© Novartis Vaccines. Das Lyssa-Virus, der Tollwut-Erreger
Vor Reisen in bestimmte Länder sollte rechtzeitig zu Hause eine Impfung stattfinden.
An Tollwut können außer dem Menschen prinzipiell alle Säugetiere und auch Vögel erkranken. Erreger ist das Lyssa-Virus, das sich im Speichel infizierter Tiere befindet, sodass es meist durch einen Biss, aber auch durch direkten Kontakt des Sekrets mit Wunden oder Schleimhäuten übertragen werden kann. Hauptinfektionsweg beim Menschen sind Hundebisse, wobei die Erkrankung jedoch auch durch Füchse, Katzen, Frettchen und andere Tiere übertragen werden kann – wie Stinktiere und Waschbären in Nordamerika oder Kojoten in Südamerika. Zunehmend wurden in den letzten Jahren zudem Infektionen durch Bisse von Fledermäusen beobachtet.
Die Erkrankung ist nach wie vor weltweit verbreitet. Die höchste Inzidenz humaner Infektionen besteht in Asien, Afrika und Lateinamerika sowie in einigen osteuropäischen Ländern. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich etwa 40 000 bis 60 000 Personen an Tollwut – Indien vermeldet rund 30 000, China etwa 6000 Todesfälle. Als tollwutfrei gelten hauptsächlich Inselstaaten wie die Malediven, Seychellen, Barbados, Ozeanien, Neuseeland, Papua-Neuguinea und Japan. Dies gilt auch für europäische Staaten wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Portugal, Griechenland, Italien, Schweiz und Skandinavien.
Ist das Virus in den Körper gelangt, wandert dieses innerhalb von drei bis acht Wochen über die Nervenbahnen ins Gehirn. Einige Tage vor der Akutphase der Erkrankung zeigen sich erste unspezifische Anzeichen wie Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit sowie Schmerzen, Pruritus und Sensibilitätsstörungen im Bereich der Bisswunde. In der Folge treten Zeichen von Hyperaktivität mit Muskelzuckungen und Krämpfen auf. Hinzu kommen Angstgefühle, Unruhe sowie ein Wechsel zwischen aggressiven und depressiven Gemütszustände; ferner tritt eine ausgeprägte Hydrophobie auf.
Ebenfalls charakteristisch sind die heftigen Wutanfälle, die der Krankheit ihren Namen gaben. Später treten fortschreitende Lähmungen auf. Die Patienten fallen schließlich in ein Koma, bis sie durch eine Atemlähmung sterben. Von den ersten Symptomen bis zum Tod vergehen in der Regel maximal sieben Tage. Bis heute existiert keine Therapie, mit der das Leben der Erkrankten gerettet werden könnte. Einzig sicherer Schutz sind die vorbeugende aktive Immunisierung bzw. die Post-Expositions-Prophylaxe (PEP). Letztere muss nach einer möglichen Infektion aus Sicherheitsgründen auch bei bereits immunisierten Personen durchgeführt werden. Je nach Expositionsgrad muss ein Tollwut-Immunglobulin verabreicht werden.
Moderne Zellkultur-Impfstoffe und Immunglobulin-Präparate sind in Tollwut-Risikogebieten wie Asien, Afrika, Lateinamerika oder Osteuropa oft nicht vorhanden. In Pakistan, Nepal und manchen afrikanischen Länden werden noch Nervengewebe-Impfstoffe mit bedenklicher virologischer Sicherheit und zweifelhafter Wirksamkeit eingesetzt. Die präexpositionelle Impfung sollte daher dringend auch Reisenden in Endemiegebiete empfohlen werden – besonders, wenn sie Trekkingtouren, Höhlenbesuche oder Langzeitaufenthalte planen.
Quelle: „Update Reiseimpfstoffe: Erweiterte Schutzmöglichkeiten für Fernreisende.“ 8. Juni 2010, Hamburg. Veranstalter: Novartis Vaccines
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 07/10 auf Seite 10.
Stichworte: Hunde, Impfung, Lyssa-Virus, Tollwut