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Übersicht: Blasenentzündung

Abbildung © auremar / www.fotolia.com. Betroffene sollten mindestens 1,5 Flüssigkeit täglich trinken – vorrangig Mineralwasser ohne Kohlensäure. © auremar / www.fotolia.com. Betroffene sollten mindestens 1,5 Flüssigkeit täglich trinken – vorrangig Mineralwasser ohne Kohlensäure.

Wo Medikamente versagen, hilft der GAG-Ersatz mit Chondroitinsulfat.

Die Symptome sowohl der chronischen nicht-bakteriellen Blasenentzündung (interstitielle Zystitis) als auch der überaktiven Blase haben häufig dieselbe Ursache: einen Defekt der Glykosaminoglykan-(GAG)-Schicht. Mit ihrem wesentlichen Bestandteil Chondroitinsulfat bildet diese Blasenwandschutzschicht die Grenze zwischen dem Urin und dem Urothel. Ist die GAG-Schicht geschädigt und damit die physiologische Schutzfunktion gestört, können reizende Substanzen aus dem Urin bis in die tiefer gelegene Schichten der Blasenwand vordringen.

Das löst die typischen Symptome chronischer Zystitiden aus. Betroffene Patientinnen leiden unter häufigem und starkem Harndrang, einer zum Teil erhöhten Miktionsfrequenz, wobei viele auch nachts wasserlassen müssen. Bei einigen treten auch Schmerzen in der Beckenregion auf. Das führt zu einem massiven Verlust an Lebensqualität. Soziale Kontakte können verloren gehen und auch die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit kann eine Folge sein, was oft mit Depressionen verbunden ist. Bei der interstitiellen Zystitis handelt es sich um eine chronische, nicht erregerbedingte Zystitis unklarer Ursache mit progredientem Verlauf. Sie ist in erster Linie durch suprapubischen Schmerz und häufige Miktionsfrequenz gekennzeichnet – bis zu 40mal am Tag und bis zu 20mal in der Nacht.

Zusätzlich zur Therapie mit hauptsächlich symptomatisch wirkenden Medikamenten wie trizyklischen Antidepressiva ist die GAG-Ersatztherapie mit Chondroitinsulfat eine bewährte Behandlungsoption der interstitiellen Zystitis. Im Rahmen einer Beobachtungsstudie an 286 Patienten mit unterschiedlichen Zystitisformen, die mit 0,2%igem Chondroitinsulfat behandelt worden waren, reduzierte sich die Miktionsfrequenz von 17 auf 11 und die Intensität des Harndrangs halbierte sich.

Die überaktive Blase ist charakterisiert durch imperativen Harndrang, der bei etwa einem Viertel der Betroffenen zu einem unkontrollierten Harnverlust, der Dranginkontinenz, führt. Typischerweise haben die Patienten zusätzlich eine erhöhte Miktionsfrequenz. Die Effektivität der Anticholinergika liegt bei 60 bis 80 Prozent. Diese rein symptomatische Therapie ist hier nicht ausreichend, weil Anticholinergika einen möglichen GAG-Layer-Defekt nicht beeinflussen können. Auch die Compliance für Anticholinergika ist seitens der Betroffenen ein Problem: Ein Jahr nach Therapiebeginn nimmt nur noch weniger als ein Viertel der Patienten die verschriebenen Tabletten ein.

Wird der GAG-Defekt geheilt, verbessern sich die klinischen Symptome der überaktiven Blase deutlich stärker als unter der Behandlung mit Anticholinergika. In einer kontrollierten Studie an 82 Patienten mit überaktiver Blase besserten sich nach einem Jahr Therapie mit 0,2%igem Chondroitinsulfat bei 74 Prozent der Patienten die Symptome. In der Gruppe, die das Anticholinergikum Tolterodin (4 mg retardiert) bekommen hatte, waren es nur 43 Prozent.

Auch bei der Nachhaltigkeit der Therapie war 0,2%iges Chondroitinsulfat klar überlegen: 12 Monate nach Ende der Studie wiesen noch 56 Prozent der Patientinnen mit GAG-Ersatz eine Symptomverbesserung auf, in der Tolterodingruppe dagegen nur 14 Prozent. Fazit: Die GAG-Ersatztherapie mit 0,2%igem Chondroitinsulfat bietet eine etablierte Behandlungsmöglichkeit chronischer Blasenentzündungen.

Quelle: Expertengespräch „Therapie chronischer Cystitiden“. 23. Juli 2010, Hohenlockstedt. Veranstalter: G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 09/10 auf Seite 8.

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