Forschung Medizin

Clusterkopfschmerz

Abbildung © Fred Goldstein / www.iStockphoto.com © Fred Goldstein / www.iStockphoto.com

Aktuelle Untersuchung beweist Wirksamkeit von reinem Sauerstoff bei speziellen Kopfschmerzen.

Clusterkopfschmerzen zählen zu den vier wichtigsten der 176 verschiedenen Kopfschmerzarten. Sie sind zwar vergleichsweise selten – schätzungsweise jeder Hundertste bis Tausendste hat Clusterkopfschmerzen – die Patienten erleben sie jedoch als extrem qualvoll. Geburtsschmerzen seien dagegen leichter auszuhalten, berichten weibliche Betroffene und ein erschreckend hoher Anteil jener Patienten, denen die Ärzte nicht helfen können, begeht Selbstmord.

Typisch ist, dass die Attacken anfallsartig auftreten, immer auf derselben Seite des Kopfes und dort hinter dem Auge, in der Schläfe oder der Stirn wüten. Behandelt wird das Leiden zuvorderst mit bestimmten Migränemitteln aus der Gruppe der Triptane. Diese müssen gespritzt oder als Nasenspray angewandt werden müssen, um eine möglichst schnelle Wirkung zu erzielen. Sie sind wegen ihrer Nebenwirkungen beispielsweise für Herzpatienten nicht ratsam.

Die bislang besten Beweise für den Nutzen von inhaliertem Sauerstoff gegen so genannte Cluster-Kopfschmerzen hat nun eine Studie mit 76 Erwachsenen erbracht. Die Neurologen unterrichteten die Teilnehmer im Gebrauch von Atemmasken und gaben ihnen jeweils zwei Behälter mit nach Hause, die mit „Behandlung 1“ und „Behandlung 2“ gekennzeichnet waren. Der eine enthielt reinen Sauerstoff, der andere normale Atemluft.

Die Patienten wurden instruiert, die beiden Behälter jeweils bei vier aufeinander folgenden Attacken abwechselnd zu benutzen. Dabei sollten sie notieren, ob sie nach 15 beziehungsweise 30 Minuten schmerzfrei waren und abschätzen, wie sehr sich die Schmerzen in der ersten Stunde verringerten. Mit 78 gegenüber 20 Prozent erwies sich der Sauerstoff in punkto „Schmerzfreiheit nach 15 Minuten“ als eindeutig überlegen und auch nach einer halben Stunde betrug das Verhältnis 72 zu 24 Prozent zugunsten der Sauerstofftherapie. Während mehr als die Hälfte der Patienten bei einer Luftbehandlung auf zusätzliche Medikamente zurück greifen mussten, war es mit Sauerstoff nur etwa ein Viertel. Die stets als unerträglich heftig erlebten Qualen bei dieser Kopfschmerzart konnten bei nahezu vier Fünftel dieser Patienten binnen 15 Minuten adäquat gelindert werden.

„Der große Vorteil der Sauerstofftherapie ist, dass sie offenbar keine Nebenwirkungen hat, leicht mit anderen Behandlungen zu kombinieren ist und mehrmals täglich angewandt werden kann“, ergänzen die Autoren. Nun sei der Weg frei für eine häufigere Anwendung dieser Behandlung, die eine Alternative darstelle für diejenigen Patienten, die Triptane nicht einnehmen können. In den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, in denen renommierte Experten die jeweils neuesten Erkenntnisse der Forschung für ihre Kollegen zusammenfassen, ist die Sauerstofftherapie bereits enthalten. Mit der jetzt veröffentlichten Studie dürfte sich deren Akzeptanz und Verbreitung in der Praxis aber weiter verbessern. Quelle: www.dgn.org

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 03/10 auf Seite 10.

Stichworte: Behandlung von Kopfschmerzen, Clusterkopfschmerz, Kopfschmerzen, Sauerstofftherapie, Triptane

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