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1993 wurde der Immunmodulator Interferon beta-1b zur Behandlung der Multiplen Sklerose eingeführt.
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche und unheilbare Erkrankung des Zentralnervensystems, die zumeist in Schüben verläuft. Zu den ersten Symptomen zählen plötzlich auftretende Sehstörungen, Arm- und Beinlähmungen, Störungen der Sprache und Koordination, Konzentrationsverlust sowie Müdigkeit und Schwindel. Bereits in den 80iger Jahren wurde der Einfluss von Immunmodulatoren auf den Verlauf der MS untersucht. Eine fünfjährige Studie (Beginn 1989) konnte zeigen, dass Interferon beta-1b die jährliche Schubrate bei Patienten mit schubförmiger remittierender MS signifikant reduziert.
Ein weiterer Durchbruch in der MS-Therapie gelang 1998, als nachgewiesen wurde, dass Interferon beta-1b nicht nur die Schubaktivität, sondern auch die Entwicklung und Progression von Behinderungen bei Patienten mit sekundär chronisch progredienter MS hemmt. In den Folgejahren häuften sich die Hinweise, dass die Therapiechancen steigen, wenn Interferon beta-1b frühzeitig verabreicht wird. Durch diese Frühtherapie kann bereits zu Krankheitsbeginn in das Geschehen eingegriffen werden – mit dem Ziel, den natürlichen Verlauf so zu modulieren, dass die Krankheitsaktivität nachhaltig gemindert und möglichst lange unter einer kritischen Schwelle bleibt.
Die Indikation zur Frühtherapie besteht, wenn in der Magnetresonanztomografie (MRT) eine relevante Läsionslast fassbar ist und sich dabei sogar eine Aktivitätszunahme zeigt. Die Ergebnisse der prospektiven BENEFIT-Studie (BEtaferon ®/Betaseron® in Newly Emerging Multiple Sclerosis For Initial Treatment) bestätigen, dass die Frühtherapie nachweislich die Entwicklung der MS verzögert: CIS-Patienten (Clinically Isolated Syndrom) erhielten zunächst für zwei Jahre Interferon beta-1b oder Placebo. Im Anschluss bekamen auch diejenigen der Placebo-Gruppe den Wirkstoff. Eine dreijährige Nachbeobachtungszeit folgte.
Das Risiko, während des Zwei-Jahres-Zeitraums eine klinisch manifeste MS zu entwickeln, verringerte sich unter Interferon beta-1b signifikant um nahezu 50 Prozent. Nach Abschluss der dreijährigen Follow-up-Phase trat das Risiko für eine Behinderungsprogression bei 24 Prozent der Patienten auf, die zunächst Placebo erhalten haben. In der von Beginn an mit Interferon beta-1b behandelten Gruppe waren es nur 16 Prozent. Dass Interferon beta 1-b effektiv und zugleich gut verträglich wirkt, zeigen auch Langzeitbeobachtungen der initial in der Zulassungsstudie von 1989 behandelten Patienten über 16 Jahre.
Diese Langzeitdaten weisen auf eine klare Verzögerung der Zeit bis zur Konversion zur SPMS (Secondary Progressive Multiple Sclerosis) um 6,6 Jahre gegenüber einem unbehandelten Kollektiv hin. Der Zeitraum bis zum Erreichen eines EDSS von 6,0 (Expanded Disability Status Scale; Skalensystem von 0 bis 10 zur systematischen Erfassung der Behinderung neurologischer MS-Patienten) verlängert sich um 4,7 Jahre. Um diese günstigen Effekte der Frühtherapie zu gewährleisten, ist eine optimale Compliance der Patienten notwendig. Unterstützt werden sie dabei durch speziell geschulte Ansprechpartner, die ihnen im täglichen Umgang mit der Erkrankung zur Seite stehen. Quelle: Presse-Round-Table „Am Anfang war Betaferon®… 20 Jahre Fortschritt und Erfolge in der MS-Therapie“ 24.09.2009, Nürnberg. Veranstalter: Bayer HealthCare
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 11/09 auf Seite 10.
Stichworte: Forschung, Forschung Medizin, Interferon beta-1b, Multiple Sklerose, Therapie, ZNS