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Nur mit einer guten Jodversorgung entwickeln sich Kinder geistig und körperlich optimal. Schon schwangere und stillende Mütter müssen genügend von dem Mineralstoff zu sich nehmen.
Trotz Verbesserungen in der Jodversorgung bleibt Jodmangel bei Kindern ein Thema. „In sieben Prozent der Spontanurinproben wird weniger als 20 Mikrogramm pro Liter Jod gemessen“, teilt Professor Thomas Remer vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund mit. „Das bedeutet, in einer Klasse von 30 Kindern haben durchschnittlich zwei einen schweren Jodmangel.“
Und der ist gefährlich: Jod ist essenziell für die Bildung der Schilddrüsenhormone, welche die neuronale Entwicklung, Gehörbildung und das Wachstum fördern. Je früher und je stärker ausgeprägt der Jodmangel auftritt, desto folgenschwerer ist er. Schon vorgeburtlich können irreversible neurologische Schäden entstehen. Bei Schulkindern haben epidemiologische Studien wiederholt Zusammenhänge zwischen der Jodaufnahme und dem Intelligenzquotienten belegt.
Spanische Ärzte stellten schwächere Intelligenzleistungen schon bei Kindern mit nur mildem Jodmangel fest. Er ist definiert durch eine mediane Jodausscheidung unter 100 Mikrogramm Jod pro Liter. Das Risiko für einen Intelligenzquotienten im unteren Viertel der Gesamtheit (unterhalb der 25. Perzentile) war signifikant höher bei Kindern, die kein jodiertes Salz zu sich nahmen und nicht täglich Milch tranken.
Empfohlene Zufuhr Damit schon der Fetus gut versorgt ist, müssen Schwangere auf eine ausreichende Jodzufuhr achten. Die Zufuhrempfehlung der Fachgesellschaften liegt bei 230 Mikrogramm Jod täglich. Für die Stillzeit steigt sie auf 260 Mikrogramm. Hauptquellen von Jod sind bei uns tierische Nahrungsmittel. Der Arbeitskreis Jodmangel empfiehlt nach wie vor in Schwangerschaft und Stillzeit die Supplementierung mit Jodidtabletten – allerdings nicht mehr mit 200 Mikrogramm wie noch vor Jahren, sondern nur noch mit 100 bis 150 Mikrogramm Jod pro Tag.
Problem Beikost Dem Säugling bietet industriell hergestellte, jodangereicherte Anfangsnahrung eine Jodzufuhr gemäß den offiziellen Empfehlungen. Diese sind allerdings mit 40 Mikrogramm Jod bis zum vierten Lebensmonat und 80 Mikrogramm bis zum zwölften Monat sehr niedrig angesetzt, schätzt Professsor Remer. Die Gefahr einer Jodunterversorgung sieht der Experte aber weniger bei Muttermilch oder bei Fertignahrung, sondern vor allem bei Selbstherstellung von Beikost: Für Säuglinge fehle ein mit Jod angereichertes Getreideflocken-Produkt für die Selbstherstellung von Brei, betont der Fachmann.
Jodversorgung bleibt eine Präventionsaufgabe Insgesamt hat sich die Lage an der „Jodfront“ gebessert: Kinder und Jugendliche kommen in aktuellen Studien auf eine durchschnittliche Jodtageszufuhr von 110 bis 130 Mikrogramm. Bei Erwachsenen liegt die Spanne zwischen 110 und 150 Mikrogramm. „Insgesamt lässt sich die Jodversorgung in Deutschland als nahezu ausreichend beschreiben“, kommentiert Professsor Remer. Aber eben nur nahezu.
Jodreiche Lebensmittel Hauptquellen von Jod in Lebensmitteln sind Milch und Milchprodukte, Fisch, Fleisch und Wurst. Obwohl jodreich, trägt Fisch nur zehn Prozent zur Jodbilanz bei – weil er selten gegessen wird. Tierische Lebensmittel sind nur so jodhaltig wie das Futter der Tiere, pflanzliche so jodhaltig wie die Böden, auf denen sie wachsen. Durch jodiertes Tierfutter wird Milch mit rund 100 Mikrogramm Jod pro Liter zur wichtigen Jodquelle. Der Gehalt in Biomilch liegt nach verschiedenen Analysen noch im mittleren Bereich. Eine ganze Säule der Jodzufuhr ist jodiertes Speisesalz, das 82 Prozent der Haushalte verwenden. Es enthält Kaliumjodat.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 04/10 ab Seite 32.
Ralf Schlenger, ralf.schlenger@t-online.de
Stichworte: Fisch, Jod, Jodmangel, Jodsalz, Jodversorgung, Kinder, intelligenz