Tatort Apotheke

Diclofenac bei Tieren: Die PTA ermittelt

Abbildung © Jayson Punwani / www.iStockphoto.com. Die PTA ermittelt. © Jayson Punwani / www.iStockphoto.com. Die PTA ermittelt.

Humanarzneimittel sind nicht so ohne weiteres auf Tiere übertragbar. Dabei muss nicht nur die Dosierung angepasst werden, viele Arzneistoffe sind wegen gravierender Nebenwirkungen kontraindiziert.

Der Fall Herr Fink betritt heute ganz betrübt die Apotheke. Seine Hündin Ginny hat sich beim Agility vertreten und danach am rechten Hinterbein deutlich gelahmt. Noch auf dem Hundeplatz tastete er das Bein ab und vermutet nun, dass es das Knie ist, was Schmerzen bereitet. Die anderen Hundebesitzer diskutierten, wie das Bein am besten zu behandeln wäre.

Einer meinte, Herr Fink solle seinem Hund Diclofenac geben, das bekäme sein Hund auch immer. Zweimal täglich 50 Milligramm wäre die richtige Dosierung bei der Größe des Hundes. Herr Fink hatte noch Diclofenac-Tabletten zu Hause und befolgte den Rat des freundlichen Herrn. Aber schon am zweiten Tag war die sonst so lebhafte Hundedame müde und antriebsarm. Am Nachmittag musste sie erbrechen und bekam schwarz-roten Durchfall.

Pharmakologischer Hintergrund Nichtsteroidale Antiphlogistika, wie Diclofenac, wirken analgetisch und antiphlogistisch. Letzteres besitzt eine hohe Penetrationsfähigkeit ins saure Milieu der Entzündungsgebiete, weshalb es beim Menschen gerne bei Entzündungen, unter anderem des Bewegungsapparates, eingesetzt wird. Ihre Wirkung erzielen nichtsteroidale Antiphlogistika durch die Hemmung der Prostaglandinsynthese.

Prostaglandine sind unter anderem am Schmerz- und Entzündungsgeschehen beteiligt. Sie besitzen allerdings auch eine Schutzwirkung auf die Magenschleimhaut. Eine bekannte Nebenwirkung von Substanzen wie Diclofenac oder ASS ist daher die Reizung des Magens. Dies liegt vor allem an der verminderten Bildung von Prostaglandin E2 (PGE2), welches die Säuresekretion und die Schleimbildung des Magens reguliert. Da auch die Thromboxansynthese gehemmt wird, kommt es außerdem zu einer verminderten Aggregation der Thrombozyten und damit zu einer verzögerten Blutgerinnung.

Der Magen-Darm-Trakt von Hunden und Katzen reagiert wesentlich empfindlicher auf zahlreiche nichtsteroidale Antiphlogistika, sodass schon bei Dosierungen, die noch gar nicht entzündungshemmend wirken, mit Reizungen des Gastrointestinaltraktes zu rechnen ist. Dazu kommt, dass beim Hund im Gegensatz zum Menschen viele Wirkstoffe dieser Gruppe, so auch Diclofenac, teilweise über die Galle ausgeschieden werden. Sie unterliegen deshalb einem enterohepatischen Kreislauf, wodurch sich ihre Halbwertszeit verlängert. Diclofenac ist deshalb beim Hund und auch bei der Katze kontraindiziert.

Zurück zum Fall Die PTA weiß, dass nicht jedes Arzneimittel, das der Mensch gut verträgt, für Hunde geeignet ist. Die geschilderten Nebenwirkungen sind ihr auch beim Menschen in hoher Dosierung oder bei langer Einnahme ohne zusätzlichen Magenschutz bekannt. Sie erklärt Herrn Fink, dass dies eine typische Unverträglichkeitsreaktion auf Diclofenac ist und er sehr leichtsinnig damit umgegangen sei. Er müsse unverzüglich den Tierarzt aufsuchen, denn je nach Dauer und Dosierung kann dies tödlich ausgehen. In der Praxis bekommt die Hündin Cimetidin sowie Infusionen mit Ringerlösung und Elekrolyten. Sie wird für drei Tage auf Futterentzug gesetzt und beginnt dann wieder mit leichtverdaulicher Kost. Nach 10 Tagen ist Ginny genesen und Herr Fink von derartigen Experimenten kuriert.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 09/10 auf Seite 19.

SB

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