Forschung Medizin

Studie: Chronische myeloische Leukämie

Abbildung © Sebastian Kaulitzki / www.iStockphoto.com © Sebastian Kaulitzki / www.iStockphoto.com

Nilotinib erweist sich bei der CMLTherapie im Vergleich zu Imatinib als wirksamer.

Etwa 12 000 Personen erkranken in Deutschland jährlich an Leukämie. Bei rund 1500 von ihnen lautet die Diagnose „chronische myeloische Leukämie (CML). Dies ist eine klonale Erkrankung der hämatopoietischen Stammzellen und durch eine starke Vermehrung der Granulozyten im Blut gekennzeichnet.

Zu Beginn treten nur unspezifische Symptome wie Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit oder Appetitlosigkeit auf. Die lebensbedrohliche Krankheit führt unbehandelt innerhalb von fünf bis sechs Jahren zum Tod. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen wird sie bei einer routinemäßigen Blutuntersuchung festgestellt, insbesondere durch ein Ansteigen der Leukozyten bei gleichzeitigem Absinken der Erythrozyten.

Charakteristisch (bei etwa 95 Prozent der CML-Patienten nachweisbar) ist eine Chromosomenanomalie, das Philadelphia-Chromosom, welches das abnorme bcr-abl-Fusionsgen enthält. Das von bcr-abl kodierte Fuisonsprotein BCR-ABL weist eine gesteigerte und dauerhafte Kineaseaktivität auf und gilt als treibende Kraft der CML. Ein typischer Blutbild- und Knochenmarkbefund in Verbindung mit dem Nachweis des Philadelphia-Chromosoms bzw. des BCR-ABL-Fusionstranskripts sichert die Diagnose der CML.

Die einzig erwiesene Heilungsmöglichkeit der CML ist die Stammzelltransplantation, allerdings ist es häufig problematisch, einen geeigneten Spender zu finden. Medikamentös kann mit Imatinib und Nilotinib therapiert werden. Dabei zeigen neue ASCO-Daten (American Society of Clinical Oncoloy), dass Nilotinib die bislang einzige Behandlungsoption ist, die nachgewiesen signifikant besser als der bisherige Standard Imatinib vor Krankheitsprogression bei erwachsenen Patienten mit neu diagnostizierter Philadelphia-Chromosom-positiver CML (Ph+ CML) in der chronischen Phase schützt. Dies belegen die 18-Monats-Daten der direkten Vergleichsstudie ENESTnd, der weltweit größten randomisierten Studie bei neu diagnostizierten Patienten mit Ph+ CML.

Nilotinib hat sich dabei gegenüber Imatinib in wesentlichen Parametern als wirksamer erwiesen: So erzielte die Substanz ein tieferes molekulares Ansprechen als Imatinib in der Erstlinienbehandlung von Ph+ CML. Zudem schützte Nilotinib besser vor der Progression in der akzelerierten Phase und führte damit zu weniger CML-bedingten Todesfällen. Bei dreimal mehr Patienten war die Erkrankung auf molekularer Ebene nicht mehr nachweisbar. Das Nebenwirkungsprofil des Wirkstoffs blieb dabei im Rahmen der Studie unverändert günstig.

Nilotinib belegt, dass es eine selektive Hemmung von BCR-ABL noch wirkungsvoller erzielen kann als der langjährige Therapiestandard Imatinib. Entsprechend wurde das Zulassungsdossier für die Erstlinientherapie der CML von der EMA zur Prüfung angenommen, eine Entscheidung wird noch dieses Jahr erwartet. In den USA prüft die FDA das Zulassungsdossier von Nilotinib für die Erstlinientherapie der CML aufgrund der Signifikanz dieser Daten sogar in einem beschleunigten Zulassungsverfahren. Alle Zulassungsanträge beruhen auf den 14-Monats-Daten der ENESTnd- Studie.

Quelle: Pressegespräch „Studienupdate ASCO/EHA: Tasigna® schützt CML-Patienten besser vor Progression als Glivec®.“ 09. Juli 2010, Nürnberg. Veranstalter: Novartis Pharma GmbH.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/10 auf Seite 10.

Stichworte: Chronische myeloische Leukämie, Imatinib, Leukozyten, Leukämie, Nilotinib

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