Aufbruch für Zuckerkranke

Diabetes in Bewegung

Abbildung © Bernd Leitner / www.Shotshop.com © Bernd Leitner / www.Shotshop.com

Im Mai trafen sich circa 7000 Fachleute in Stuttgart auf der Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Im Fokus standen Themen wie Bewegungsarmut und neue Wege der medikamentösen Behandlung.

Es muss ein Ruck durch die Diabetesszene gehen, damit alle am Therapieprozess Beteiligten Betroffene motivieren, aktiv zu werden. Denn Bewegung ist neben einer gesunden, abwechslungsreichen und energiereduzierten Lebensmittelauswahl der Weg zu guten Blutzuckerwerten bei Typ-2-Diabetes. Und von dieser Form sind nun mal nach wie vor 90 Prozent der Erkrankten betroffen.

Zahlreiche positive Wirkungen bestätigten die Ergebnisse aus dem Diabetes-Prevention-Program und der Diabetes-Prevention-Study. Ein aktiver Lebensstil birgt ein hohes Potenzial in der Primärprävention des Typ-2-Diabetes. Ferner kann regelmäßiges Training auf Dauer die gefürchteten Folgeerkrankungen positiv beeinflussen. „Aktiv sein führt zu einem reduzierten Langzeitblutzuckerwert (HbA1c), verbessert die periphere Insulinresistenz, senkt Triglyzeridspiegel und wirkt sich günstig auf die Cholesterinwerte aus“, erklärte Professor Andreas Nieß, Ärztlicher Direktor am Uniklinikum Tübingen. Auch Menschen mit gestörter Glukosetoleranz sollten aktiv werden, denn damit lässt sich eine Diabetes-Manifestation hinauszögern und teilweise sogar verhindern.

Wenn Sie im Kundengespräch auf das Thema Diabetes zu sprechen kommen, fragen Sie nach der Familienanamnese. Auch wenn beim Kunden mit positiver Anamnese und beispielsweise Übergewicht kein Diabetes vorliegt, empfehlen Sie unbedingt regelmäßige Bewegung. So lässt sich der Ungewissheit und Angst vor der Stoffwechselerkrankung entgegenwirken. Auch für Typ-1-Diabetiker ist regelmäßiger Sport wichtig – im Kampf gegen Folgeerkrankungen, die je nach Diabetesdauer schon ab Mitte zwanzig auftreten können. Körperliche Bewegung hat zur Folge, dass Zucker vermehrt von den Muskeln aufgenommen wird. Gleichzeitig lässt sich Fettgewebe, insbesondere im Bauchbereich, reduzieren. Dieses ist besonders stoffwechselaktiv und gefährlich für die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen.

© Marcus Miranda / www.iStockphoto.comMaßvoll essen Doch Bewegung allein nutzt auf Dauer wenig, wenn nicht gleichzeitig auch die Energiemenge auf etwa 1200 bis 1800 Kilokalorien am Tag reduziert wird. „Radikaldiäten bringen nicht den erwünschten Nutzen, ebenso übertriebener sportlicher Ehrgeiz“, erklärte Hormonexperte Professor Matthias Blüher von der Uni Leipzig in seinem Vortrag zum Thema Typ-2-Diabetes und Sport. Die positiven Wirkungen körperlichen Trainings auf den Zuckerstoffwechsel und die Insulinwirkung hängen nicht in erster Linie von der Trainingsintensität ab. Allerdings empfiehlt Hormonexperte Bühler einen Verbrauch von etwa 1000 Kilokalorien pro Woche durch Sport.

Wichtig ist den Betroffenen da abzuholen, wo sich sein Leistungslevel befindet, nur so kann er Stück für Stück an ein Bewegungsplus herangeführt werden und bleibt dann auch dabei. Denn Durchhalten ist für Bühler ein entscheidender Erfolgsgarant. „Auf Dauer sinken Blutdruck und die Herzfrequenz. Gleichzeitig bessert sich die Endothelfunktion, eine chronische Entzündung dieser Gefäßinnenauskleidung gilt als Auslöser der Arteriosklerose, an deren Ende Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen stehen“.

Neue Therapieoption  Oft lässt sich der Typ-2-Diabetes nicht nur durch Sport und eine entsprechende Ernährung behandeln, Medikamente müssen her. Auch hier liegt der Fokus auf Präparaten, die Typ-2-Patienten helfen sollen, Insulin und Kalorien zu sparen. Aktuell in der Studienphase ist ein Präparat mit der Bezeichnung SGLT-2 (sodium dependent glucose transporter-2), welches eine seltene genetische Störung nachahmt.

Dabei wird Blutzucker über die Nieren ausgeschieden, ohne dass es zur Unterzuckerung kommt. „Besonders für übergewichtige Typ-2-Diabetiker kann das von großem Interesse sein. Unter Behandlung mit SGLT-2- Hemmern nahmen die Patienten bis zu zwei Kilo ab“, berichtete Professor Stephan Martin, Ärztlicher Direktor am Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum der Sana-Kliniken in Düsseldorf.

Doch keine Pille ohne Nebenwirkungen, so auch bei SGLT-2: Initiale Studienergebnisse legen nahe, dass vermehrt Harnwegsinfekte und Genitalmykosen auftreten können. Beides nicht besonders förderlich, denn viele Diabetiker neigen ohnehin zu einem erhöhten Risiko für Pilzerkrankungen.

Schwangerschaftsdiabetes nimmt zu  Auch das Thema Schwangerschaft hat einiges mit Bewegung zu tun: Übergewicht und Bewegungsmangel kann einen Gestationsdiabetes fördern. Schätzungen zufolge liegt bei 20 Prozent der übergewichtigen Mütter bereits ein unentdeckter Diabetes vor – Tendenz steigend. Im Jahre 2008 hatten 4,4 Prozent aller Schwangeren weltweit einen Schwangerschaftsdiabetes. „Hierzulande werden mehr als 50 Prozent übersehen“, alarmierte der Kieler Diabetesfacharzt Dr. Helmut Kleinwechter, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG).

Folgen sind ein zu hohes Geburtsgewicht und Geburtskomplikationen, wie Neugeborenen-Todesfälle, das Steckenbleiben der Kinder im Geburtskanal sowie die damit einhergehenden Knochenbrüche und Armnervenlähmungen. Die DDG plädiert für ein besseres Screening, der alleinige Harnzuckertest ist nicht aussagekräftig. Bieten Sie daher schwangeren Kundinnen eine Blutzuckermessung an und empfehlen Sie, ein erhöhtes Ergebnis mit dem Gynäkologen zu besprechen, zum Schutz von Mutter und Kind.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 06/10 ab Seite 26.

Kirsten Metternich

Stichworte: Blutzucker, DDG, Deutsche Diabetes-Gesellschaft, Diabetes, Insulin, Metternich, SGLT-2, Schwangerschaftsdiabetes, Therapie, sodium dependent glucose transporter-2

Weitere Informationen

Zur Übersicht

  • Facebook
  • Twitter
  • delicious
  • MisterWong
  • stumbleupon
  • Google
  • Reddit
  • Digg
  • Technorati
  • Newsvine
  • Windows
  • Yahoo!
  • RSS