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Fieberhafte Infekte in der warmen Jahreszeit werden meistens durch Enteroviren verursacht. Abhilfe schaffen Maßnahmen, die auch bei Erkältungskrankheiten im Winter helfen.
Das ganze Jahr über muss unser Immunsystem Viren abwehren, darunter auch jene, die Erkältungskrankheiten verursachen. Das bedeutet eine Menge Arbeit – schließlich existieren mehr als 200 verschiedene Viren.
Sie sind die Ursache für Beschwerden, die sich zumeist als Atemwegsinfekte äußern. Das Interessante dabei: Auch heute sind noch nicht alle Erkältungsviren identifiziert, was erklärt, dass bei etwa 20 bis 30 Prozent der Infektionen der oberen Atemwege keine Erreger festgestellt werden können. Hauptverursacher sind allerdings Rhinoviren, von denen es zudem über 100 verschiedene Serotypen, das heißt unterscheidbare Variationen, gibt.
Circa 30 bis 50 Prozent aller Erkältungen gehen jährlich auf ihr Konto. In der Hauptsaison Herbst und Frühjahr steigt dieser Anteil jedoch auf bis zu 80 Prozent. Schnupfen (Rhinitis), Rachenentzündung (Pharyngitis), Kehlkopfentzündung (Laryngitis) oder einer Entzündung der Bronchien und Luftröhre (Tracheobronchitis) sind dann die Folge, oft kommen auch Entzündungen der Ohren (Otitis) oder Nebenhöhlen (Sinusitis) sowie auch leichtes Fieber hinzu. Durchschnittlich leiden Erwachsene zwei- bis viermal pro Jahr unter solchen Erkältungsinfekten, Kinder sechs- bis achtmal.
Gefahr im Sommer: Enteroviren Treten solche Infekte auch in den Sommermonaten auf, sind dagegen überwiegend humane Enteroviren die Übeltäter. Diese gehören wie auch die Rhinoviren zu der Familie der Picornaviridae. Das „pico“ für klein im Namen dieser RNA-Viren rührt daher, dass sie mit 22 bis 30 Nanometer zu den kleinsten bekannten Viren zählen.
Die Gruppe der Enteroviren lässt sich weiter in die Serotypen der Coxsackieviren A und B, ECHO (enteric cytopathogenic human orphan)-Viren, Enteroviren und Polioviren unterteilen. Allein gegen die Letzten, die die Krankheit Poliomyelitis (besser bekannt als Polio oder Kinderlähmung) hervorrufen, ist eine Impfung möglich. Die Übertragung der Enteroviren, die weltweit vorkommen, erfolgt fäkal-oral sowie durch Tröpfcheninfektion, also durch Niesen, Husten oder Sprechen.
Die Viren sind sehr resistent, das heißt, sie haften tagelang auf Oberflächen wie zum Beispiel Türklinken (von denen sie über die Hand ins Auge oder in den Gehörgang gelangen), Lebensmitteln und Wasser (zum Beispiel im Planschbecken im Freibad). Der Großteil der Infektionen verläuft unbemerkt. Treten uncharakteristische Symptome wie fieberhafte Infekte, Hautausschläge (Exantheme) oder Durchfall auf, ist dies zumeist nach drei bis fünf Tagen der Fall.
Einige Beschwerdebilder lassen sich dabei aber bestimmten Enteroviren zuordnen – bekanntestes Beispiel sind die Polioviren. Daneben sind besonders Coxsackie-Viren für die Ansteckung mit Erkältungen (Sommergrippe), Konjunktivitis (Bindehautentzündung) und Meningitis (Hirnhautentzündung) verantwortlich. ECHO-Viren verursachen ebenfalls Sommergrippe und Hirnhautentzündungen, aber auch Durchfälle oder Exantheme. Ferner wird die Hand-Fuß-Mund-Krankheit durch Coxsackie A hervorgerufen, Myound Perikarditis (Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung) durch Coxsackie B.
Wie steckt man sich an? Die Enteroviren lieben engen Kontakt, Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit – also beste Voraussetzungen, sich bei größeren Menschenmassen mit der Sommergrippe zu infizieren. Dies passiert daher vorrangig beim Besuch von Frei- und Schwimmbädern, Badeseen, aber auch bei Sommerfesten, Konzerten, in Bus und Bahn sowie im Urlaubsflieger. Dabei zeigt sich, dass die meisten Betroffenen „selbst schuld“ sind an der Ansteckung. Während im Winter sorgsam auf die entsprechende Kleidung und den Umgang mit der Kälte geachtet wird, ist im Sommer schnell vergessen, dass der Körper oft noch extremeren Situationen ausgesetzt ist, die sein Immunsystem belasten:
So trocknen zum Beispiel
die Schleimhäute aus, sodass Erreger leichter eindringen können. Dies wird zudem durch eine zu geringe Trinkmenge noch gefördert – aber auch durch Stress. Besonders im Urlaub kommt dann alles zusammen: Arbeiten bis zum letzten Tag, Klimaanlage im Flugzeug, nach der Ankunft gleich stundenlang in der Sonne gelegen. Und schon treten Schnupfen, Halsschmerzen und Fieber auf. Denn auch lange Sonnenbäder schwächen das Immunsystem – umso mehr, wenn der erhitzte Körper danach in kälteres Wasser eintaucht.
ZECKEN ALS URSACHE
Fieber, Kopfschmerzen, sich „grippig“ fühlen – diese Symptome können auch nach einem Zeckenbiss
auftreten, nämlich durch die Borreliose. Problem dabei: Nicht bei allen Betroffenen bildet sich die typischen Wanderröte (Erythema migrans) rund um den Zeckenbiss aus. Fragen Sie Ihre Kunden
daher, ob sie sich die letzten Tage und Wochen viel in der Natur, auch im eigenen Garten, aufgehalten haben, denn bereits durch das Vorbeistreifen an Büschen können Zecken an ihr Opfer gelangen. Ein Arzt sollte dann abklären, ob und welche Bluttests bereits aussagekräftig sind, um Borreliose-Antikörper nachzuweisen. Ist die Hautrötung vorhanden, wird zumeist gleich auch ohne entsprechenden Antikörpernachweis ein Antibiotikum verordnet. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.zecken.de oder www.bfbd.de/de
Was hilft? Empfehlen Sie Ihren Kunden, sich körperlich ein paar Tage zu schonen, wenn es sie erwischt hat. Das beinhaltet ebenfalls, sich nicht im Liegestuhl in die Sonne zu begeben, sondern das Bett vorzuziehen. Da es keine spezifischen antiviralen Mittel gegen die Enteroviren gibt, können Sie je nach Symptom zu entsprechenden Medikamenten raten, die Sie auch im Winter bei den Beschwerden durch Rhinoviren empfehlen.
So eignen sich zum Beispiel bei Schnupfen Nasenspülungen, abschwellende und Salzwasser-Nasensprays, je nach Hustenart Schleimlöser oder Hustenstiller, bei Kopfschmerzen ASS oder Paracetamol. Ist der Durchfall stark, können Sie zu Elektrolytlösungen raten, um die verlorene Flüssigkeits- und Mineralstoffmenge wieder schnell auszugleichen. Bessern sich die Symptome nach drei Tagen nicht, sollten Ihre Kunden einen Arzt aufsuchen.
Antibiotika sind bei viralen Erkältungskrankheiten nicht indiziert, leider werden sie immer noch zu häufig von Ärzten verschrieben. In Frage kommen sie dann, wenn Fieber über 39 °C nach drei Tagen nicht sinkt, das Krankheitsgefühl sich deutlich verschlechtert (zum Beispiel durch bakterielle Superinfektionen wie Mittelohrentzündung, Lungenentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung), zudem bei COPD-Patienten und wenn das Immunsystem durch die Einnahme von mehr als 30 Milligramm Prednisolonäquivalent unterdrückt wird. In diesen Fällen ist auf jeden Fall ein Arztbesuch angezeigt, gerade da bei Immunsupprimierten schneller schwere Infektionen der unteren Atemwege entstehen können.
Die beste Therapie: Vorbeugung! Sie können Ihren Kunden eine Reihe von Tipps mit auf den Weg geben, der nächsten Sommergrippe entspannt entgegen zu sehen.
Dazu gehören:
Schweine- oder Sommergrippe? Da sich die Symptome zum Teil sehr ähneln – auch bei der „Neuen Grippe“ kam es letzten Sommer manchmal zu Durchfall und Erbrechen – kann letztlich nur der Arzt anhand einer Erregerbestimmung feststellen, um welche Erkrankung es sich handelt. Anhaltspunkte können aber sein, dass die Sommergrippe nicht so ausgeprägt und akut einsetzt, zudem weisen Gliederschmerzen und Husten eher auf die Schweinegrippe hin. Raten Sie Ihren betroffenen Kunden daher, sich im Zweifelsfall an ihren Arzt zu wenden.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 07/10 ab Seite 14.
Dr. Petra Kreuter
Stichworte: Coxsackieviren, ECHO-Viren, Enteroviren, Kreuter, Poliomyelitis, Polioviren, Rhinoviren, Sommergrippe, Viren, grippaler Infekt, virale Erkältungskrankheiten
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