© Esther Hildebrandt / www.fotolia.com
Viele Frauen leiden vor ihrer Menstruation unter körperlichen und psychischen Beschwerden. Inzwischen werden diese Beeinträchtigungen der Lebensqualität und die Krankheitslast genauer untersucht.
Das „Prämenstruelle Syndrom“ (PMS) ist ein weltweit anzutreffender Symptomenkomplex, unter dem viele Frauen leiden. Dabei sind die genauen Ursachen für das PMS nicht bekannt, es scheint aber ein kompliziertes Wechselspiel zu sein, bei der auch die Veranlagung und die aktuelle psychosoziale Situation der Frau eine Rolle spielen.
Eine „Mitschuld“ an den Stimmungsschwankungen hat aber vermutlich der abfallende Estrogenspiegel in der zweiten Zyklushälfte. Dadurch geht nämlich die psychisch stimulierende Wirkung dieses aktivierend wirkenden Hormons zurück und der weibliche Körper macht sozusagen einen „Estrogenentzug“ durch.
Hintergrundinfo Das PMS tritt rund fünf bis sieben Tage vor Menstruationsbeginn auf. Die Beschwerden sind vielfältig und lassen sich in vier Kategorien einteilen:
PMS-H – Hydratisierung:
Wassereinlagerungen und Ödeme, Gewichtszunahme
PMS-A – Anxiety:
Angstzustände, Nervosität, Reizbarkeit
PMS-C – Craving:
Heißhunger auf Süßes, vermehrter Appetit, Migräne
PMS-D – Depression:
depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit
Begleitet wird das zyklusabhängige Phänomen häufig von einer Zunahme des Brustumfangs, Blähungen, Erschöpfungszuständen und einer verminderten Leistungsfähigkeit. Das PMS ist ein wissenschaftlich bekannter und anerkannter Symptomenkomplex, es stellt aber keine eigenständige Erkrankung dar. Eine besonders schwerwiegende Form ist die PMS-D, von der etwas fünf Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Dieses „verstärkte“ PMS ist aber offiziell als Krankheit anerkannt.
Was können Sie empfehlen? Sind die PMS-Störungen nicht sehr stark, kann mit gezielten Veränderungen schon eine Menge selbst getan werden. Da die Beschwerden von Frau zu Frau unterschiedlich sind, gibt es kein „Patentrezept“. Zunächst einmal gilt: Jede Betroffene sollte versuchen, mit den Symptomen positiv umzugehen. Frische Luft, Spazieren gehen oder Joggen, Massage, Entspannungsübungen oder Yoga und Tai Chi können dann schon ausreichen, die Tage vor den Tagen zu meistern. Ein Rückgang der Symptome durch körperliche Aktivität ist auch in vielen wissenschaftlichen Studien dokumentiert.
Mit Mönchspfeffer die Hormone ausbalancieren Auch Heilkräuter werden mit gutem Erfolg eingesetzt. So hilft Johanniskraut gegen die depressive Verstimmung. Melissenblätter, Baldrianwurzel, Hopfenzapfen und Passionsblume können die Reizbarkeit dämpfen und das Ein- und Durchschlafen fördern. Ein weiteres Frauenheilmittel, das auf die hormonellen Dysbalancen einwirkt, ist der Mönchspfeffer, lateinisch Vitex agnus castus. Die Samen der im Mittelmeer beheimateten Pflanze werden in der Erfahrungsmedizin schon seit langem bei Menstruations- und klimakterischen Beschwerden eingesetzt. Die Wirksamkeit des Mönchspfeffers speziell beim PMS wurde in klinischen Studien nachgewiesen.
Manchmal helfen Vitamine & Co Empfohlen werden beim PMS auch Vitamine und Mineralstoffe als Nahrungsergänzungsmittel. Ein Wirksamkeitsnachweis im Sinne der evidenzbasierten Medizin liegt aber nur für einige dieser Supplemente vor. Dies gilt für Kalzium in täglichen Dosierungen von 1000 bis 1200 Milligramm. In einer großen plazebokontrollierten Studie, bei der die Frauen über drei Menstruationszyklen beobachtet wurden, gingen praktisch alle PMS-Symptome durch die Einnahme von Kalzium zurück. Für Magnesium, das ebenfalls häufig bei PMS empfohlen wird, liegen dagegen keine überzeugenden Studien mit einem Wirksamkeitsnachweis vor.
In der Gruppe der Vitamine ist das Vitamin B6 (Pyridoxin) beim PMS gut untersucht. Es reduziert den Studien zufolge depressive Symptome besser als ein Plazebo. Die Dosierungen lagen dabei meist zwischen 50 und 100 Milligramm Vitamin B6 pro Tag.
Was kann der Arzt tun? Sind die Beschwerden stark ausgeprägt, sollte der Frauenarzt gefragt werden. Gut erprobt bei den körperlichen PMS-Symptomen sind vor allem hormonelle Behandlungen, meist eine Estrogen-Gestagen-Kombination wie in der „Pille“. Stehen eher seelische Probleme im Vordergrund, wird der Arzt vielleicht Antidepressiva verordnen, insbesondere die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.
Akupunktur – eine neue Therapieoption bei schwerem PMS? Vielen Frauen mit einem schweren PMS-D helfen aber auch Hormone oder Antidepressiva nur mäßig. Hier haben japanische Ärzte mit der Akupunktur gute Erfahrungen gesammelt. Zwar gibt es noch kein etabliertes Behandlungsschema, doch zeigt die regelmäßige, zunächst alle zwei bis drei Wochen durchgeführte Nadelung von insgesamt 25 Akupunkturpunkten gute Erfolge. Dies liegt den Experten zufolge möglicherweise an einer Normalisierung der Serotonin-Balance im Gehirn. Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 05/10 ab Seite 26.
Stichworte: Vitex agnus castus, Akupunktur, Frauen, Menstruation, Mönchspfeffer, PMS, Prämenstruelles Syndrom, Serotonin, Zyklus