Ich fühle was, was Du nicht fühlst

Emotionen: Frauen gefühlsbetonter als Männer

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Frauen neigen eher zu Angststörungen und erinnern Emotionales besser. Wenn Männer und Frauen aber verschiedene Verhaltensmuster zeigen, dann müssen auch ihre Gehirne verschieden sein.

Kennen Sie das auch? Sie haben sich mit Ihrem Partner einen Gruselfilm angeschaut und während er danach von der komplexen Handlung schwärmt und sich für die erzählte Geschichte begeistert, kritisieren Sie, dass doch die Schuhe des Vampirs gar nicht in die Zeit, in der der Film spielte, passen würden. Schlimmstenfalls streiten Sie dann, weil Sie sich an solchen Details aufhängen, anstatt das Gesamtwerk zu genießen wie er, während er den Fehler begeht, einfach die wichtigen Details zu übersehen, die, weil nicht stimmig, doch den Gesamtgenuss trüben.

Auch wenn diese Szene etwas konstruiert zu sein scheint, solch gegenseitiges Nicht-Verstehen kommt zwischen Männern und Frauen immer wieder vor. Da Verhalten immer Ausdruck der Organisation der Gehirne ist, die es hervorbringen, muss man daraus folgen, dass die Gehirne von Männern und Frauen verschieden strukturiert sein müssen.

Und auch wenn die Gemeinsamkeiten überwiegen und es lange als politisch unkorrekt galt, das zu sagen, ist es tatsächlich so: Die Gehirne von Männern und Frauen weisen eine Fülle von Unterschieden aus, die sich größtenteils während der Entwicklung durch Einfluss der Geschlechtshormone herausbilden. So haben Männer größere Hirne mit mehr Neuronen, was aber noch nichts über Intelligenz oder Leistungsfähigkeit aussagt.

Aber es gibt auch Unterschiede, deren Bedeutung für das Verhalten mittlerweile interpretierbar ist. Dies wird besonders deutlich, wenn es um die Bewertung von Dingen oder Sachverhalten geht, die eine emotionale Komponente besitzen: Emotionen werden im Gehirn wesentlich von einem Teil des limbischen Systems verarbeitet, der sogenannten Amygdala (dem Mandelkern). Nach Bewertung durch die Amygdala wird die emotionale Information zum Hippokampus und dem Frontalhirn weitergeleitet, zweien für die Gedächtnisbildung entscheidenden Hirnteilen.

Interessanterweise zeigen nun neuere Studien, dass in emotionalen Situationen wie etwa dem geschilderten Gruselfilmabend oder auch bei Betrachten sexuell erregender Bilder bei Männern besonders die rechte Amygdala aktiviert wird, während bei Frauen eher die linke involviert ist. Nun wissen wir seit längerem, dass die beiden Hirnhälften Informationen unterschiedlich verarbeiten: Während die rechte Hirnhälfte komplexe Informationen eher ganzheitlich wahrnimmt, beschäftigt sich die linke eher mit Detailanalysen. Man könnte sagen, die linke Hemisphäre sieht den Pinselstrich, die rechte das ganze Bild, die linke hört den Ton, die rechte die Melodie.

Bezogen auf die unterschiedlichen Amygdala-Aktivierungen bei Mann und Frau hieße das, während Frauen eher dazu neigen, Details emotionaler Ereignisse zu behalten, speichern Männer eher die Hauptmerkmale des Gesamtereignisses. Das heißt, obwohl beide dasselbe erlebt haben, werden doch andere Bestandteile des Erlebten als relevant betrachtet und abgespeichert. Bei der späteren Reflexion des Ereignisses sind dann Meinungsverschiedenheiten zwangsläufig vorprogrammiert – aber so kennen Sie das ja sicherlich auch …

ZUR PERSON
Prof. Dr. Holger Schulze, Hirnforscher, Holger.Schulze@uk-erlangen.de
Prof. Dr. Schulze ist Leiter des Forschungslabors der HNO-Klinik der Universität Erlangen-Nürnberg sowie auswärtiges wissenschaftliches Mitglied des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg. Seine Untersuchungen zielen auf ein Verständnis der Neurobiologie des Lernens und Hörens. www.schulze-holger.de

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 03/10 auf Seite 12.

Prof. Dr. Holger Schulze

Stichworte: Amygdala, Emotionen, Frauen, Gehirn, Hirnforschung, Männer, Wahrnehmung, gender

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