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Neuer Serotonin-Rezeptorantagonist wirkt direkt auf die gestörte Darmmotilität.
Unter den Symptomen einer chronischen Obstipation leiden zwischen 12 und 19 Prozent der Bevölkerung in Europa. Ältere Menschen sind häufiger betroffen als jüngere und die Mehrzahl der Patienten ist weiblich. Ein hilfreiches Instrument für eine eindeutige Definition und Abgrenzung der behandlungsbedürftigen chronischen Obstipation sind die Rom-III-Kriterien.
Zu den in diesem Zusammenhang beobachteten Symptomen gehören bei mindestens 25 Prozent der Entleerungen Pressen, harter Stuhl, das Gefühl einer unvollständigen Entleerung und einer analen Blockade, manuelle Maßnahmen zur Entleerung sowie drei Entleerungen oder weniger pro Woche.
Nach diesen Kriterien liegt eine funktionelle (primäre), chronische Obstipation vor, wenn mindestens zwei der beschriebenen Symptome über einen Zeitraum von drei Monaten innerhalb der letzten sechs Monate vorkamen. Zudem darf bei dieser Definition der Stuhl ohne Einsatz von Laxanzien nur sehr selten weich sein, ferner darf kein Reizdarmsyndrom vorliegen.
Seit kurzem steht mit dem Serotonin-Rezeptorantagonist Prucolaprid eine wirksame Therapieoption zur Verfügung. Serotonin (5-Hydroxytrypamin [5-HT]) kommt bei der Regulation der Darmmotilität eine besondere Bedeutung zu. In diesem Bereich setzt Prucaloprid an: Der selektive hochaffine 5-HT4-Rezeptoragonist wirkt direkt auf die Zielrezeptoren im Magen-Darm-Trakt, deren Aktivierung den peristaltischen Reflex beeinflusst. Studiendaten belegen, dass sich die Darmfunktion bei den Teilnehmern nach der Einnahme des neuen Wirkstoffs signifikant verbesserte.
In drei Zulassungsstudien nahmen 1924 Patienten (vorwiegend Frauen) über 12 Wochen täglich entweder zwei oder vier Milligramm Prucaloprid oder ein Placebo ein. 23,6 Prozent der Patienten, die 2 Milligramm Prucolaprid erhielten, erreichten mindestens drei spontane Entleerungen pro Woche gegenüber 11,3 Prozent aus der Placebo-Gruppe. Auch bei älteren Patienten (über 65 Jahren) wurde Prucaloprid eingehend untersucht und zeigte hier ebenfalls eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit.
Prucaloprid unterscheidet sich maßgeblich von älteren 5-HT4-Rezeptoragonisten, die nur wenig selektiv waren. Daten aus präklinischen Studien und QTc-Studien zeigen, dass durch die im Vergleich zu den älteren Prokinetika verbesserte 5-HT4-Selektivität von Prucaloprid das kardiovaskuläre Risiko deutlich geringer ist. Nach Studienergebnissen zeigt der neue Wirkstoff keinen Rebound-Effekt und induziert keine Abhängigkeiten.
Prucaloprid ist bislang für die Behandlung der chronischen Obstipation bei Frauen zugelassen, denen Laxanzien keine adäquate Linderung der Beschwerden verschaffen, da an den Phase-III-Studien vor allem Patientinnen teilgenommen haben. Zusätzliche Einsatzmöglichkeiten sowie die Anwendung bei weiteren Patientengruppen wurden und werden derzeit untersucht. Quelle: Pressekonferenz „Das Dilemma der Behandlung von chronischer Obstipation: Bietet Prucaloprid einen Ausweg?“ 12. April 2010, Wiesbaden. Veranstalter: Movetis.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 05/10 auf Seite 10.
Stichworte: 5-HT4-Rezeptoragonist, Chronische Obstipation, Darm, Obstipation, Prucaloprid, Serotonin-Rezeptorantagonist, Studie, Verstopfung