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Sportverletzungen

Abbildung © Jeannot Olivet / www.iStockphoto.com © Jeannot Olivet / www.iStockphoto.com

Täglich suchen lädierte Freizeitsportler Rat in der Apotheke. Meist sind es Topika, die verlangt werden, um Schmerzen und Schwellungen bei Zerrungen, Prellungen oder Verstauchungen zu lindern.

Der Sommer ist da – raus geht’s und rein ins Vergnügen zum Spielen, Biken, Skaten, Laufen, Kicken, Klettern, Baden oder Wandern. Was dabei nicht ausbleibt, ist die eine oder andere Blessur – das liegt in der Natur der Sache. Wunden, Prellungen, Zerrungen, Knochenbrüche, Verrenkungen, Verstauchungen sowie Verletzungen von Muskeln, Sehnen und Bändern sind bei Freizeitsportlern keine Seltenheit. Typisch ist der Kreuzbandriss bei Fußballspielern, der Unterarmbruch beim Inlineskaten, aber auch Schürfwunden, die sich Radfahrer beim Sturz zuziehen. Kleine Verletzungen, die beim Sport entstehen, können in Eigenregie behandelt werden. Doch hier ist Ihr guter Rat gefragt.

Schürfwunden Sowohl beim Mountainbiken im Gelände als auch beim Fahrrad fahren im Straßenverkehr oder auch beim Laufen sind Schürfwunden eine der häufigsten Unfallfolgen. Aber auch Hobbygärtner und Handwerker sind betroffen: Meistens trifft es die Hände, Arme beziehungsweise Ellenbogen, gefolgt von den Knien und Schienbeinen.

Glücklicherweise ist die Versorgung akut verletzter Personen in der Offizin nur selten notwendig. Doch wer seinen Betrieb in der Nähe eines Radweges oder inmitten frequentierter Einkaufszentren hat, muss damit rechnen, dass verletzte Menschen, zum Beispiel nach einem Sturz, in die Apotheke kommen. Meist handelt es sich dann um Personen mit Schürf- und Schnittwunden, denn diese zählen zu den häufigsten oberflächlichen Verletzungen, die im Freien passieren.

Schürfwunden nässen zwar, bluten jedoch nur wenig, da sich die Blutgefäße in der darunter liegenden Lederhaut befinden, die meist nicht betroffen ist. Damit sich die Wunde nicht entzündet, sollte sie vor dem Verbinden immer desinfiziert werden. Hierfür bieten sich Octenidinhydrochlorid- oder Povidon-Iodhaltige Lösungen an. Wenn sich nach der ersten Reinigung noch Steinchen oder andere Fremdkörper in der Wunde befinden, sollte man einen Arzt aufsuchen oder sie mit einer sterilen Pinzette vorsichtig entfernen. Je nach Größe wird die Schürfwunde anschließend mit einem Heftpflaster oder einer Kompresse abgedeckt.

Klassische Wundauflagen erzeugen ein sehr feuchtes Milieu. Das fördert zwar die Wundheilung, gleichzeitig können sich darunter aber Bakterien kräftig vermehren. Um zu verhindern, dass die Wunde zu feucht wird, nässt und schließlich das Sekret mit dem Pflaster verklebt, eignen sich moderne Hydrokolloid-Pflaster oder das Auftragen eines Hydrokolloidgels. Bei kleinen, oberflächlichen Wunden, die sich leicht entzünden, kann das Lokalantibiotikum Tyrothricin, der Wirkstoff Chlorhexidin oder Povidon-Iod eine Superinfektion verhindern.

Sobald sich dann Wundschorf gebildet hat, setzen die Gewebeneubildung und der Wundverschluss ein. Diesen Prozess unterstützt eine Wund- und Heilsalbe mit dem Wirkstoff Dexpanthenol, indem sie die Neubildung der Hautzellen anregt und so den Wundverschluss fördert. Gleichzeitig wird die neu gebildete Haut vor dem Austrocknen geschützt und geschmeidig gehalten.

Wichtig: Keine Wundversorgung schützt vor Wundstarrkrampf (Tetanus). Auch wer als Kind geimpft wurde, braucht alle zehn Jahre neuen Schutz.

Schnittwunden Ob im Freibad oder am Strand – wer barfuß in eine auf dem Boden liegende Glasscherbe oder scharfkantige Muschel tritt, zieht sich meist eine lange und tiefe Schnittwunde zu. Nicht selten schneiden sich Sportler auch an Reißverschlüssen oder hervorstehenden Geräteteilen. Schnittverletzungen sind oft klaffende, glatte Wunden, die auch in tiefe Gewebeschichten reichen können. Sie bluten meistens stark, sodass die Gefahr einer Infektion eher gering ist. Die Wundränder sind glatt. Im Vergleich zu Platz-, Quetsch- und Risswunden sind die Schmerzen allerdings eher gering.

Als erstes sollte die Blutung gestillt werden. Meistens wird ein leichter Druckverband angelegt, unter dem bei starker Blutung eine sterile Saugkompresse gelegt wird. Dann werden die Wundränder genau aneinander gedrückt und ein Pflaster (im Idealfall ein Klammerpflaster) quer zur Schnittrichtung aufgeklebt, damit die Wunde nicht auseinander klafft. Danach sollte der verletzte Fuß oder Finger hoch gelagert werden.

Ist der Schnitt sehr tief, können Nerven und Sehnen verletzt sein. Dies zeigt sich in Gefühlsstörungen, einer eingeschränkten Beweglichkeit oder Lähmungen. Diese Symptome sollten sofort vom Arzt behandelt werden. Wenn die Wunde länger als ein Zentimeter ist, sollte sie genäht oder geklammert werden. Dazu sollte man innerhalb der ersten sechs Stunden einen Arzt aufsuchen, denn nach sechs Stunden setzt die offene Wundheilung ein, dadurch entstehen Narben.

PECH gehabt?! Es geht oft ganz schnell: Man knickt beim Kicken im Garten mit dem Fuß um, man versucht, sich beim Sturz von der Leiter abzufangen und prallt mit der Hand heftig gegen eine Wand: Ob man sich bei dem Malheur das Gelenk verstaucht, gezerrt, geprellt oder gar gebrochen hat, können Laien selten eindeutig beurteilen. In jedem Fall aber können Ersthelfer Einfluss auf das Ausmaß der Symptome, der Schmerzen sowie auf die Heildauer nehmen.

AUCH IN DIESEN FÄLLEN IST SELBSTHILFE MÖGLICH:

Insekt im Auge
Großzügig mit Wasser ausspülen – und zwar vom äußeren Augenwinkel zur Nase hin. Lässt sich das Insekt so nicht entfernen, möglichst schnell zum Arzt!
Brennnessel-„Verbrennung“
Nur mal kurz vom Waldweg abgekommen … Ein kühlendes Gel stillt die Schmerzen.
Bienen- oder Wespenstich
Kühlung, ein juckreizstillendes Gel und homöopathische Mittel helfen schnell. Allergiker sollten immer (!) ein Notfallset vom Arzt dabeihaben.
„Zug gekriegt“
Schön geschwitzt, ein kalter Wind und schon: Schmerzen im Nacken oder Rücken! Möglichst schnell wärmen – auch wenn es draußen heiß ist!
Sonnenbrand
Vorbeugung mit Sonnenschutzmittel – insbesondere wer in den Bergen unterwegs ist.
Mückenstich
Vorbeugung mit Repellentien, Behandlung mit Kühlgels.
Pollenallergie
Pollenflugsituation beachten, Antiallergika.
Dehydrierung
Mineralwasser, isotonische Getränke etc. bereithalten.
Unterzuckerung
Durch sportliche Betätigung fällt Blutzuckerspiegel. Bei Diabetikern ist hier Vorsicht geboten. Sportlerriegel oder Traubenzucker können helfen.
Wadenkrämpfe
Ursache ist ein Elektrolyt- (durch Schwitzen) sowie Sauerstoffmangel (anaerobe Belastung) im Muskel. Krampflösung durch Muskeldehnung, -lockerung, kalte Abreibungen. Vorbeugung: Elektrolytgetränke, Mineralstoffe (z. B. als Brausetabletten).

PECH lautet die Formel für die maßgeblichen Handgriffe im Fall einer Gelenkverletzung: Eine Pause nach einer Verletzung ist selbstverständlich. Von wesentlicher Bedeutung ist die sich anschließende Eiskühlung, die in Intervallen erfolgen sollte und alle 20 bis 30 Minuten für zehn Minuten unterbrochen werden muss, um Durchblutungsstörungen zu verhindern. Zum Kühlen eignen sich beispielsweise kaltes Wasser, Eisbeutel oder Kältekissen. Der verletzte Körperteil sollte danach mit einer elastischen Binde unter leichtem Druck (englisch: Compression) fixiert und letztlich hoch gelagert werden.

© Michael Osterrieder / www.Shotshop.comRezeptfreie Topika Mit PECH allein ist es jedoch nicht getan. Zusätzlich kommen Gele, Salben und flüssige Einreibungen sowie perorale Arzneimittel in Frage. Bei Zerrungen, Verstauchungen und Prellungen hat sich ein okklusiver Salbenverband bewährt, am besten auch nachts. Dazu werden analgetisch-antiphlogistisch wirkende Salben messerrückendick auf die betreffende Stelle großflächig aufgetragen, mit einer Frischhaltefolie abgedeckt und mit einer elastischen Binde straff umwickelt. Als Wirkstoffe kommen in diesen Externa nicht steroidale Antiphlogistika beziehungsweise Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen, Ketoprofen, Indometacin oder pflanzliche Präparate in Frage.

Vor allem Arnika- und Beinwell-Extrakte können zur Entzündungshemmung empfohlen werden. Salben, Cremes oder Gele mit Heparin oder Hirudin kommen zur unterstützenden Behandlung akuter Schwellungen zum Einsatz, da sie die Resorption von Blutergüssen im Gewebe ankurbeln. Mentholhaltige Präparate können betroffene Körperpartien lokal leicht kühlen und Schwellungen reduzieren.

Verstauchung Bei einer Verstauchung (Distorsion) werden die Gelenke und damit Bänder und Sehnen durch Überdrehen, Überstrecken oder Umknicken gegeneinander verschoben. Häufig sind Verstauchungen des Sprunggelenks, nachdem der Fuß umgeknickt ist. Anschließend schmerzt das Gelenk, schwillt an, und meist entsteht ein Bluterguss. Gegen leichte Verstauchungen helfen die oben beschriebenen Sofortmaßnahmen. Im Zweifelsfall sollte jedoch ein Arzt abklären, ob die Bänder intakt geblieben sind.

Zerrung Ein Muskel bzw. eine Muskelfaser kann zerreißen wie ein überdehntes Seil. Besonders häufig geschieht das bei Sportarten, bei denen man plötzlich anhalten oder schnell beschleunigen muss. Dazu zählen beispielsweise Fuß- und Volleyball, Kurzstreckensprints, Squash oder Tennis. Muskelzerrung (Distension), Faserriss und Muskelriss beruhen alle auf demselben Verletzungsmechanismus, nur das Ausmaß der Muskelschädigung ist unterschiedlich. Zerrungen sind oft sehr schmerzhaft. Am häufigsten sind Waden- und Oberschenkelmuskulatur betroffen.

EMPFEHLUNGEN FÜR EINE MOBILE SPORTAPOTHEKE
- Sofort-Kaltkompresse/Kältepackung
- Elastische Binden
- kühlendes Sportgel oder Pflaster/-Spray
- Antiseptikum
- Sterile Wundauflage
- Steriles Verbandpäckchen (Wundauflage plus integrierte Mullbinde)
- Druckpolster
- Verband zum Fixieren
- Klammerpflaster
- Pflaster (Stripes und Pflaster zum Zuschneiden)
- Blasenpflaster
- Schmerzmittel
- Pinzette
- Einmalhandschuhe
- Wund- und Brandsalbe
- Verbandschere
- Anleitung „Erste Hilfe“

Prellung Prellungen (Kontusion) oder Quetschungen entstehen durch äußere Gewalteinwirkung, zum Beispiel durch einen Schlag, Tritt oder Sturz oder etwa bei einem Bodycheck beim Fußball. Während der Gewebequetschung reißen kleine Blutgefäße auf, sodass sich häufig ein sichtbarer Bluterguss bildet. Je größer das Hämatom ist, umso stärker fallen die Schmerzen aus und die Bewegung ist eingeschränkt. Bei Prellungen oder Zerrungen sollte die entsprechende Körperregion sofort für mindestens eine Viertelstunde gekühlt werden. Bestens geeignet sind Kühlpacks oder kühlende Sprays für unterwegs. Auch entzündungshemmende Salben oder ein Druckverband helfen gegen die Beschwerden.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/10 ab Seite 14.

Dr. Kirsten Schuster

Stichworte: PECH, Prellungen, Sportverletzungen, Verstauchungen, Wunden, Zerrungen

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