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Lange wurde es als Bagatelle abgetan, wenn Beine einfach nicht zur Ruhe kamen. Heute gibt es zuverlässige Hilfe für Betroffene, die oft einen langen Leidensweg hinter sich haben.
Die Venen werden gezogen, ein Verdacht auf Parkinson oder psychotisches Hypochondertum attestiert. Dabei klagen Betroffene „nur“ über Missempfindungen in den Beinen, verstärkt, wenn Entspannung angesagt ist – also während der Nachtruhe, auf Langstreckenflügen, im Konzert, Kino oder vor dem Fernseher. Mit der wohl verdienten Entspannung ist es dann vorbei.
Ursache könnte das „Restless Legs Syndrom“ (RLS) sein, das Syndrom der ruhelosen Beine. Dabei ist es kein nervöses Beinwippen, was fast jeder kennt. Viel mehr ist es ein enormer Bewegungsdrang, insbesondere von Beinen und auch Armen. „Am Schlimmsten ist meist die Einschlafphase. Etwa 60 Prozent der Betroffenen brauchen im Schnitt mindestens eine halbe Stunde und mehr, bis sie endlich einschlafen. Und dann ist noch nicht gesagt, dass sie auch durchschlafen“, erklärt Prof. Dr. Daniela Berg vom Tübinger Hertie Institut für klinische Hirnforschung.
Etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an einer schwachen bis stark ausgeprägten Form des RLS. Dabei sind Frauen besonders häufig (etwa doppelt so oft wie Männer) betroffen. Das Syndrom tritt verstärkt im Alter um 30 und dann wieder ab etwa 60 Jahren auf.
VIER FRAGEN ALS SICHERES INDIZ
Experten haben nach langjähriger Erfahrung vier Fragen zusammengestellt, die als sicheres Indiz für ein Restless Legs Syndrom dienen. Stellen Sie Ihren Kunden diese Fragen. Werden alle mit „Ja“ beantwortet, empfehlen Sie, einen Arzt zu konsultieren, um die Diagnose definitiv zu klären. Bei Bedarf kann er eine medikamentöse Hilfe (Tabletten, Injektionen, Wirkstoffpflaster) verschreiben.
1. Missempfindungen?
Leiden Sie unter Missempfindungen wie Kribbeln, Ziehen oder Schmerzen in den Beinen, verbunden mit unnatürlichem Bewegungsdrang der Beine?
2. Auch im Ruhezustand?
Treten die Beschwerden in Ruhe auf oder verstärken sie sich dann?
3. Hilft Bewegung?
Verschafft Ihnen Bewegung eine Erleichterung dieser Symptome?
4. Abends oder nachts stärker?
Nehmen die Beschwerden abends und nachts zu oder treten sie ausschließlich dann auf?
Was hilft, was nicht? Gut gemeinte Ratschläge gibt es viele, insbesondere können Laien meist nicht verstehen und nachempfinden, warum die Beine nicht still stehen können. Wenig hilfreich ist Akupunktur. Auch Meditation oder sonstige beruhigende Maßnahmen bringen Betroffenen leider keine Besserung.
RLS ist zwar nicht heilbar, heute jedoch gut zu therapieren. Es kommen unterschiedliche Wirkstoffe zum Einsatz. Diese hängen von der Schwere der Symptome ab und reichen von Eisenpräparaten über Dopaminagonisten bis zu speziellen Opioiden. Geben Sie RLS-Patienten Tipps zur Schlafhygiene. Dazu sollte die Schlafzimmertemperatur zwischen 16 und 18 Grad liegen. Ruhig, ausreichend mit Frischluft gefüllt und gut abgedunkelt sollte der Raum sein. Ab etwa 14 Uhr empfiehlt es sich, keinen Kaffee oder Alkohol mehr zu trinken. Ins Bett geht es nicht zum Fernsehen, sondern nur zum Schlafen – und am besten erst dann, wenn sie wirklich müde sind.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/10 auf Seite 24.
Kirsten Metternich
Stichworte: Beine, Dopamin, RLS, Restless Legs