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Eine große Ernährungsstudie zeigt, dass viele Deutsche einen gravierenden Vitamin-D-Mangel aufweisen. Eine solche Unterversorgung kann viele gefährliche Krankheiten begünstigen.
Das fettlösliche Vitamin D ist das einzige Vitamin, das der Körper mit Hilfe von Sonnenlicht selbst bilden kann. Daher ist der Begriff „Vitamin“ hier eigentlich irreführend, denn diese Stoffe kann der menschliche Organismus nicht selber produzieren. Seine Wirkung ist auch eher die eines Botenstoffs (Hormons) im Körper.
Unzureichende Vitamin-D-Versorgung Nach den Richtwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung benötigen Säuglinge im ersten Lebensjahr sowie Senioren pro Tag 10 Mikrogramm (μg; 400 I.E.) Vitamin D, alle anderen 5 μg (200 I.E.). Leider erreichen durchschnittlich nur 18 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen die Tagesdosis. Bei Kindern kann die chronische Unterversorgung zu Rachitis und Wachstumsstörungen führen, während bei Erwachsenen hierdurch ein erhöhtes Risiko für Osteoporose besteht.
Studien zeigen außerdem einen Zusammenhang zwischen Vitamin- D-Mangel und einem höheren Risiko für schwere Krankheiten wie Morbus Parkinson oder Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Typ-1-Diabetes, Morbus Crohn oder rheumatoide Arthritis. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Krebs scheinen durch eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung begünstigt zu werden.
Ohne Sonne kein Vitamin D Die beiden wichtigsten Vitamin-D-Formen sind Vitamin D2 (Ergocalciferol), das in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommt, und Vitamin D3 (Cholecalciferol), das in tierischen Nahrungsmitteln zu finden ist, vom Körper aber auch selbst produziert werden kann. Dazu braucht er lediglich Sonnenlicht, genauer gesagt UVB-Strahlen. Mit ihrer Hilfe stellen die Hautzellen aus Cholesterin zunächst Cholecalciferol her. Dieses wird in der Leber zu Calcidiol aufgespalten, der Speicherform des Vitamin D3. In der Niere wird diese Speicherform dann zu Calcitriol umgewandelt.
Vitamin D regelt den Kalzium- und Phosphathaushalt im Körper, ermöglicht die Aufnahme von Kalzium aus dem Magen-Darm-Trakt und unterstützt auch die Mineralisierung des Skelettsystems. Müsste Calciferol allein über Lebensmittel aufgenommen werden, wäre Lebertran der beste Lieferant (vier Gramm decken den Tagesbedarf). Etwas weniger bietet fetter Fisch, von dem man bereits 200 Gramm täglich verzehren müsste. Mit den in Milch, Milchprodukten, Eiern oder pflanzlichen Lebensmitteln enthaltenen geringen Mengen kann man seinen Tagesbedarf hin -gegen nicht decken. Der effektivste Lieferant bleibt das Sonnenlicht: Ein Erwachsener kann damit täglich bis zu 500 μg (20.000 I.E.) Vitamin D bilden. Um dieselbe Menge über Nahrungsmittel aufzunehmen, müsste man 200 Gramm Lebertran oder eineinhalb Kilogramm fetten Fisch essen!
So wenig Sonne wie nötig Wenn es so einfach ist, mit Hilfe von Sonnenlicht genügend Vitamin D zu bilden, woher kommt dann der eklatante Mangel in der Bevölkerung? Sicherlich fehlt vielen die Zeit, um sich länger im Freien aufzuhalten. Auch die Angst vor Hautschäden durch Sonnenlicht spielt eine Rolle. In Deutschland hat die Sonne außerdem in den Wintermonaten kaum Kraft. Trotzdem sollte man versuchen, die Richtlinie einzuhalten, die für unsere Breitengrade und für den bei uns am häufigsten vorkommenden Hauttyp gilt: 15 bis 20 Minuten Sonneneinwirkung auf Arme und Gesicht pro Tag – ohne Sonnenschutz. Denn Sonnencremes mit Lichtschutzfaktor (LSF) hemmen die Bildung von Vitamin D. Schon LSF 8 verringert die Produktion um 95 Prozent.
Die Vorteile des Sonnenlichts (Vitamin-D-Bildung) und die Nachteile (Hautkrebsrisiko) können wohl nicht endgültig miteinander versöhnt werden. Die meisten Ärzte empfehlen daher, so viel Vitamin D wie möglich über die Nahrung aufzunehmen und sich ansonsten so oft wie möglich, aber so schonend wie nötig dem Sonnenlicht auszusetzen.
Vitamin-D-Mangel vorbeugen Bestimmte Bevölkerungsgruppen gelten als Risikogruppen für eine Unterversorgung: Säuglinge brauchen mehr „Knochenvitamin“: Ihr ganzes Skelettsystem muss sich erst bilden. Schwangere müssen das Ungeborene versorgen. Ältere oder immobilere Menschen halten sich kaum im Freien auf. Außerdem wird die Haut im Alter undurchlässiger, was die Vitamin D-Produktion erschwert.
Grunderkrankungen, vor allem der Leber oder Niere sowie Medikamenteneinnahme, zum Beispiel von Antiepileptika, können ebenfalls zu Mangelerscheinungen führen. Gegen Ende des Winters sollte man vorbeugend den Vitamin-D-Spiegel bestimmen lassen. Wichtig ist gleichzeitig die Messung der Kalziumwerte, um eine Stoffwechselstörung als Ursache für einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel auszuschließen. Über längere Zeit darf man diese Präparate aber keinesfalls ohne ärztliche Kontrolle einnehmen.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 09/10 ab Seite 34.
Holger Stumpf, Medizinjournalist
Stichworte: Sonne, UV-A Strahlen, Vitamin D, Vitamine, Vitaminmangel, Vitaminversorgung