Berufspolitik: Nachgefragt 02/10

Belästigung/Ausländische PTA

Belästigung/Ausländische PTA

Zudringlichkeiten von männlichen Kollegen oder Chef – Wie kann sich die PTA wehren? Gute Voraussetzungen für die Beratung in der Apotheke bieten oft PTA mit Migrationshintergrund – doch was ist zu beachten?

Belästigung am Arbeitsplatz – was tun?
Berufsfeld Apotheke – Chance für ausländische PTA?

Carmen Renneberg-Jarmer, Mitglied des Vorstands BVptaWie sollte sich eine PTA verhalten, wenn sie sich am Arbeitsplatz belästigt fühlt?
Die Betroffenen sollten ihre Empfindungen ernst nehmen und ihr Gegenüber direkt beim ersten Vorfall mit einem energischem „NEIN“ zurückweisen. Der „Belästiger“ muss auf jeden Fall zur Rede gestellt und bei Nichtunterlassen schriftlich darauf hingewiesen werden. Lässt es der Kollegenkreis zu, kann sich die Betroffene auch einer Kollegin anvertrauen. Manchmal stellt sich heraus, dass der „Belästiger“ auch schon bei anderen sein „Glück“ versucht hat. Ein „Tagebuch“ kann sich für spätere offizielle Beschwerden nützlich erweisen. Wird der Kollege abgemahnt/gekündigt, ist eine Eigenkündigung meist nicht notwendig.

Anders sieht es aus, wenn solche Vorfälle heruntergespielt werden oder der Betroffenen nicht geglaubt wird. Als Arbeitgeber ist ein Beschäftigtenschutzgesetz aus den gesetzlichen Grundlagen und Arbeitsrecht zu beachten. Ist das nicht der Fall, wird hier ganz klar ein Missbrauch der beruflichen Position zum Ausdruck gebracht. Erfolgen wiederholt Belästigungen, sollte ein Gespräch mit einer Frauenbeauftragten oder dem Personalrat erfolgen beziehungsweise direkte Beratung und anwaltliche Hilfe über einen Berufsverband als Mitglied in Anspruch genommen werden.

Barbara Neusetzer, ADEXA, Erste VorsitzendeHaben ausländische PTA Nachteile im Beruf?
In Apotheken muss ein Migrationshintergrund aber definitiv kein Stolperstein für den Job sein, sondern kann sogar Vorteile mit sich bringen. PTA aus türkischen, polnischen oder russischen Familien, die in Deutschland ihre Ausbildung gemacht haben, sind gerade in Städten mit hohem Zuwandereranteil gern gesehene Arbeitskräfte. Denn die Beratung in der Muttersprache schafft Vertrauen und hilft, Anwendungsfehler bei Arzneimitteln zu minimieren. Kompliziertere Systeme wie Inhalatoren oder Insulin-Injektoren können so weitaus besser erklärt werden. Sprachbarrieren bergen dagegen immer die Gefahr, dass es zu Missverständnissen kommt, die Compliance sinkt oder Interaktionen übersehen werden.

Voraussetzungen sind neben der gesellschaftlichen Integration gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift – da die meisten Kunden deutschsprachig sind. Auch die Korrespondenz mit Firmen muss fehlerfrei und stilsicher sein. Nur bei Telefonaten kommt es häufiger zu Problemen mit Kunden oder Lieferanten. In Bremen wird deshalb auf Initiative des Berufsbildungsausschusses einmal pro Jahr ein Telefontraining angeboten, das die Apothekerkammer finanziert – ein Projekt mit Vorbildfunktion.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 02/10 auf Seite 35.

Stichworte: Berufliches, Migranten, Migrationshintergrund, sexuelle Belästigung, sexuelle Übergriffe

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