone und neutralisiert schädliche Schwermetalle. Gute Lieferanten sind Fleisch, Fisch, Linsen und Paranüsse, Deutschland gilt allerdings als Selenmangelgebiet. Die tägliche Zufuhr, so schätzt die DGE, sollte für Erwachsene zwischen 30 und 70 μg liegen, viele Wissenschaftler empfehlen mehr.

Chrom spielt in seiner dreiwertigen Form eine zentrale Rolle im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel. Es kann die Glukosetoleranz verbessern, die zelluläre Glukoseaufnahme steigern und die Insulinresistenz vermindern. Auch cholesterinsenkende und gleichzeitig High-Density-Lipoprotein (HDL)-erhöhende Eigenschaften sind für Chrom nachgewiesen. Fleisch, Eier, Haferflocken, Kakao und Pilze sind vergleichsweise chromreich. Die DGE schätzt den Bedarf Erwachsener auf 30 bis 100 μg Chrom pro Tag.

Molybdän ist im menschlichen Organismus Cofaktor dreier Enzyme, die beim Abbau der Purine, der schwefelhaltigen Aminosäuren sowie der Catecholamine beteiligt sind. Getreide und Hülsenfrüchte sind reich an Molybdän. Ein ernährungsbedingter Mangel kommt quasi nicht vor, die DGE schätzt für Erwachsene, dass 50 bis 100 μg Molybdän täglich genügen.

Fluorid ist für die Festigkeit des Knochens sowie die chemische und mechanische Stabilität der Zähne außerordentlich wichtig. In hoher Dosierung steigert Fluorid durch Aktivierung der Osteoblasten auch das Knochenwachstum. Insofern wird Fluorid therapeutisch zur Kariesprophylaxe und unter ärztlicher Kontrolle zur Osteoporose-Behandlung verwendet. Meerestiere, aber auch Nüsse oder Mineralwässer und Schwarztee enthalten Fluorid. Der Richtwert der DGE für Erwachsene beträgt 3,1 bis 3,8 mg, für Kinder empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) eine tägliche Fluoridzufuhr (0,25 bis 1 mg) über Trinkwasser, Zahnpasta beziehungsweise Tabletten.

Chlorid besitzt im Zusammenspiel mit Natrium eine wichtige Bedeutung für die Flüssigkeitsverteilung, den osmotischen Druck, den Säure-Base-Haushalt, die Produktion der Magensäure, für die Aufrechterhaltung der Zellmembranpotenziale und ist unentbehrlich für die Impulsleitung in den Nervenfasern. Lebensmittel, die mit Kochsalz zubereitet sind, liefern automatisch reichlich Chlorid, sodass eher Über- als Unterdosierungen auftreten. Der DGE-Schätzwert für Erwachsene liegt bei 830 mg Chlorid.

Phosphor stellt nach Kalzium das mengenmäßig häufigste Mineral im Organismus dar, wobei etwa 85 Prozent der Phosphatmenge sich gebunden in Knochen und Zähnen als Hydroxylapatit befinden. Phosphorverbindungen sind Bestandteil der Erbinformationsträger, der Zellmembranen, Phosphor wird in Form von Adenosintriphosphat (ATP) für alle Energie verbrauchenden Stoffwechselvorgänge benötigt, Phosphate sind Bestandteil des pH-Puffersystems im Blut und regulieren damit den Säure-Base-Haushalt mit. Der Phosphathaushalt ist eng mit dem Kalzium- und Magnesiumhaushalt verknüpft und wird unter anderem über hormonelle Regelkreise gesteuert, wobei Parathormon und Vitamin D direkten Einfluss haben.

Der Phosphatbedarf Erwachsener von 700 bis 900 mg wird in der Regel durch unsere Nahrung mehr als ausreichend abgedeckt. Eine zu hohe Phosphataufnahme beeinträchtigt eher die Aufnahme von Kalzium und anderen Mineralien und kann beispielsweise das Osteoporoserisiko steigern.

Gezielt Empfehlungen aussprechen  Zahlreiche Hinweise weisen darauf hin, dass die richtige Ernährung Krankheiten in ihrer Entstehung verhindert beziehungsweise zumindest vermindert. Immer mehr wird Gewissheit: Viele chronische Erkrankungen sind Folge falscher Ernährungsgewohnheiten. Einige Nahrungsergänzungsmittel haben – zum Teil aufgrund positiver Studienergebnisse – auch durchaus ihre Berechtigung bei Beschwerdebildern wie Diabetes, Osteoporose, Rheuma, Krebserkrankungen, zur Stärkung des Herz-Kreislaufsystems oder auch in den Wechseljahren beziehungsweise in Schwangerschaft/Stillzeit oder bei hyperaktiven Kindern.

Seien Sie aktiv: Zeigen Sie Ihren Kunden, welche Vitamine und Mineralstoffe in der jeweiligen Lebenssituation angeraten sind. Sie haben den entscheidenden Vorteil, dass Sie via Rezept oder Selbstmedikation die Erkrankungen oder Beschwerden des Kunden kennen. So können Sie gezielt abgestimmte Empfehlungen aussprechen.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 03/10 ab Seite 44.

Dr. Eva-Maria Stoya, EStoya@gmx.de

Stichworte: Chlorid, Chrom, Eisen, Fluorid, Jod, Kalium, Kalzium, Kupfer, Magnesium, Mangan, Mineralstoffe, Molybdän, Nahrungsergänzung, Natrium, Phosphat, Selen, Spurenelemente, Zink, gesunde Ernährung

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