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Im Laufe eines 75-jährigen Lebens reisen etwa 30 Tonnen Nahrung und rund 50 000 Liter Flüssigkeit durch unseren Verdauungstrakt – der größte und bedeutendste Abschnitt ist der etwa sieben Meter lange Darm.
Er beginnt am Magenpförtner und endet am After: der Darm, das größte innere Organ des Menschen. Die vielfach gewundene, meterlange Nahrungstransport-Röhre misst nur wenige Zentimeter Durchmesser. Anatomisch betrachtet gliedert sich der Darm in drei Hauptabschnitte – in den drei bis fünf Meter langen Dünndarm, den etwa anderthalb Meter langen Dickdarm und den nur etwa 20 Zentimeter langen Mastdarm.
Der Dünndarm, das eigentliche Zentrum der Verdauung, besteht aus dem Zwölffinger-, dem Leer- und dem Krummdarm. An seinem Beginn befindet sich die Einmündung von Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang. Zur Vergrößerung der verdauungswirksamen Oberfläche ist der Dünnarm innen nicht glatt, sondern vielfach gefaltet. In den Falten sitzen die Darmzotten, die die Oberfläche zusätzlich enorm vergrößern. Durch seine besondere Struktur weist der Dünndarm eine gigantische Resorptionsfläche auf.
Der Dickdarm besteht ebenfalls aus verschiedenen Abschnitten: An den Blinddarm mit seinem Wurmfortsatz („Appendix“) schließen sich der aufsteigende, der querverlaufende, der absteigende und der S-förmig gekrümmte Teil an. Im Bereich des kleinen Beckens folgt dem Dickdarm der kurze Mast- oder Enddarm. In der Schleimhaut des Dickdarms sind mehr als 70 Prozent der Abwehrzellen des Immunsystems beheimatet.
Besiedelt wird der Darm, vor allem der Dickdarm, von unzähligen Bakterien, die die Darmflora bilden. Die „guten Darmbewohner“ sorgen für ein gesundes Klima im Darm – sie beseitigen schädliche Keime und verwerten unverdaute Nahrungsbestandteile für den eigenen Stoffwechsel. Durch ungünstige Einflussfaktoren (z. B. Infektionskrankheiten) kann die natürliche Darmflora jedoch gestört werden.
Reise durch den Darm Auf seinem Weg gelangt der Speisebrei aus dem Magen zunächst portionsweise in den Dünndarm. Bereits im ersten Abschnitt, im Zwölffingerdarm, wird er mit enzymreichem Sekret aus der Bauchspeicheldrüse und Gallensaft vermengt. Auch in der Dünndarmschleimhaut selbst arbeiten Enzyme an der Nährstoffverdauung. Auf diese Weise können die Nährstoffe in ihre verwertbaren Grundbausteine zerlegt werden: Aus Kohlenhydraten werden einfache Zuckermoleküle, Eiweiße werden in einzelne Aminosäuren zerlegt, Fette in Fettsäuren gespalten. Die winzigen verwertbaren Moleküle werden nun über die Dünndarmschleimhaut und ihre unzähligen Zotten ins Blut abgegeben und gelangen so in alle Organe und Zellen.
Die unverwertbaren Nahrungsreste setzen ihre Fahrt durch den Verdauungstrakt fort und gelangen in den Dickdarm. Hier werden ihnen Wasser und Mineralien entzogen, durch den Wasserentzug wird der Darminhalt immer fester. Im Rektum wird der Stuhl schließlich so lange gespeichert, bis er ein ausreichendes Volumen erreicht hat. Dann wird der Defäkationsreflex ausgelöst. Normalerweise arbeitet der Darm diskret und selbständig. Eine Ansammlung von mehr als hundert Millionen Neuronen, die den Darm umhüllen, reguliert die Verdauungsarbeit. Diese Nervenzellen sind unseren Gehirnzellen sehr ähnlich und werden auch als Darmoder Bauchhirn bezeichnet. Wir nehmen es nur dann wahr, wenn die Verdauung Probleme bereitet.
Gereizt, träge, entzündet? Eine weit verbreitete Verdauungsstörung ist das Reizdarmsyndrom (RDS), das durch diffuse Schmerzen im Unterbauch, Blähungen, unregelmäßige Stuhlabsonderungen, Verstopfung und Durchfälle auf sich aufmerksam macht. Mit diesen Beschwerden kommen viele Kunden in die Apotheke. Auf jeden Fall sollten Sie als PTA Betroffenen raten, die Diagnose vom Arzt bestätigen zu lassen, denn Durchfall, Krämpfe & Co. können auch Symptome zahlreicher anderer, eventuell auch ernsthafter Darmleiden sein.
Ist die Diagnose RDS gesichert, können Sie Ihren Kunden diverse rezeptfreie Medikamente anbieten. Zur sanften Linderung von Blähungen und Bauchweh kommen beispielsweise Heilkräuter- Tees oder Fertigarzneimittel auf pflanzlicher Basis infrage. Kunden, die im Rahmen eines RDS oder aufgrund anderer Ursachen unter Obstipation leiden, können von Laxanzien wie beispielsweise Quellstoffen, osmotisch wirkenden oder hydragogen Abführmitteln profitieren.
Ein Darmleiden, das oft auch Urlaubern zu schaffen macht, ist die durch Krankheitserreger ausgelöste, akute Diarrhoe. Akut verlaufende Durchfälle sind häufig selbstlimitierend, eine ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr ist jedoch unabdingbar. Hefe-Präparate können die angegriffene Darmflora stärken, Loperamid-haltige Arzneimittel den Durchfall – falls erforderlich – stoppen.
Durchfall ist übrigens auch ein Hauptsymptom entzündlicher Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Bei Morbus Crohn handelt es sich um eine chronische Entzündung, die schubweise auftritt und alle Abschnitte des Verdauungstraktes betreffen kann. Besonders häufig befällt die Erkrankung den letzen Teil des Dünndarms und/oder Dickdarmabschnitte. Oft tritt die schwere, bis heute nicht heilbare Erkrankung erstmals zwischen 20 und 30 Jahren auf. Neben Durchfall sind Bauchschmerzen im rechten Unterbauch, leichtes Fieber, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust typische Symptome.
Im Gegensatz zum Morbus Crohn ist die Colitis ulcerosa auf den Dickdarm beschränkt. Auch sie beginnt oft schon in jungen Jahren. Charakteristische Anzeichen sind häufige Durchfälle mit Schleimund Blutbeimengungen, Leibschmerzen, vor allem im linken Unterbauch, schmerzhafter Stuhldrang, Blähungen, Gewichtsabnahme und Leistungsabfall. Colitis ulcerosa erhöht das Darmkrebs-Risiko.
Die Behandlung beider chronischer Darmentzündungen richtet sich nach der Stärke der Beschwerden, der Ausbreitung und dem Schweregrad der Entzündung. Zum Einsatz kommen unter anderem Kortikosteroide und Aminosalizylate, bei schweren Verlaufsformen auch Immunsuppressiva.
Tipps für Ihre Kunden Zahlreiche Informationen rund um das Krankheitsbild RDS finden Betroffene auf der Seite der Deutschen Reizdarmselbsthilfe e.V. (www.reizdarmselbsthilfe.de) und beim Forum www.rds-forum.de. Auf www.gastro-liga.de, der Homepage der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung, stehen aktuelle Informationen über die Verdauungsorgane, über ihre Erkrankungen, über Vorbeugungsmaßnahmen sowie Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zum Lesen und auch Bestellen bzw. zum Download bereit.
Eine umfassende Informationsquelle ist auch das Patientenportal des Berufsverbandes Deutscher Internisten, www.internisten-im-netz.de. Die Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V. bietet Patienten und Interessierten umfassende Informations- und Hilfsangebote zu beiden Erkrankungen an.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 09/10 ab Seite 50.
Andrea Neuen-Biesold, Freie Journalistin
Stichworte: Magen-Darm-Trakt, Verdauungsapparat